Grillmeisterschaft: Glutsbrüder kämpften um d...
Grillmeisterschaft

Glutsbrüder kämpften um die Krone

GBA
Siegten bei den Amateuren: „Wild West BBQ“
Siegten bei den Amateuren: „Wild West BBQ“

FULDA Spezialisten mit hohem Anspruch an solides Handwerk und bemerkenswerte Kreativität: Bei der 23. Deutschen Grill- und BBQ-Meisterschaft auf dem Messegelände Fulda-Galerie trafen sich die Grill-Asse zum Leistungsvergleich. Tausende Besucher holten sich neue Inspirationen.

Hardcore-Grillfans bilden eine ganz spezielle Community. Die ganz Leidenschaftlichen bringen ihr Faible mit teils geistreichen, teils niveaulosen Motto-Shirts auf den Punkt. Der Träger des Feinrippstoffs etwa, der auf sein – auch ohne den Schriftzug nicht zu übersehendes „Feinkostgewölbe“ – hinweist oder das „Barbecue Girl“, allerdings in Brünett statt im erwarteten Blond. Einer wollte gar mit besonderem Nachdruck den Ernst der Sache mit dem Spruch „Fleisch ain’t no Firlefanz“ konkretisieren.

Schließlich ging es in Fulda um nichts Geringeres als um Krone und Zepter. Und diese royalen Insignien sicherte sich Dirk Poerschke aus dem unterfränkischen Sennfeld. Der neue Grillkönig in der Profi-Kategorie bei der 23. Deutschen Grill- und BBQ-Meisterschaft wurde für ein Jahr in den Adelsstand erhoben. Mit seiner Mannschaft „BBQ Team Los Grillos“ errang Poerschke in zwei von sieben Kategorien erste Plätze: Seinen vegetarischen Gang mit Paprika-Zucchini-Röllchen auf einem Ricotta-Polena-Keks mit lauwarmem Lauch-Fenchel-Salat und Grünkern-Croutons hob die Jury auf Wertungsplatz eins. Damit untermauerte er seine Kompetenz als Veggie-Spezialist: Schon bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr hatte sich der Sennfelder mit einem fleischlosen Grillgericht den Titel geschnappt. Aber auch beim mit Himbeer-Pflaumen-Sauce glasiert angerichteten, in drei Variationen servierten Beef-Brisket waren die „Los Grillos“ nicht zu schlagen. 

Die Disziplinen
Von den 36 Teams mit jeweils maximal zehn Mitgliedern kamen dieses Mal 20 aus dem Amateur- und 16 aus dem Profilager. Von jedem geforderten Wettbewerbsgang – für die Profis sechs, für die Amateure vier – bereiteten die Mannschaften elf Portionen zu.

Von Fisch-Gross kamen die Rhön-Forellen, Gourmetfleisch stellte als Sponsor „Duroc Tomahawk“ bereit, Eatventure legte Red Heifer Brisket in den Warenkorb. Für den Plancha-Wettbewerb am Samstag hatte der Hünfelder Geflügelhof Petersen Kikok-Hähnchenbrustfilet ohne Knochen geliefert.

1. Gang: Rhönforelle mit Beilage

2. Gang: Vegetarisches Barbecue mit Beilage

3. Gang: Schweinerücken mit Beilage

4. Gang: Chef’s Choice mit Beilage

5. Gang: Beef Brisket mit Beilage

6. Gang: Dessert mit Beilage
Aus Nettetal kommt der Amateur-Sieger: Stefan van den Eertwegh und seinTeam „Wild West Barbecue“ lag in zwei von vier geforderten Kategorien ganz vorn: Ihre Trilogie von der Rhönforelle auf Feigen-Senf-Sauce wurde begleitet von Räuchergrissini und Rote-Bete-Souffle mit geplankten Herzoginkartoffeln. „Ohne Schnickschnack“ nannten sie ihr Beef-Brisket auf Portwein-Vanille-Jus. Als passende Beilagen mundeten Black-BBQ-Porree und Trüffelpüree von der Zedernholzplanke.

Die regionale Ausrichtung der nun zum dritten Mal in seiner Heimatstadt ausgetragenen Meisterschaft liegt Präsident Volker Elm von der German Barbecue Association (GBA) als Ausrichter immer besonders am Herzen: Der Fuldaer und seine Präsidiumskollegen hatten den Landkreis als Sponsor für die Regenbogenforellen aus der Rhön gewonnen. „Der Fisch soll glasig sein, nicht totgegart“, umriss „Fischtante Martina“ die Wettbewerbsanforderungen. Ihr erstmals angetretenes Bad Langensalzaer Amateur-Team „Longhorn BBQ“ hatte die jeweils 300 bis 400 Gramm schweren Fische regionaltypisch abgewandelt und Thüringer Klöße als Beilage gewählt. Die Rhein-Main BBQ-Society gab sich ganz wagemutig und fügte sogar angegrillten Handkäs’ dazu.

Grill- und BBQ-Meisterschaft 2018: Die größte Grillparty Deutschlands

Insgesamt waren die Veranstalter mit dem Wettbewerb überaus zufrieden. „Das Leistungsniveau ist in den letzten Jahren explodiert und bewegt sich fast schon auf Sterne-Niveau“, findet Volker Elm und fügte hinzu: „Unsere Teilnehmer sind Spezialisten mit hohem handwerklichen und kreativen Anspruch.“ Die BBQ-Szene wolle beim Wettbewerb aber nicht nur Spaß haben und ihre Leistungen vergleichen. „Wir helfen dem Fleischerhandwerk, moderne und hierzulande noch unbekannte Teilstücke zu etablieren und sich in Szene zu setzen“, hob der GBA-Chef hervor.

Zwar besetzt das Nackensteak zumindest bei Otto-Normalgriller weiterhin Platz eins in der Beliebtheitsskala, aber der harte Kern der Grillcommunity verlangt auch beim Fleischer die eher ausgefallenen Cuts wie Secreto, Flanksteak oder Flat Iron. Insofern hofft Elm, dass die Fleischer diese Chance erkennen und es ihnen künftig so geht wie den Imbissbetreibern: „Die sind keine schnöden Würstchenbrater mehr, sondern hippe Foodtrucks.“ Gleichzeitig wünscht er sich vom Handwerk eine größere Mitwirkung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit.

Neben den zum ersten Mal mit einem Infostand vertretenen Fleischsommeliers e.V. stellt sich Elm vor, dass sich die örtliche Innung mit einer Zerlegedemonstration beteiligt. „Es ist noch viel Verbraucheraufklärung zu leisten. Unser Vorteil ist die Wissbegierde der Grillfans.“

Die Sieger auf einen Blick

Eine Riesen-Herausforderung: 137 Juroren verkosteten knapp 2.000 Portionen – direkt im Wettbewerbskaro genannten Teambereich oder als Blindproben im Juryzelt. Für die einzelnen Wettbewerbskategorien wurden folgende Sieger ermittelt:

Rhönforelle mit Beilage

Profis: 1. S.W.A.T. BBQ; 2. BBQ-Wiesel; 3. Smokin’S

Amateure: 1. Wild West BBQ; 2. Brandstifter; 3. Back Burners Saar

Vegetarisches BBQ mit Beilage

Profis: 1. BBQ Team Los Grillos; 2. BBQ-Wiesel; 3. Grill-Doch-Mal

Schweinerücken mit Beilage

Profis: 1. Aartal-BBQ-Crew; 2. Cooklounge BBQ; 3. S.W.A.T. BBQ

Amateure: 1. Ruhrgold BBQ; 2. Grill Bomber’s; 3. Speel the firit

Chef’s Choice mit Beilage

Profis: 1. Rebels of Barbeque; 2. Rhein-Main-BBQ-Society; 3. Rhöner Heimat Griller

Brisket mit Beilage

Profis: 1. BBQ Team Los Grillos; 2. Aartal-BBQ-Crew; 3. Cooklounge BBQ

Amateure: 1. Wild West BBQ e.V.; 2. Berlin BBQ Brothers; 3. BBQ Brew Crew

Dessert mit Beilage

Profis: 1. Aartal-BBQ-Crew; 2. S.W.A.T. BBQ; 3. BBQ-Wiesel

Amateure: 1. Wild West BBQ e.V.; 2. BBQ aus Massen; 3. Grill Bomber’s

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