Karriere im Fleischerhandwerk: Die Liebe zum ...
Viktoria Kratz
Mag seinen Beruf und tüftelt mit seinem Vater gern an neuen Wurstsorten: Kevin Porschke aus Schönermark.
Mag seinen Beruf und tüftelt mit seinem Vater gern an neuen Wurstsorten: Kevin Porschke aus Schönermark.

SCHÖNERMARK Mehr Wertschätzung für die Lebensmittel, die er selbst herstellt und verkauft. Das wünscht sich der junge Fleischergeselle Kevin Porschke aus dem Landkreis Oberhavel. In einigen Jahren möchte der 27-jährige die Landfleischerei seiner Eltern übernehmen.

von Viktoria Kratz

Der 27-jährige Kevin Porschke arbeitet in der Landfleischerei, die seine Eltern Klaus-Dieter und Ines Porschke mit viel Engagement in der knapp 500 Einwohner zählenden Gemeinde Schönermark bei Gransee (Landkreis Oberhavel) aufgebaut haben. Der große Wunsch des jungen Fleischergesellen: mehr Wertschätzung für seine Produkte.

Der Falkenseer Frischemarkt, der jeden Dienstag und Donnerstag auf dem Busbahnhofsvorplatz in der direkt an Berlin angrenzenden Stadt stattfindet, setzt vor allem auf regionale Produkte. Das Marktsortiment ist groß und spart den Kunden lange Einkaufswege. Von frischem Käse über Räucherspezialitäten vom Fisch bis hin zu knusprigen Backwaren – nahezu alles ist auf dem Frischemarkt erhältlich. Das nehmen auch die Besucher wohlwollend zur Kenntnis, der Zulauf des Markts steigt und Falkensee selbst zählt immerhin rund 44000 Einwohner.

Kevin Porschke gehört zu den Anbietern. Jeden Donnerstag fährt er mit seinem Verkaufswagen aus Schönermark los, um seine Produkte auf dem Falkenseer Markt zu verkaufen. Dort angekommen wird er meist schon sehnsüchtig erwartet. Die Fleischwaren aus der eigenen Produktion der Porschkes seien sehr beliebt, weshalb es schon mal zu langen Warteschlangen vor dem Wagen kommen kann. „Ich muss den Leuten in Falkensee echt mal ein Lob aussprechen. Sie haben immer gute Laune und sind für ein nettes Gespräch zu haben. Nach Falkensee komme ich echt gern“, versichert der gelernte Fleischer, dessen berufliche Laufbahn schon früh klar war, der MAZ Havelland.
„Vor der Disziplin meiner Eltern habe ich echte Hochachtung.“
Kevin Porschke
Seine Eltern betreiben gemeinsam seit 1999 die Landfleischerei, in der der Sohn schon früh aushalf. „Ich bin sehr stolz auf meine Eltern und auf das, was sie erreicht haben. Sie haben die Fleischerei aus dem Nichts aufgebaut“, sagt er voller Respekt. „Vor ihrer Disziplin habe ich echte Hochachtung.“ Durch die Pandemie habe der Familienbetrieb neue Kundschaft gewonnen. „Ich glaube, die Leute vermeiden es derzeit, in überfüllte Supermärkte zu gehen. Da bevorzugen sie schon eher den Weg in die kleine Fleischerei von nebenan oder besuchen uns auf den Wochenmärkten“, berichtet Porschke. Er beobachtet auch: „Es wird wieder bewusster eingekauft, der Trend geht weg vom Billigfleisch.“

Auf dem Falkenseer Markt finden seine frischen Fleischspezialitäten großen Anklang. „Auf dem Rückweg fährt sich der Verkaufswagen leichter“, scherzt Kevin Porschke, der für den mobilen Verkauf in dem Familienbetrieb verantwortlich ist. Damit die Auslage seines Verkaufsfahrzeugs gut gefüllt ist, wird montags im eigenen Schlachthaus vorgearbeitet. „Jeden Montag schlachten mein Vater und ich circa sechs bis acht Schweine, aus denen wir dann unsere Fleischwaren herstellen“, erzählt er.

An seine erste Schlachtung kann er sich noch gut erinnern. „Da war ich 18 Jahre alt und danach kreidebleich. Ich musste ich erst einmal daran gewöhnen. Aber das gehört zu dem Beruf dazu. Schließlich kann man Fleisch nicht industriell herstellen. Und ich weiß ja, wofür ich das alles mache“, resümiert der Jungfleischer. Umso wichtiger sei es ihm, dass die Tiere nicht umsonst geschlachtet werden. Ihr Fleisch und die Produkte daraus müssten viel mehr wertgeschätzt werden. „Wir schlachten nur so viel, wie wir benötigen. Mir tut es in der Seele weh, wenn ich höre, dass manche Verbraucher Fleisch einfach so wegschmeißen“, bedauert er. Viele seiner Kunden wissen zudem oft gar nicht, welche Arbeit hinter den Lebensmitteln stecke. „Der Beruf ist ein echter Knochenjob, der einem viel abverlangt. Meine Hände sind mein wichtigstes Werkzeug“, erklärt der gebürtige Neuruppiner.

Trotz alledem gibt es für ihn nichts Schöneres, als Fleischer zu sein. „Ich liebe es, mit Gewürzen zu experimentieren, mit meinem Vater neue Wurstsorten zu kreieren, deren Rezepte oft ganz spontan entstehen. Das Gefühl, danach die noch warme Wurst als erster zu probieren, ist unbeschreiblich und etwas ganz Besonderes“, schwärmt er. „Schmeckt die neue Sorte, bringe ich sie auf den Märkten an den Mann und bin immer sehr gespannt auf die Resonanz meiner Kunden.“

Einen Ausgleich zu seinem Beruf findet der Schönemarker in der Musik. „Ich freue mich, dass endlich wieder kleine private Feiern erlaubt sind. Ich bin leidenschaftlicher DJ und feiere selbst gern mit meinen Freunden. Der Samstagabend ist mein echtes Highlight zum Abschalten von der intensiven Woche“, erzählt der 27-Jährige, der unter dem Pseudonym „Kepstar“ auch schon in Diskotheken aufgelegt hat. Seine nächsten beruflichen Ziele sind der Meisterbrief und die Übernahme des Familienbetriebs in fünf bis zehn Jahren.

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Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 25/2021
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