Das beste Stück: Alles Gute an die Fleischkis...
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Alle Versuche, die gute alte rote Fleischkiste komplett zu ersetzen, blieben bis jetzt ohne Erfolg.
Alle Versuche, die gute alte rote Fleischkiste komplett zu ersetzen, blieben bis jetzt ohne Erfolg.

BONN Nicht nur in der Branche ist sie bekannt – die E2-Kiste. Hinter dem schlichten Objekt verbirgt sich eines der erfolgreichsten Mehrwegsysteme in Europa. Millionen von Kisten sind im Umlauf, tragen zur Nachhaltigkeit bei und sichern das kostbare Gut Fleisch.

Die E2-Kisten kennt jeder in der Branche. Auch Branchenfremde kriegen sie gelegentlich zu Gesicht: Im Supermarkt, beim Metzger oder im Partyservice fallen die roten „Fleischkisten“ vor allem durch ihre Farbe auf. Doch kaum jemand außerhalb der Lebensmittelindustrie weiß, dass diese sonst unscheinbaren Plastikbehälter zu einem der weltweit größten B2B-Mehrwegsysteme gehört. Schätzungsweise befinden sich heute europaweit etwa 85 Millionen Stück davon gleichzeitig im Umlauf und tragen Tag für Tag seit 30 Jahren zur Nachhaltigkeit bei.

30 Jahre E-Kiste

Die Erfolgsgeschichte begann 1991, als man nicht nur der damals neuen EU-Verpackungsverordnung gerecht werden wollte, sondern sich gleichzeitig um eine Vereinheitlichung bemühte. Wirtschaftliche Effizienz und Abfallvermeidung spielten bei der Suche nach einer neuen Lösung für die ganze Lebensmittelbranche eine wichtige Rolle, denn damals wurden vor allem Fleisch und Fleischprodukte noch in Faltkartons transportiert, die zusätzlich mit Kunststofffolie ausgelegt wurden: Enorme Mengen von Abfall und eine gigantische Ressourcenverschwendung. Umweltschutz und Nachhaltigkeit waren aber bereits damals ein großes Thema für die Lebensmittelbranche bzw. explizit für die Fleischindustrie und so setzte sich die rote „E2-Kiste“ nach und nach durch.

Die Nutzung war von Anfang an freiwillig, doch die vielen Vorteile überzeugten. Die Grundmaße der robusten Kiste eignen sich zur idealen Beladung von Euro-Paletten, die beim Transport und Logistik in der Lebensmittelbranche eingesetzt werden. Hart im Nehmen, halten die Plastikbehälter Temperaturen von –40°C bis über +75°C. aus, was den Einsatz in den Tiefkühlhäusern und eine lebensmittelkonforme Reinigung nach entsprechenden EU-Vorschriften möglich macht. Vielfältige Tracking-Möglichkeiten und diverse auf die einzelnen Unternehmen zugeschnittenen Nutzungskonzepte sowie die komplette Recycelbarkeit der ausgedienten Kisten bieten bis heute eine unschlagbare Lösung, auf die mittlerweile mehrere Abläufe und technische Vorrichtungen wie Transportbänder, Waschanlagen, Etikettierungs- und Logistiksysteme in den Betrieben in ganz Europa abgestimmt sind.

Schon damals nachhaltig

Doch wohl der wichtigste Vorteil dieses Mehrwegsystems bleibt seine Nachhaltigkeit. Zum einen ist die E2-Kiste vollständig recyclebar. Nach einer „Lebensdauer“ von etwa drei Jahren mit durchschnittlich 15 Umläufen pro Jahr werden die Plastikbehälter zu einem Granulat verarbeitet, das sich perfekt zur Herstellung von vielen Teilen für die Automobilindustrie, von Mülltonen oder auch von Gebrauchsgegenständen wie Gartenmöbel eignet.

Zum anderen ermöglicht die hohe Anzahl von Fleischkisten durch eine ausgeklügelte europaweite Umlauf- bzw. Rückführungslogistik die Transportwege der Behälter immer mehr zu verkürzen, wodurch auch weniger CO2 ausgestoßen wird. Nicht zuletzt werden durch den Einsatz von den E2-Fleischkisten jährlich enorme Mengen an Kartonverpackungen und Plastikfolien eingespart. So viel, dass man damit den Planeten zweimal umrunden könnte.

Alle Versuche, die gute alte rote Fleischkiste komplett zu ersetzen, blieben bis jetzt ohne Erfolg: Die nun mal seit 30 Jahren bewährte Lösung bleibt der Branche wohl noch einige Jahre erhalten, auch wenn es immer wieder Forderungen laut werden, zumindest die Farbe zu ändern. Zum Beispiel blaue Plastiksplitter wären im Falle der Abbrüche – immer noch einer der häufigsten Gründe für Produktrückrufe – gerade bei Fleisch besser detektierbar.

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Quelle: Fleischwirtschaft 8/2021; Fokus Fleisch

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