Frischewelten: Teil der bunten Vielfalt im Vi...
Frischewelten

Teil der bunten Vielfalt im Viertel

Silke Liebig-Braunholz, slb
Der dritte Hamburger Standort von Metzgers Fleisch- und Foodbar befindet sich im Mercado.
Der dritte Hamburger Standort von Metzgers Fleisch- und Foodbar befindet sich im Mercado.

HAMBURG Herzstück des Einkaufszentrums Mercado in Hamburg-Ottensen ist der 900 qm große Markt mit über 30 Ständen: ein Paradies für Frische-Liebhaber.

So bunt und quirlig wie der Stadtteil ist das Angebot. In der Markthalle des Mercado mit ihrem mediterranen Flair ist alles zu haben: Fisch und Geflügel und Blumen. Auf 900 Quadratmetern werden an durchschnittlich 30 Ständen frische Lebensmittel regelrecht zelebriert.

„Wir haben hier im Mercado eine sehr hohe Kunden-Frequenz und Nachfrage nach frischen Lebensmitteln, sodass sich die Ware auch sehr schnell dreht“, erzählt Center-Manager Sven Ebert. Frische Waren anzubieten sei ihm deshalb ein ebenso wichtiges Anliegen wie ein Teil dieses lebendigen Hamburger Stadtteils zu sein. In diesem Jahr begeht das Mercado sein 25-jähriges Bestehen.

Auch Geflügel verdient Respekt

Einige der Mieter sind von Anfang an mit einem Stand in der Markthalle vertreten. Der Geflügelhof Schönecke zum Beispiel nutzte vor 25 Jahren die Gelegenheit und wagte den Schritt vom niedersächsischen Neu Wulmstorf, wo die Geschichte des mehr als 100 Jahre alten Marktbeschicker-Betriebs begann, über die Elbe nach Hamburg. „Durch unsere Präsenz im Mercado haben wir uns zu einer Marke entwickeln können“, beschreibt Geschäftsführerin Ruth Staudenmayer die letzten Jahre. Denn in diesen hat sich der in vierter Generation geführte Geflügelhof als Eier- und Geflügelproduzent auch im Lebensmitteleinzelhandel etabliert.

Einen entscheidenden Anteil daran hat das Engagement des zertifizierten Fleischsommeliers Andreas Stockfleth, der im Unternehmen für die Geflügelkompetenz verantwortlich ist. „Gutes Fleisch verdient Respekt“, sagt Stockfleth, wenn er den Mitarbeitern am Tresen oder den Einzelhändlern Wissen vermittelt. „An Geflügel traut sich so recht niemand heran. Noch immer steht Geflügel im Schatten von Dry Aged-Beef oder dem Ibéricoschwein“, sagt er. Mit dem Stand im Mercado hat der Geflügelhof nun allerdings gezeigt, dass es funktioniert und Geflügel ein ernstzunehmendes Produkt sein kann, wenn es um Qualität geht – selbst mit erhöhten Anforderungen an die Frische.

„In einer Filiale wie dieser erwarten die Kunden stets eine gut bestückte Theke mit frischen Angeboten. Wir haben unsere Warenwirtschaft darauf ausgerichtet, unterhalten keine großen Lagerplätze und sind dezentral organisiert, sodass wir stets frische Enten, Puten, Gänse, Hähnchen, Perlhühner, Stubenküken, Strauß, Wachteln und unsere aus 100 Prozent Geflügelfleisch bestehende Wurst- und Schinkenware anbieten können.

Sehr gefragt sind zudem unser Kikok-Maishähnchen aus dem Paderborner Land oder das Label Rouge-Freiland-Huhn aus Frankreich“, zählt Ruth Staudenmayer auf. Kommt es aufgrund hoher Nachfragen dennoch zu Engpässen, werde dies dem Kunden auch so kommuniziert. „Wenn ein Kunde zwanzig Wachteln haben möchte, muss er eben drei Tage lang warten, bis sie eingetroffen ist“, erzählt die Chefin.

Direkt gegenüber bezog Ende 2018 Metzgers Fleisch- und Foodbar von Fleischermeister Mike Griesch ihren Stand. Mit seinem etablierten Konzept eröffnete er hier seine dritte Hamburger Filiale. „Im Gegensatz zu unseren anderen Standorten verteilt sich das Frische-Angebot im Mercado durch die vielen unterschiedlichen Händler ein wenig. Da unser Schwerpunkt aber ohnehin auf Fleisch liegt und wir ganzjährig kein Geflügel anbieten, freuen wir uns über die Nachbarschaft“, sagt er. Auch wenn er an diesem Standort einen niedrigeren Durchschnittsbon hat als an den anderen beiden, sei er mit der Umsatzentwicklung zufrieden.
„Das Mercado ist ein Ort mit einer hohen Kundenfrequenz. Auch deshalb hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass es bei uns gute Burger gibt und man uns bei der Zubereitung zuschauen kann“, sagt Griesch. Daneben bietet er in seinen Bars mittlerweile auch traditionelle Speisen wie etwa Kochwurst und Kasseler. Das komme sehr gut an.

Sven Ebert liebt diese individuellen Konzepte seiner Mieter. Das mache es gerade so lebendig. „Ich kann sehr genau sagen, dass wir neue Zielgruppen erreichen, wenn wir neue Konzepte ausprobieren. Wir wollen uns damit auch von den Discountern abheben und diesem Stadtteil etwas Besonderes bieten“, sagt er. Mit seinem Team sorgt er für die Rahmenbedingungen und dafür, dass der Mix bewahrt bleibt.

„Viele unserer Mieter bieten ihre Produkte als Handelsware und offerieren daneben ein gastronomisches Angebot“, erklärt der Manager. Das erfülle einerseits den Anspruch der Kunden, den Standbetreibern in die Küchen schauen zu können, erfordere aber auch höhere Hygienemaßnahmen. „Wir bedenken diese Aspekte bereits beim Ladenbau und geben Tipps, wie man alle Flächen hygienisch halten kann und versteckte Eckenv ermeidet, die man später nicht mehr erreicht“, beschreibt Ebert den Prozess. Wichtig ist ihm zudem die Einhaltung der Sichtachsen innerhalb der Lauflinien. So dürfen seine Mieter unter anderem keine toten Flächen schaffen und andere Mieter in ihrer Sichtbarkeit behindern.

Kunden lieben Frische

Davon profitiert beispielsweise der Fisch-, Feinkost- und Meeres-Spezialitäten-Anbieter Fisherman, der täglich beispielsweise rund 25 Sorten Fischfilet im Angebot hat, oder der Italiener Solati mit seinen südländischen Spezialitäten wie etwa eingelegtem Schafskäse, Antipasti, gegrillten Austernpilzen, luftgetrocknetem Schinken oder hausgemachte Cremes mit Gewürzen und Gemüsen wie Aubergine oder Paprika. Schräg gegenüber hat sich das Konzept „Brot & Stulle“ von Hamburgs Filialbäcker Dat Backhus breit gemacht. Hinter dem Verkaufstresen steht täglich ein Bäcker, der auf 16 Blechen frische Brote backt.

Die Kunden können sie im Ganzen kaufen oder sich setzen und eine der täglich acht verschiedenen Brotsorten belegen lassen. Dabei verzichtet Verkaufstrainer Frank Holling an diesem Stand ganz bewusst auf Mett. „Wir wollen uns abheben und setzen dafür auf Trüffelsalami oder Hummus“, betont er. „Fakt ist, dass unsere Kunden die Frische lieben.“

Das bestätigt auch Roy Bandelt von seiner Edeka-Filiale, in die er seit der Eröffnung im Mercado eine Frische-Theke integriert hat. Mit rund 200 Fleischartikeln setzt er sich nochmal um einiges von seinem Mitbewerber Metzgers ab, der rund 80 Produkte in der Theke führt. „Wir wollen den Kunden immer an der Theke haben und entscheiden täglich neu, ob wir weitere Produkte ins Sortiment aufnehmen“, erklärt Michael Kremer, Abteilungsleiter Fleisch, den Spagat.

Priorität habe ein frisches und vielfältiges Fleisch-Angebot von Rind, Schwein, Kalb, Lamm und Geflügel. Kalbs- und Rinderleber, kanadische Rumpsteaks, neuseeländisches Lamm, Rinderherzen, Entrecôte, Kluftsteak oder Putenbrust sind immer zu haben. Daneben hat sich Bandelt mit seiner heißen Theke einen Namen gemacht. „Schon morgens verzehren unsere Kunden hier Würstchen und frühstücken bei uns.“

Paradies für Frische-Liebhaber: Das Mercado in Hamburg

Das Einkaufszentrum

Eröffnungsdatum: 5. Oktober 1995

Investitionsvolumen Bau: 90 Mio. Euro

Investitionsvolumen Ausstattung Läden: 12,5 Mio. Euro

Logistik: Im Center gibt es kurze Lieferzonen für die Standbetreiber, die Stände können von mehreren Eingängen aus beliefert werden. Auch der Fahrstuhl ist bequem zu erreichen, damit die Standbetreiber schnell in ihre Lagerflächen gelangen, die sich unter der Markthalle befinden.

Herzstück: Markt mit 900 qm und mehr als 30 Ständen, neben den beschriebenen gibt es auch Käse, Kaffee und Konfiserie-Artikel. Zusätzlich bieten das Center und das benachbarte Geschäftshaus Ottensen rund 60 Geschäfte.

Gesamtfläche: 33.500 qm

Anzahl Wohnungen: 75

Verwalter: Sonae Germany GmbH (deutsche Tochter der portugiesischen Gesellschaft Sonae Sierra)

Inhaber: Union Investment

Weitere Frischewelten finden Sie hier.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 5/2020
stats