Karriere im Fleischerhandwerk: In den Beruf r...
Karriere im Fleischerhandwerk

In den Beruf reingewachsen

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Schmackhaftes Handwerk: In der vollklimatisierten Reifekammer prüft Fleischermeister Maximilian Kästel die Ahle Wurscht.
Schmackhaftes Handwerk: In der vollklimatisierten Reifekammer prüft Fleischermeister Maximilian Kästel die Ahle Wurscht.

BORKEN Maximilian Kästel hat die Meisterprüfung bestanden und setzt die Familientradition der elterlichen Metzgerei in Nordhessen fort.

Schon seit einigen Jahren ist das Konterfei von Maximilian Kästel, neben seinem Vater und seinem Opa, auf dem Firmenlogo der Fleischerei Kohl-Kramer zu sehen. Seit diesem Frühjahr zeigt es nun ein echtes Meister-Trio, denn der 21-Jährige hat am 25. März seine Meisterprüfung bestanden. Während seiner Schulzeit in Oberurff absolvierte er zwei Praktika, die allerdings noch nichts mit seiner jetzigen Profession zu tun hatten. Doch im Borkener Ortsteil Trockenerfurth (Schwalm-Eder-Kreis) wuchs Max in einem Familienbetrieb auf, wo er bereits als kleiner Knirps mit Schlachten, Wurstmachen und dem gesamten Jahreskalender einer Fleischerei mit Partyservice in Kontakt kam.

Die Ursprünge liegen in Nassenerfurth, einem 550-Seelen-Dorf im einstigen nordhessischen Braunkohlenrevier. Heinrich und Katharina Kohl – eine geborene Kramer – gründeten dort in den 1920er Jahren den Betrieb, Maximilians mittlerweile verstorbener Großvater Heinz Kramer übersiedelte 1960 nach Trockenerfurth. Als ausgebildete Fleischermeisterin übernahm Tochter Gabriele 1992 den Betrieb, den sie bis heute gemeinsam mit ihrem Mann Fritz Kästel führt – Sohn Max setzt nun die Familientradition fort. „Ich wurde nicht gezwungen, meine Eltern hätten auch einen anderen Berufswunsch akzeptiert“, betont er, „aber ich bin im Lauf der Zeit einfach hineingewachsen“, so der Jungmeister weiter. Seine Lehre absolvierte Kästel junior zuhause, doch jeweils einen Monat verbrachte er bei zwei anderen Fleischereien, wo er die dortigen Organisationsstrukturen und Arbeitsabläufe kennenlernte, um der Gefahr einer gewissen Betriebsblindheit entgegenzuwirken.

Im ersten Quartal 2021 besuchte der angehende Handwerksmeister die traditionsreiche Meisterschule J. A. Heyne am Fachzentrum Nahrungsmittelhandwerke der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main in Weiterstadt. Der Kurs bestand aus 40 Teilnehmenden, darunter lediglich zwei Frauen. Sie kamen aus unterschiedlichen Bereichen, einige aus der Fleischindustrie, andere waren Angestellte in mittelständischen Betrieben und natürlich auch künftige Inhaber von Familienbetrieben. 
Wichtige Außendarstellung: Max Kästel, Verkaufsleiterin Merle von Rötel und Fritz Kästel präsentieren das Sortiment auf dem Nordhessischen Wecke- un Worschtmarkt in Borken.
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Wichtige Außendarstellung: Max Kästel, Verkaufsleiterin Merle von Rötel und Fritz Kästel präsentieren das Sortiment auf dem Nordhessischen Wecke- un Worschtmarkt in Borken.
Nach bestandener Prüfung überreichte Hessens Finanzminister Michael Boddenberg die Meisterbriefe – der CDU-Politiker ist bekanntermaßen selbst Fleischermeister und vormaliger Schulleiter der Frankfurter Fleischer-Fachschule. Neben den besonders stark vertretenen Kfz- und Elektromeistern, war Max Kästel bei der Meisterfeier der Kreishandwerkerschaft in Homberg der einzige Vertreter aus der Fleischbranche. Kreishandwerksmeister Frank Michel und Landrat Winfried Becker gratulierten den erfolgreichen Nachwuchskräften zum erfolgreichen Schritt auf der Karriereleiter. Becker hob die hohe Verlässlichkeit der Handwerksbetriebe hervor, sie seien für den Schwalm-Eder-Kreis ein wichtiger Stabilitätsfaktor, denn das Handwerk bilde aus, böte sichere Arbeitsplätze und sei ein verlässlicher Partner in der Region.

Entspannter Blick in die Zukunft

So sieht der Juniorchef auch den eigenen Betrieb, in dem etwa 30 Mitarbeitende beschäftigt sind. Pro Woche werden an die drei Dutzend selbst geschlachtete Schweine verarbeitet, sowie bis zu sechs Stück Großvieh im Monat. „Am liebsten löse ich Fleisch aus“, sagt der begeisterte Handwerker, „wenn das Messer scharf ist und die Arbeit gut von der Hand geht, macht es gleich doppelt so viel Spaß“. Aus diesem Ausgangsprodukt entsteht die vielfältige Palette an Fleisch, Fleischwaren und Wurst, für die die Fleischerei Kohl-Kramer weit über den kleinen Ort bekannt ist.

Das Angebot von Ahler Wurscht, diversen Roh- und Kochschinken sowie zahlreichen Frischwurstsorten, wird auch immer mehr von hochwertigen Konserven ergänzt. „Wir haben Klassiker wie Gulasch und Rouladen, aber beispielsweise auch Schweinemedaillons süß-sauer oder Hähnchen-Geschnetzeltes“, zählt er auf. „Damit sind wir 2016 schon zum zweiten Mal IFFA-Champion geworden in Frankfurt am Main“, fügt der Junior stolz hinzu. Er selbst beißt bei der Arbeit gern mal in eine frische Käseknacker, doch auch sonst ist er von der Qualität des eigenen Sortiments überzeugt.

Verantwortung wächst

Für den frisch gekürten Handwerksmeister wächst nun auch mehr und mehr die Verantwortung im Familienbetrieb, als stellvertretender Produktionsleiter muss er die Produktionsabläufe im Blick haben und stets optimieren. „Es gibt viele Kleinigkeiten, die man tagtäglich verbessern kann, aber in der Vergangenheit wir haben auch größere Veränderungen vorgenommen“, blickt er zurück. „Vor einigen Jahren wurden die moderner Rauch- und Reifekammern gebaut und aktuell stehen wir kurz davor, CO2-neutral zu werden“, erklärt Kästel. Der Betrieb nutzt seit langem Ökostrom, ein Teil der Dächer ist mit Solarmodulen ausgestattet, ein weiterer Teil ist begrünt, der Wurstboden ist energieeffizient eingerichtet und ein Großteil der Wärme wird zurückgewonnen. „Zudem versuchen wir stets den Verpackungsmüll zu reduzieren“, ergänzt er den Einsatz für die Nachhaltigkeit des Unternehmens.

Außerhalb des Betriebs ist 21-Jährige ebenfalls engagiert, etwa im Juniorenverband des Deutschen Fleischerhandwerks und im Ortsbeirat seines Heimatdorfs. Auch in seiner Freizeit ist Jungmeister Max praktisch tätig, sei es im Garten, in seiner Hobbywerkstatt oder bei sonstigen Heimwerkerarbeiten. Beim Blick in die Zukunft bleibt er relativ entspannt, „meine Eltern sind noch einige Jahre vom Ruhestand entfernt, daher steht die Betriebsnachfolge noch nicht unmittelbar an“. Bis dahin will der junge Fleischermeister weiter Erfahrungen sammeln, auch mal über den Tellerrand schauen und eventuell sogar noch ein Studium aufnehmen. „Ich hoffe, dass sich unser Familienbetrieb weiter entwickelt und somit die handwerkliche Lebensmittelproduktion erhalten bleibt“, wünscht sich Maximilian Kästel.
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Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 48/2021

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