Digital Talk: Des Schinkens schöne Kleider
Digital Talk

Des Schinkens schöne Kleider

Screenshot: www.crowdcast.io
Wie lassen sich Fleisch und Wurst zeitgemäß verpacken? Diese Frage diskutierte Renate Kühlcke mit Stefan Dangel (unten) und Gérard Bigler.
Wie lassen sich Fleisch und Wurst zeitgemäß verpacken? Diese Frage diskutierte Renate Kühlcke mit Stefan Dangel (unten) und Gérard Bigler.

FRANKFURT Mit FlatMap ist eine faserbasierte MAP-Verpackung für aufgeschnittene Produkte, die vollständig recycelbar ist. Deren Entwickler Stefan Dangel und Gérard Bigler gaben im Digital Talk von afz und "Fleischwirtschaft" Einblick in die aktuellen Herausforderungen für Lebensmittel-Verpackungen zwischen Produkt- und Umweltschutz.

Angesichts der Kunststoffstrategie der EU, die bis zum Jahr 2030 nur noch recyclingfähige Verpackungen erlaubt, liegt die Messlatte derzeit sehr hoch, was die Entwicklung moderner Verpackungslösungen betrifft. „Plastik ist auf dem Rückzug, Alternativen sind gefragt“, fasste es Chefredakteurin Renate Kühlcke von der „Fleischwirtschaft“ zusammen, die den Digital Talk „Fleisch und Wurst zeitgemäß verpacken“ live aus dem Studio der dfv Mediengruppe in Frankfurt moderierte.


Mit Gérard Bigler, Leiter des Geschäftsbereichs Charcuterie sowie Mitglied der Geschäftsleitung und des Vorstands bei Bigler AG Fleischwaren im schweizerischen Büren an der Aare, und Stefan Dangel, gelernter Metzgermeister und heute Marketing- und Vertriebsleiter beim Verpackungsmaschinenhersteller Sealpac, hatte sie sich ein eingespieltes Duo zum Expertengespräch eingeladen. Gemeinsam mit dem Kartonverpackungsspezialist Van Genechten Packaging und der Folienhersteller Buergofol GmbH haben die beiden eine ressourcenschonende und kreislauffähige Verpackung für Wurstaufschnitt entwickelt: FlatMap.
„Wir wollen die Kunden am PoS für unsere Produkte begeistern.“
Gérard Bigler

Die Packung ist wiederverschließbar und basiert zum großen Teil auf Fasern. Die flache Verpackung besteht aus einem FSC-Produktträger, laminiert mit einer hauchdünnen Kunststoffschicht. Der Träger ist mit einer transparenten Oberfolie versiegelt, die den Blick auf das gesamte Produkt freigibt. Vor dem Verzehr lässt sich die Folie vollständig von der Verpackung abziehen. Später lässt sie sich wieder glatt über das Produkt streichen und wiederverschließen. Die enganliegende Folie lässt nach Angeben der Hersteller weniger Sauerstoff in die Verpackung als herkömmliche, wiederverschließbare Tiefziehverpackungen. Dadurch verfärbt sich das Produkt weniger und der Verpackungsinhalt bleibt länger frisch. Ist die Wurst aufgebraucht, lassen sich Kunststoff und Karton sauber voneinander trennen und über die entsprechenden Wertstoffsammlungen dem Recycling zuführen.

Der Untertitel des Talks „Weniger Kunststoff, mehr Wert“ hielt Dangel für zu kurz gegriffen. Für die hochwertigen Produkte der Fleischwirtschaft seien der eine oder andere Cent mehr für eine ressourcensparende Verpackung gut angelegt, „auch für das Image unserer Branche“, denn als gelernter Metzgermeister sieht sich der Verpackungsprofi selbst als Teil der Fleischwirtschaft.

Auch die Kommunikation spiele in dem Kontext eine wichtige Rolle, bei der die Branche immer „etwas ungelenk“ agiere, befand Dangel. Für die Hersteller von Fleischwaren und Wurst sieht er hier eine Chance, positiv ins Gerede zu kommen. „Wir müssen uns da selbst beim Schopf packen“, warb er für proaktives Handeln der Unternehmen, nach dem Motto: Wir haben verstanden. Auf Ideen der Politik zu warten, hält er für den falschen Ansatz.
„Die Verpackung ist die Kleidung des Produkts.“
Stefan Dangel

Gérard Bigler erläuterte die verschiedenartigen Märkte in Deutschland und der Schweiz anhand des Schlachtschweinepreises, der in seiner Heimat bei etwa 4,70 Franken liegt, dem Dreifachen des deutschen Preises. Allerdings dürfe eine 130 g-Aufschnittpackung nicht mehr 7,00 bis 7,50 Euro kosten. „Mehr als zehn Franken, das würde der Verbraucher bei uns nicht akzeptieren“, versicherte der Unternehmer. Umgerechnet sind das aktuell gut neun Euro.

Den Preis für eine 100 g-Packung mit Oberfolie bezifferte Stefan Dangel auf etwa vier bis fünf Cent. Die Flat Map-Verpackung sei etwa zwei bis zweieinhalb Cent teurer. „Der Markt ist aber reif dafür“, zeigte sich der Sealpac-Vertreter überzeugt. Erste Signale seien sichtbar, selbst im Preiskämpferland Deutschland.

Liegt die Zukunft in biologisch abbaubaren Stoffen? Das wollte Moderatorin Kühlcke von ihren Gesprächspartnern wissen. Dangel hält das bei den hochwertigen Produkten Fleisch und Wurst indes noch für Zukunftsmusik. Zu bedeutend seien hier die Themen Haltbarkeit, Sauerstoffbarriere und Farbhaltung. Im Trockenbereich könne er sich solche kompostierbaren Lösungen durchaus vorstellen. Bei Fleischwaren bleibe ein gutes Abfall-Management vorerst unentbehrlich. Vielmehr warb Dangel dafür, dass die Verbraucher grundsätzlich ihr Verhältnis zum Thema Müll überdenken.

Quelle: fleischwirtschaft.de
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