Außer-Haus-Markt: Ein Weg für Mehrweg
Außer-Haus-Markt

Ein Weg für Mehrweg

pfand-box.de
Saubere Sache: Backhuhn in der Mehrwergverpackung.
Saubere Sache: Backhuhn in der Mehrwergverpackung.

REICHELSHEIM Not macht erfinderisch: Weil der Odenwälder Koch Thomas Treusch keine passenden wiederverwendbaren Außer-Haus-Behältnisse gefunden hat, entwickelte er sie selbst.

Wiener Schnitzel mit Pommes und Salat: Der Klassiker stößt beim Außer-Haus-Verkauf schnell an seine Grenzen. „Wenn ich das Schnitzel aus der Pfanne und die Beilagen in eine herkömmliche dreigeteilte Plastikverpackungen gepackt habe, war ich nicht glücklich damit, wie das Gericht aussah, wenn es beim Kunden ankam“, berichtet der Odenwälder Koch Thomas Treusch, der vor Corona den Außer-Haus-Markt nicht im Blick hatte „außer mal dem Pfarrer ein Essen über die Straße zu bringen.“

Und so machte sich der Inhaber des Gasthauses „Johanns-Stube“ und dem Restaurant „Treuschs Schwanen“ in Reichelsheim auf die Suche nach einem modularen Mehrwegsystem, das die jeweiligen Speisen einzeln und geschmackssicher zum Kunden bringt – und dabei noch gut aussehen lässt.

Fündig wurde er allerdings nicht. Und so entwickelte er mit verschiedenen regionalen Herstellern das Baukasten-System „Pfand-Box.de“ mit unterschiedlichen Modulen, in die von der Schweinshaxe über die Bratwurst mit Kartoffelbrei und Sauerkraut bis zum mehrgängigen Familienessen alles reinpasst. „Das Anrichten in der Küche entspricht dann dem üblichen Anrichten auf Tellern, hat also nichts mit den dreigeteilten Krankenhaustellern zu tun“, so Treusch.

Seit dem offiziellen Start im Januar dieses Jahres haben sich dem Pfandsystem zwölf Gastronomiebetriebe in und um den Odenwald angeschlossen, aktuell laufen Tests mit Dönerläden. „Wir haben versucht etwas auf Beine zu stellen, das Metzger und Bäcker mitberücksichtigt, denn die gehen oft unter“, sagt der Koch. Zudem wirbt er bei Kommunen und Organisationen um die umweltfreundliche Außer-Haus-Lösung.

„Die Partner kaufen die Pfand-Box-Module nicht, sondern leihen sie. Wir kümmern uns um den Umlauf der Module, gleichen regelmäßig die Bestände mit den Partnern ab und tauschen unbrauchbar gewordene und beschädigte Exemplare aus“, erläutert der Erfinder. „Zudem stellen wir entsprechende Werbemittel zur Verfügung und unterstützen die Partner bei der Werbung wie dem Facebook-Marketing.“

Neben der monatlichen Nutzungspauschale, die sich aus der Anzahl der verschiedenen Pfand-Box-Modulen ergibt, richtet sich die monatliche Servicepauschale nach der Vertragslaufzeit. Neben einem Test-Vertrag für zwei Monate kann ein Gastronom oder Metzger das System auch 14 Tage kostenlos testen.

Die Speisen werden in den Pfand-Box-Modulen angerichtet und gegen Pfand an die Kunden weitergegeben. Die Rückgabe erfolgt dann wieder beim ausgebenden Betrieb oder einem anderen Systempartner und die Kunden erhalten das Pfand zurück. „Die Boxen sind mit einem Pfandbetrag von 50 Cent bis fünf Euro markiert und sind etwas höher als der Wert der Box, weil einige Kunden die Boxen behalten“, beobachtet Treusch. „Außerdem geben wir eine Empfehlung an die Kunden mit, wie sie mit den Boxen umgehen sollen.“

Vielfalt Mehrweg: unterschiedliche Größen
Die schwarzen, farbabweisenden Pfand-Boxen mit durchsichtigem Deckel gibt es in den Größen 1,2, drei und fünf Litern – mit einsetzbaren Trennstegen -  sowie Bowls mit den Füllmengen 0,7, 1,3 und zwei Litern. Darüber hinaus gibt es durchsichtige Becher für beispielsweise Saucen und Suppen in 180, 365 und 565 ml sowie eine durchsichtige Pfand-Schale mit einer Füllmenge von 750 ml. Hinzu kommen Kaffee- oder Latte-Becher mit einem Volumen von 300 und 400 Ml sowie ein 400 ml großer Thermo-Becher. Weitere Module sind in Planung.
„Die Pfand-Boxen lassen sich gut stapeln, auch im warmen Zustand.“
Thomas Treusch
Für die hygienisch einwandfreie Reinigung der Behältnisse reichen die in Metzgereien vorhandenen handelsübliche Spülmaschinen. Auch im Hinblick auf Marinaden & Co. versichert der Gastronom, dass das System säurefest und für alle Bereiche der Gastronomie zugelassen ist. Die Module können auch in Thermo-Ports oder in den Wärmeschrank gestellt und warmgehalten werden und sind mikrowellenfest. „Die Pfand-Boxen lassen sich gut stapeln, auch im warmen Zustand, und man benötigt keine zusätzliche Alu- oder Frischhaltefolie“, wirbt der Koch.

Mit Pfand-Box hätten er und die Partner auch neue Gäste gewonnen, die froh seien, nicht mehr so viel Müll zu produzieren, wenn sie Essen bestellen. Denn ist der Lebenszyklus einer Mehrwegbox vorbei, wird sie recycelt. „Wenn wir beispielsweise die Pfand-Bowls aus dem Verkehr ziehen müssen, wird sie gemahlen und zu Trennscheiben für die Lagerung von Autoreifen verarbeitet“, berichtet Treusch.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 15/2021
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