Verpackung: Leicht, sortenrein und stabil
Verpackung

Leicht, sortenrein und stabil

Foto: Adobe Stock / Luisa Leal
Verpackungen aus möglichst wenig unterschiedlichen Schichten können einfach in sortenreine Fraktionen zurückgeführt werden.
Verpackungen aus möglichst wenig unterschiedlichen Schichten können einfach in sortenreine Fraktionen zurückgeführt werden.

FRANKFURT Die Reduzierung des Kunststoffverbrauchs bei der Herstellung von Verpackungen wie auch die Recyclingfähigkeit von Verpackungsmaterialien gehören zu den wichtigsten Zielen der Verpackungsindustrie. Doch die weithin in der Lebensmittelindustrie genutzten Kunststoffverpackungen lassen sich nicht ohne Einschränkungen wichtiger Funktionalitäten durch alternative Packstoffe ersetzen.

Schon in den 80er und 90er Jahren demonstrierten viele Bürger gegen die Abfallflut und für mehr Umweltschutz. Verpackungsverordnungen, Dosenpfand und Duale Systeme waren die Konsequenz aus diesen Bewegungen. Die Diskussion um umweltgerechtes Verpacken ist also nicht neu, hat aber mit der öffentlichen Plastik-Debatte einen neuen Höhepunkt erreicht.

Nicht zuletzt die Berichterstattung über Mikroplastik hat hier die Diskussion befeuert, der sich auch die Hersteller von Fleischerzeugnissen stellen müssen. Hier zeichnen sich Trends ab, die helfen sollen, die Plastikflut einzudämmen und dennoch die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten.

Ein Ansatz hierbei ist, mit Folien zu arbeiten, die aus möglichst wenig unterschiedlichen Schichten bestehen und damit bei der Wiederaufarbeitung einfach in sortenreine Fraktionen zurückgeführt werden können. Ein Konzept nimmt diesen Ansatz auf und ergänzt die geringe Stabilität dünner Folien aus wenigen Schichten mit der Stabilität von einfach wiederaufzuarbeitenden Materialien wie Karton oder Papier. Dieses Konzept hat sich bei Verpackungen in anderen Bereichen wie z.B. bei Joghurtbechern oder Waschmittelpackungen aus einem Folien/Kartonverbund bereits bewährt. Jedoch erfordert es vom Endverbraucher Mithilfe, z.B. in dem eine Folie vom Karton abgezogen werden muss.

Chemisches Recycling

Ein anderer Ansatz verfolgt das Ziel, Folien zu schaffen, die als sinnvolle Ergänzung zum mechanischen Recycling insbesondere für Verbundmaterialien aus sehr unterschiedlichen Werkstoffen das chemische Recycling ermöglichen. Bei diesem Ansatz sind die optimale Anpassung des Verpackungsmaterials und dessen Aufbau an das Recyclingverfahren unabdingbar. In diesem Verfahren werden die komplexen Altkunststoffgemische zunächst in Rohmaterialien wie Pyrolyseöl oder Synthesegas umgewandelt. Diese zurückgewonnenen Materialien lassen sich dann wie erdöl-basierte Rohstoffe wieder für die Herstellung von Folien nutzen. Geeignet ist das chemische Recycling für unterschiedliche, auch durch Produktanhaftungen verunreinigte, gemischte oder andere Kunststoffe, die bisher nicht durch mechanisches Recycling aufbereitet werden können.

Zudem ist es auch eine Lösung für die Wiederverwertung von hochkomplexen Mehrschichtfolien, wie sie in der Fleischwirtschaft eingesetzt werden. Diese Folien beinhalten häufig Komponenten wie Polyamid (PA), das nach dem aktuellen Stand der Technik als nicht mechanisch recyclingfähig eingestuft wird, jedoch für einige Verpackungsanwendungen in der Fleischbranche durch seine mechanischen Eigenschaften unabdingbar ist. Ein Beispiel hierfür sind durchstoßfeste Verpackungen für scharfkantige Produkte wie etwa Koteletts oder Rippchen.

Biobasiert und antimikrobiell?

Im Spannungsfeld zwischen Lebensmittelhaltbarkeit und nachhaltigen Verpackungsrohstoffen setzen auch Forschungsvorhaben an. Ziel ist es, biobasierte Materialien mit der gleichen Funktionalität konventioneller, erdölbasierter Verpackungen zu entwickeln. Diese sollen eine mit herkömmlichen Verpackungen vergleichbare Sauerstoff-, Wasserdampf- und Mineralölbarriere sowie antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften aufweisen. Das deutsche Verpackungsgesetz, die EU-Kunststoffstrategie und eine zusätzliche europäische Plastik- Steuer ab dem 1. Januar 2021 setzen deutliche Marken. Das novellierte Verpackungsgesetz sieht eine höhere Recyclingquote von Verpackungsabfällen vor. Doch wie die modernen Anforderungen tatsächlich – vor allem auch effizient und wirtschaftlich – erfüllt werden können, bleibt bisher weitgehend offen.

Aufgrund der strengen Hygieneanforderungen in der Lebensmittelbranche dürfen Rezyklate aus mechanischem Recycling ohnehin nur sehr bedingt in Folien und anderen Verpackungen für eine Reihe von Produkten eingesetzt werden. Lediglich die Verwendung von PET-Flakes — EFSA-zertifizierter Unternehmen in der Mittelschicht von Verpackungsfolien – also ohne direkten Kontakt zum Lebensmittel – ist derzeit erlaubt. Die Herstellung von Kunststoffverpackungen für sensible Füllgüter wie Lebensmittel aus rein recyceltem Kunststoff ist aufgrund der Gesetzeslage wie auch der besonderen Anforderungen in Bezug auf Produktschutz und Barriereeigenschaften im Augenblick nicht denkbar. Eine Ausnahme bildet hier lediglich PETr, was in großem Umfang für Getränkeflaschen eingesetzt wird.

Aus diesem Grund werden durch Recycling aufgearbeitete Kunststoffe meist in niedrigwertigere Produkte eingearbeitet – es findet also ein Downcycling und nicht ein Recycling im Sinne der Kreislaufwirtschaft statt. Insbesondere die Lebensmittelindustrie würde von der Anerkennung wiedergewonnener Materialien als Rohstoffe für Lebensmittelverpackungen in hohem Maße profitieren, denn ressourcenschonend hergestellte Verpackungen auf Basis modernen Hochleistungsfolien bieten im Vergleich zu anderen Primär-Werkstoffen große Umweltvorteile.

Quelle: Fleischwirtschaft 3/2021

Newsletter-Service

Mit unseren kostenlosen Newslettern versorgen wir Sie auf Wunsch mit den wichtigsten Branchenmeldungen und nützlichen Praxistipps.

 
stats