EU-Schlachtschweinemärkte: Abwärtsspirale dre...
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 Die zögerliche Nachfrage der Schlachtbetriebe sorgt für steigende Schlachtgewichte.
Die zögerliche Nachfrage der Schlachtbetriebe sorgt für steigende Schlachtgewichte.

BONN Das Schlachtschweineangebot in Europa ist oft zu umfangreich für die begrenzte Nachfrage der Schlachtbetriebe. Der Markt steht in vielen EU-Ländern unter Druck.

Europaweit buhlen die großen und kleinen Fleischhersteller um Abnehmer am Binnenmarkt, auch über günstige Offerten. In anderen EU-Mitgliedstaaten sah es kaum besser als hierzulande aus. In Spanien wurde die Schlachtschweinenotierung am Mercolleida um 3,5 Cent auf 1,079 €/kg Lebendgewicht (LG) nach unten korrigiert. Der Chinaexport sei immer noch schwach und der Wettbewerb am EU-Fleischmarkt sehr intensiv, hieß es bei Analysten. Gleichzeitig nimmt das Lebendangebot bei Stückzahlen und Gewichten zu; in dieser Woche stört der Nationalfeiertag zusätzlich die Vermarktung. Ziel der spanischen Schlachtbetriebe ist ein ähnlich niedriger Einkaufspreis für Schlachtschweine wie bei den Hauptwettbewerbern in der EU. Vorausgesetzt diese blieben konstant, müsste die spanische Notierung laut Mercolleida im Vergleich mit Dänemark noch um 5 Cent/kg LG sinken, gegenüber Deutschland sogar um 15 Cent/kg LG.
 
Das Problem für die spanischen Schlachtbetriebe und damit auch für die Schweinehalter ist jedoch, dass auch in den anderen Mitgliedstaaten die Schweinemärkte unter Druck stehen und die Erzeugerpreise weiter sinken. So hat Danish Crown zuletzt seinen Basispreis für den Schlachtschweineankauf um umgerechnet 4 Cent auf 1,13 Euro/kg SG gesenkt. Es gebe derzeit eine unheilvolle Kombination aus einem großen Angebot und einem Mangel an Arbeitskräften in der Fleischindustrie in ganz Europa, was die Preise für frisches Schweinefleisch nach unten drücke, berichtete das Unternehmen. Besonders betroffen davon seien ganze, nicht entbeinte Teilstücke. Die Befürchtungen, dass ein saisonal zunehmendes Angebot aus Spanien auf den Binnenmarkt dränge, hätten sich erfüllt, so Danish Crown. Zwar habe die Nachfrage im Herbst zugenommen, das Angebot an Fleisch jedoch auch.

Erneut deutlich nachgegeben hat vergangene Woche auch die italienische Schlachtschweinenotierung, und zwar um 3,8 Cent/kg LG; in Frankreich belief sich der Abschlag im Vorwochenvergleich auf 3,3 Cent/kg SG. In Belgien hielt zwar Westvlees seinen Ankaufspreis für Schlachtschweine stabil, die Danis-Gruppe senkte ihn hingegen um 2 Cent/kg LG. Unverändert blieb dagegen die nationale Notierung in Österreich mit 1,50 Euro/kg SG. Angesichts der sich verschärfenden Preiskrise am EU-Schweinemarkt soll es im Ausland erste Stimmen geben, insbesondere in Belgien, die sich für die bezuschusste private Lagerhaltung (PLH) für Schweinefleisch als Krisenmaßnahme aussprechen.
 
Der deutsche Schweinemarkt ist weiter von Angebotsdruck geprägt. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) musste am vergangenen Mittwoch ihre maßgebliche Notierung für Schlachtschweine um 4 Cent auf 1,20 €/kg Schlachtgewicht (SG) senken. Sie folgte damit den großen Schlachtbetrieben, die bereits vergangene Woche Hauspreise für den freien Schweineeinkauf von 1,20 Euro/kg ausgerufen hatten. „Dem Preisdruck der Schlachtunternehmen kann nicht ausgewichen werden“, teilte die VEZG mit.

Jahrestiefpreis nicht mehr fern

In der gesamten EU befanden sich die Schlachtschweinepreise in der Woche zum 3. Oktober weiter in der Abwärtsspirale. Nach Angaben der EU-Kommission zahlten die Schlachtbetriebe in den Mitgliedstaaten für Tiere der Handelsklasse E im Schnitt 134,14 €/100 kg; das waren 1,94 € oder 1,4 Prozent weniger als in der Vorwoche. Vor einem Jahr lag das Auszahlungsniveau Anfang Oktober noch bei 175,21 €/100 kg SG und damit um 30,6 Prozent höher. Bis zum Jahrestiefpreis von 127,63 €/100 kg Anfang Januar 2021 fehlen noch 6,51 Euro; dieser dürfte in den nächsten Wochen erreicht werden.
 
Ganz besonders kräftige Abschläge mussten in der Berichtswoche die Mäster in Litauen mit 6,0 Prozent und Lettland mit 5,2 Prozent hinnehmen. Ihre polnischen Kollegen bekamen von ihren Schlachtstätten 4,1 Prozent weniger Geld ausgezahlt. In Frankreich, Spanien und den Niederlanden sanken die Schlachtschweinepreise um jeweils 2,1 Prozent. Vergleichsweise glimpflich kamen die deutschen Erzeuger mit einem Minus von 0,5 Prozent davon; doch ist darin der jüngste Notierungsabschlag noch nicht enthalten. Weitgehend stabil blieben die Preise in den skandinavischen Ländern Schweden, Finnland und Dänemark mit Abzügen von maximal 0,3 Prozent. Neben der Slowakei mit einem Plus von 1,3 Prozent wurde nur für Italien ein deutlicher Preisanstieg von angeblich 16,3 Prozent gemeldet. Dies geht angesichts der seit Wochen nachgebenden nationalen Schlachtschweinenotierung und den Kommentaren örtlicher Analysten jedoch an der tatsächlichen Marktrealität vorbei. Schon seit längerem werden aus Italien wöchentlich stark schwankende Preise nach oben oder unten gemeldet, die mit der tatsächlichen Preisentwicklung nichts zu tun haben können.

Quelle: fleischwirtschaft.de, AgE

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