Ladenbau: Generationswechsel setzt Zeichen
Ladenbau

Generationswechsel setzt Zeichen

Rainer Heck, rh
Rainer Wilms (Mitte) ist stolz, dass seine Söhne Marco und Michael (rechts) die Familientradition fortsetzen und den fleischerhandwerklichen Betrieb weiterführen.
Rainer Wilms (Mitte) ist stolz, dass seine Söhne Marco und Michael (rechts) die Familientradition fortsetzen und den fleischerhandwerklichen Betrieb weiterführen.

ROETGEN Umbau bei Wilms in Roetgen: Reifekammer und bernsteinfarbener Blickfang bereichern das Fleischer-Fachgeschäft. Eine Fotostrecke finden Sie am Ende des Beitrags.

Bestes Fleisch verkaufen und den besonderen Genuss zelebrieren: Das ist seit mehreren Generationen das Ziel der Familie Wilms aus Roetgen, einer kleinen Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, nahe Aachen und der belgischen Grenze.

Die Tradition der Familie umfasst sämtliche Stufen der Fleischerzeugung und -veredlung unter einem Dach. Die in Mutterkuh-Haltung selbst aufgezogenen Rinder und seit Kurzem auch die prominent im Laden platzierte Reifekammer markieren den Stil des Hauses. Die Schlachtung unterstreicht den Handwerkscharakter des Familienbetriebs in der Mitte der knapp 9.000 Einwohner zählenden Gemeinde.

Rinder aus eigener Aufzucht grasen auf Eifelwiesen

Die stetige Qualitätsüberwachung beginnt mit der Auswahl der Kälber. Sie grasen artgerecht auf den Eifelwiesen in unmittelbarer Nähe zum Roetgener Ortskern. Die Tiere bleiben ihr Leben lang in vertrauter Umgebung, Stress ist für sie ein Fremdwort. Für die Herkunft von Schweinefleisch und Wild – Rehe und Hirsche aus dem Nationalpark Eifel – legen die Wilms die gleichen Maßstäbe an. Die Transportwege sind sehr kurz. „Das wirkt sich auch auf die Fleischqualität aus“, betonen die drei Fleischermeister – Seniorchef Rainer Wilms und die beiden Söhne Marco und Michael.

Viele Kunden kommen wegen dieser ganzheitlichen Vermarktung. Sie fragen edle Teilstücke nach, aber auch Standardartikel. „Unser Konzept trägt Früchte“, heben die beiden Jungmeister hervor. „Wir haben viele jüngere Kunden, die nach Spezialitäten und deren Zubereitung fragen.“ Seit langem kommen nicht nur die Einheimischen zum Einkaufen. Sogar Kunden aus benachbarten belgischen und niederländischen Gemeinden im Umkreis von circa 20 Kilometern finden regelmäßig den Weg zu den Wilms, soweit es die jeweils aktuellen Corona-bedingten Vorgaben zulassen.

Die Produktpräsentation wurde in den vergangenen fünf Jahren zwei Mal optimiert – auch wenn sich nicht alle Umbauwünsche in die Tat umsetzen ließen. Denn ursprünglich sollte bei der Erweiterung des Fleischer-Fachgeschäfts ein Obst- und Gemüse-Angebot den kulinarischen Rahmen verbreitern. „Leider lief die Suche nach einem geeigneten Partner ins Leere“, bedauern Michael und Marco Wilms. Als sich die Brüder entschlossen, die Familientradition fortzusetzen, wollten sie die Funktion als Nahversorger ausbauen. Mit Beginn der Corona-Pandemie wurde es notwendig, bei der Umgestaltung einen anderen Schwerpunkt zu setzen. Aufgrund der mit 45 qm eher kleinen Ladenfläche suchte die Familie nach einer Lösung, die den Kunden die Wartezeit angenehmer gestaltet. Für die Wintermonate schafften sie ein beheiztes Zelt mit eigenem Fußboden an, das zwischen Parkplatz und Fachgeschäft aufgestellt wurde.

Komfortableres Arbeiten hinter der Theke

Der Blick durchs Schaufenster erlaubt eine Sicht auf die Warenpräsentation in der Kühltheke sowie auf das Panorama der Reifekammer für die per LED-Spots in Szene gesetzten Edelstücke von Rind und Schwein. „Wir wollten nichts dramatisch Neues machen, sondern das Gewohnte optimieren“, lautete die Devise der Familie Wilms für ihren Umbau, der ganze drei Wochen in Anspruch nahm. Die an den Hälften befestigten Informationen über Reifezeit, Art des Zuschnitts, Zubereitung und weiterer Details lässt kaum Fragen offen. Sachkundig und ausführlicher beantwortet werden diese dann vom kompetenten Verkaufsteam. Die Umluftkühlung von Schrutka-Peukert sorgt im neu installierten Reifebereich für stabile Temperaturen von 1°C. Die rückwärtig angebrachten Wände aus Salzblöcken entziehen dem Fleisch überschüssige Feuchtigkeit. Beim Umbau kam es darauf an, dass den Mitarbeitern im Verkauf mehr Bewegungsfreiheit hinter der Theke zur Verfügung steht und damit die Verkaufsvorgänge flotter ablaufen. Die Natursteinmaterialien für Fußböden und Wände blieben erhalten. Das Ambiente wurde durch die neuen Pendellampen aber insgesamt wesentlich moderner und heller. Sie leuchten den Bereich zwischen Ladendecke und Oberkante der Thekenverglasung perfekt aus. Um diesen Effekt zu erhalten, wurde exakt ausgetüftelt, welche Lichtstärke und -farbe eine optimale Wirkung erzielt. Mit den jetzt verwendeten LED-Leuchtmitteln ließen sich die bisherigen Stromkosten überdies um die Hälfte reduzieren.

Ein effizienter Energieeinsatz spielt auch bei der Kühlung eine zentrale Rolle. Ihr Fleisch, die Fleischwaren und Feinkostartikel präsentieren die Wilms in einer knapp 7,50 Meter langen Theke mit Differentialkühlung. Die Verdampfer und Aggregate verrichten ihren Dienst in den Kellerräumen – dadurch bleibt die Atmosphäre im Ladenbereich ruhig und von störenden Geräuschen verschont. Durch die Änderung der Lampenposition wurde eine stützenfreie Glaskonstruktion für die Thekenaufsätze ermöglicht – ein großer Vorteil für die Warenpräsentation und den Blick aufs Sortiment.

Abstrakte Stier-Abbildung verweist auf eine Viehzucht

Die großformatige, abstrakte Abbildung eines Stiers dient als Blickfang, verweist aber auch gleichzeitig auf die eigene Rinderherde und die Tradition der eigenen Schlachtung der Familie Wilms. Direkt gegenüber zieht der neu installierte Fleischkühlschrank mit integriertem Wolf die Blicke auf sich. Im Verkaufsraum ist auch ein Selbstbedienungsregal mit Glaskonserven positioniert, die Appetit auf die breite Palette von zwei Dutzend verschiedenen Fleischwaren und Fertiggerichte macht. Renner sind neben Sauerbraten, Rinder- und Wildgulasch weitere herzhafte Artikel wie Frühstücksfleisch und Schmalz. Die Bandbreite von Ragout fin bis Grünkohl entwickelte sich schon vor dem Umbau zum Bestseller.

Ebenfalls neu angeschafft wurden ein Waagen- und Kassensystem von Bizerba sowie ein Verkaufsautomat. Er ist direkt neben der Eingangstür aufgestellt und erlaubt die unkomplizierte, bargeldlose Bezahlung per EC-Karte.

Aus einem schlichten, aber qualitativ hochwertigen Rohstoff etwas Besonderes herstellen: Das ist und bleibt das ehrgeizige Ziel der Familie Wilms. Ob Schinken, Rohwurst, Brühwurst oder Kochwurst – bei allen Fleischwarenvarianten spielen in dem von Josef Wilms im Jahr 1900 gegründeten Betrieb selbst zusammengestellte Gewürzkompositionen und überlieferte Rezepte eine Rolle.

Wilms in Roetgen: Reifekammer wird zum Blickfang

Steckbrief

  • Gründung: im Jahr 1900 von Josef Wilms
  • Betriebsinhaber: Rainer, Marco und Michael Wilms
  • Standort: Ortsmitte von Roetgen; Parkplätze vor der Tür
  • Mitarbeiter: 13; davon 7 im Verkauf, 4 in der Produktion; 1 Koch, 1 Bürokraft
  • Sortiment: Rindfleisch aus eigener Tierherde, Schweine aus benachbarten Betrieben, Reh- und Hirschfleisch aus dem Nationalpark Eifel
  • Einzugsgebiet der Kunden: aus rund 20 km Umkreis; auch aus der Grenzregion Belgien und den Niederlanden
  • Webseite: www.metzgerei-wilms.de

Hier finden Sie Beiträge zur Unternehmensnachfolge.
Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 6/2021
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