Karriere im Fleischerhandwerk: Herzblut und L...
Karriere im Fleischerhandwerk

Herzblut und Leidenschaft

Rupp, Rupp
Frisch gebackener Meister: Julian Rupp aus Sulzbach/Murr hat mit gerade mal 20 Jahren fast schon eine Turbokarriere im Metzgerhandwerk hingelegt.
Frisch gebackener Meister: Julian Rupp aus Sulzbach/Murr hat mit gerade mal 20 Jahren fast schon eine Turbokarriere im Metzgerhandwerk hingelegt.

SULZBACH Fasziniert von der Handwerkskunst, zielstrebig und ehrgeizig: Julian Rupp aus Sulzbach an der Murr hat als 20-Jähriger beachtliche Karrieresprünge mit zahlreichen Erfolgen hinter sich. Für die Zeit nach seiner Meisterprüfung hat er weitere Pläne.

„Wenn Du lachst, kannst Du alles verkaufen.“ Diese anspornende Einschätzung seines Berufsschullehrers will sich Julian Rupp, der seinen Meisterkurs Anfang Dezember erfolgreich beendete, auf jeden Fall zu Herzen nehmen. Denn in diesen Bereich des Fleischerhandwerks will der 20-Jährige aus Sulzbach an der Murr im Rems-Murr-Kreis künftig mit großer Tatkraft einsteigen und sein Wissen anwenden.

Für den jungen Mann war schon recht früh klar, wohin ihn sein beruflicher Weg einmal führen würde: „Ich komme aus einer Fleischerfamilie und bin die fünfte Generation. Das heißt, schon mein Ur-Ur-Großvater war Metzger mit Leib und Seele. Die Handwerkskunst hat mich schon immer genauso fasziniert wie die Möglichkeit, aus einem lebendigen Tier Produkte herzustellen, die ein Stück Lebenskraft sind.“ Als er im Grundschulalter war, stand für ihn fest, dass er diese Tradition einmal weiterführen würde. Seine Eltern Volker Rupp (52) und Elke Rupp-Holzwarth (51) sind beide Fleischermeister. Sie überließen ihrem Sohn die alleinige Entscheidung, sich für die Unternehmensnachfolge fit zu machen. Während sein drei Jahre älterer Bruder Maximilian zunächst Foodmanagement studierte und sich aktuell zum Steuerberater ausbilden lässt, untermauerte Julian Rupp sein Berufsziel ganz eindeutig: „Ich werde Metzger. Und zwar aus Leidenschaft. Denn entweder macht man es mit Herzblut oder man lässt es ganz bleiben.“ Und mit genau dieser Leidenschaft brennen auch seine Eltern, so dass sie ihn zwangsläufig ansteckten.

Mit Zielstrebigkeit in die berufliche Laufbahn

Nach seinem Realschulabschluss im Mai 2018 trieb Julian Rupp seine berufliche Karriere im Fleischerhandwerk mit großer Zielstrebigkeit voran: Bereits im September des gleichen Jahres begann er seine Metzgerlehre in der renommierten Metzgerei Schäfer in Weinstadt. Auch bei der Auswahl des Lehrbetriebs überließ er nichts dem Zufall. „Die Schäfers haben einen sehr guten Namen“, begründet er seine Entscheidung.

Trotz kleinerer coronabedingter Verzögerungen beendete der junge Mann seine Lehre Ende Juli 2020 innerhalb von zwei Jahren als Innungsbester. Seine Noten in den praktischen und theoretischen Prüfungsteilen waren so gut, dass ihm auch der Kammer- und sogar der baden-württembergische Landessieg zuerkannt wurden. Dass er derart gut abschnitt, verdankt Rupp in erster Linie natürlich seinem Ehrgeiz und dem Willen, Bestleistungen abzuliefern. Aber auch seine Eltern unterstützten und berieten ihn nach Kräften. „Sie haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich bei den Abschlussprüfungen den gesamten Lernstoff abrufen konnte“, sagt er. „Es waren schon ein paar Nächte, die wir drei uns vor der praktischen Prüfung um die Ohren gehauen haben, damit alles perfekt sitzt.

Bei den Schäfers habe ich sehr viel gelernt und zu Hause mit meinen Eltern noch den Feinschliff geübt.“ Die Mühen haben sich offensichtlich gelohnt. Neben Innungs-, Kammer- und Landessieg freute sich die komplette Familie mit Julian über zwei weitere Auszeichnungen: Für beste schulische Leistungen an der Gewerblichen Schule Backnang erhielt er einen Sonderpreis der Karl-Kaufmann-Stiftung und als bester Azubi des gesamten Rems-Murr-Kreises den Otto-Frey-Preis.

Derart beflügelt meldete sich der junge Mann gleich für einen Meisterkurs an. Von September bis Dezember paukte er den Stoff an der Fleischerschule in Augsburg. Den Erfahrungsaustausch mit insgesamt 28 weiteren Mitstreitern schätzte er sehr: „Es ist total interessant – auch weil man so viele Gleichgesinnte kennenlernt.“ Kurz vor Weihnachten kehrte Julian Rupp zunächst in den elterlichen Betrieb zurück. Bei seinen weiteren Plänen, die er schon nächstes Jahr realisieren will, konzentriert er sich auf Zusatzqualifikationen.

„Ich möchte 2021 einen Fleisch- sowie einen Wurst- und Schinkensommelierkurs besuchen, mich zum Ernährungsberater und zum Betriebswirt des Handwerks ausbilden lassen. Für die Nationalmannschaft des deutschen Fleischerhandwerks habe ich mich ebenfalls schon beworben.“ Damit wäre er umfassend gerüstet, um eines Tages den Familienbetrieb, in dem noch selbst geschlachtet wird, mitsamt seinen beiden Filialen in Großaspach und Backnang zu führen. 

Doch bevor das der Fall sein wird, will Julian Rupp ausgiebig über den Tellerrand schauen. „Ich würde gern zwei Jahre lang berufliche Erfahrungen in anderen Betrieben in Deutschland sammeln und eventuell auch ins Ausland gehen.“ Derzeit genießt er im Familienbetrieb aber erst noch ausgiebig die Vielseitigkeit seines Berufs und die Anforderungen, die die verschiedenen Produktionsabläufe an ihn stellen. „Am Kutter stehe ich am liebsten“, berichtet er. Aber auch die Arbeit im Team bereitet ihm viel Freude: „Ich finde es toll, dass ich nicht den ganzen Tag irgendetwas allein machen muss, sondern mit Kollegen zusammenarbeite.“

Viele Gleichgesinnte im Freundeskreis

In Julian Rupps engem und langjährigen Freundeskreis gibt es zahlreiche Gleichgesinnte. Viele seiner Kumpel haben ebenfalls einen handwerklichen Beruf erlernt, etwa Industrie- oder Kfz-Mechaniker. Insofern stieß er mit seinem Berufswunsch Metzger keinesfalls auf Argwohn oder Unverständnis.

Um das Image des Fleischerhandwerks zu verbessern und wieder mehr junge Leute für die Berufe zu begeistern, wünscht er sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen. „Beide Bereiche müssen stärker ineinandergreifen und der Jugend nachhaltige handwerkliche Tradition vermitteln.“ Auch die Entwicklung neuer schmackhafter Produkte, sogar vegetarische und vegane, ist für Rupp ein Denkansatz, mit dem man Jugendliche davon überzeugen könnte, dass das alte Metzgerklischee längst „von gestern“ ist.

In der Freizeit treibt Julian Rupp Sport. „Früher war ich im Tennis- und Fußballverein“, berichtet er. „Heute spiele ich aus Zeitmangel nur noch sonntags das eine oder andere Match.“ In seiner kleinen Werkstatt schraubt er gern. „Das ist mein Hobby – dafür nehme ich mir gern Zeit.“

Zur Person

  • Alter: 20 Jahre
  • Berufliche Laufbahn: Realschulabschluss im Mai 2018; September 2018 bis Juli 2020: Fleischerlehre bei Schäferin Weinstadt; Innungs-, Kammer- und Landessieger; September bis Dezember 2020: Meisterkurs an der Fleischerschule Augsburg
  • Weitere berufliche Ziele: Weiterbildung zum Fleischsommelier, Wurst- und Schinkensommelier, Ernährungsberater, Betriebswirt des Handwerks; Übernahme des elterlichen Betriebs
  • Webseite: www.rupp-holzwarth.de

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Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 52/2020
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