Karriere im Fleischerhandwerk: Leidenschaft u...
Karriere im Fleischerhandwerk

Leidenschaft und Spaß

Boneberger
Geradlinige Karriere: Die junge Fleischermeisterin Katharina Walk ist derzeit für die 22 Filialen des Schongauer Familienbetriebs Boneberger verantwortlich.
Geradlinige Karriere: Die junge Fleischermeisterin Katharina Walk ist derzeit für die 22 Filialen des Schongauer Familienbetriebs Boneberger verantwortlich.

SCHONGAU Die Vita von Katharina Walk aus Schongau ähnelt derjenigen vieler junger Leute, die aus einem fleischerhandwerklichen Betrieb stammen. Ihre Karriere ist ein Musterbeispiel für Zielstrebigkeit und Ehrgeiz.

Wenn man in eine Vollblut-Metzgerfamilie geboren wird, wächst man mit dem Handwerk auf“, erklärt Katharina Walk. Den Grundstein für das florierende Unternehmen mit heute insgesamt 22 Filialen im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau, im Allgäu, in München und im Speckgürtel der Landeshauptstadt, legten ihre Großeltern mütterlicherseits im Jahr 1966: Hannelore und Josef Boneberger übernahmen die mitten in der Schongauer Altstadt gelegene Traditionsmetzgerei Großmann, aus der die Großmutter stammte. Im April 1991 trat Katharina Walks Vater Michael, Metzgermeister und Diplom-Betriebswirt aus der Oberpfälzer Metzgerfamilie Walk in den Familienbetrieb ein.

Die Metzgerei war ihr zweites Zuhause

Die Metzgerei, so beschreibt es die heute 24-Jährige, war schon immer ihr zweites Zuhause. „Am Wochenende, wenn der Papa die Klimaanlagen checken und prüfen musste, ob mit den Salamis und Schinken alles in Ordnung ist, nahm er mich mit.“ Auch bei der Auslieferung von Büfetts oder Kanapees, bei Veranstaltungen – fast immer waren sie und ihr älterer Bruder Michael mit dabei. Die junge Frau stellt gleichzeitig klar, dass jegliche Mithilfe immer auf freiwilliger Basis erfolgte. „Unsere Eltern haben uns nie zu etwas gezwungen.“ Die bewusst „losen Zügel“ von Michael und Petra Walk sind möglicherweise das Erfolgsrezept für den Spaß und die Freude, die ihre Tochter beim Mithelfen gewann. Die Assistenz am Büfett, das Herrichten von Bestellungen oder die Übergabe von Weihnachtspäckchen an die Kunden: Diese Handreichungen weckten in Katharina die Leidenschaft für das Metzgerhandwerk. Ganz selbstverständlich ist für sie ein weiterer Beweggrund: „In der Familie hält man zusammen und hilft sich gegenseitig.“

Ausbildungsbetrieb gezielt ausgesucht

Im Juli 2013 erwarb sie die Mittlere Reife. Weil sie den Umgang mit Zahlen, Rechnungen und Kalkulation für sehr wichtig hielt, schloss sie eine zweijährige Ausbildung zur Kaufmännischen Assistentin am Beruflichen Schulzentrum in Schongau an. Die anschließende Lehre zur Fleischerei-Fachverkäuferin startete Katharina Walk in Memmingen. Sie erklärt: „Ich wollte bewusst nicht im elterlichen Betrieb lernen. Da ist man dann doch immer die Tochter vom Chef und wird womöglich in Watte gepackt.“ Ganz gezielt suchte sie sich ihren Lehrbetrieb, die Metzgerei Kleiber, aus. Wie bei Boneberger ist das Fachgeschäft in Familienhand, schlachtet noch selbst, und die Qualitätsansprüche und -standards sind genauso hoch wie in Schongau. Eine sehr gute Entscheidung, findet die junge Frau im Nachhinein: „Ich war in der Günzburger Filiale im Einsatz, hatte tolle Kollegen, die mir sehr viel beigebracht haben.“

2017 legte sie ihre Gesellenprüfung ab und kehrte voller Tatendrang nach Hause zurück. Fast eineinhalb Jahre lang durchlief sie alle Abteilungen der Metzgerei – egal, ob Küche, Produktion, Verpackung, Büro oder Versand. Walk: „Ich finde es wichtig, dass man alle Bereiche kennt und dort schon mal mitgearbeitet hat. Nur dann weiß man, wovon man redet und um was es geht.“ Gerade die eigene Schlachtung ist für den mittelständischen Betrieb mit seinen knapp 500 Mitarbeitern ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Als die Produktion aufgrund des Wachstums kurz vor der Jahrtausendwende in der beengten Schongauer Altstadt an ihre räumlichen Grenzen stieß, entschloss sich Katharina Walks Vater, ein neues, modernes Schlachthaus im westlichen Stadtgebiet zu bauen. Es wurde im September 1998 bezogen. Dort werden jeweils an Montagen und mittwochs Schweine, Färsen, Ochsen und Kälber aus maximal 50 Kilometern Radius geschlachtet. Auch dort schaute die junge Fachverkäuferin zu. Nach etwa einem Jahr Tätigkeit im Stammhaus ging es für sie hinaus in die Filialen. Kein Standort wurde ausgespart, denn: „Jeder Laden ist anders, die Mitarbeiter und die Kunden ebenfalls“, merkt sie an.

2019 erklomm sie eine weitere Stufe auf der Karriereleiter: In einer dreimonatigen Weiterbildung zur Verkaufsleiterin an der 1. Bayerischen Fleischerschule (BFS) in Landshut baute sie ihre Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Kalkulation, Mitarbeiterschulung, Personalplanung, Verkaufspsychologie und Thekengestaltung aus. Zehn Teilnehmer umfasste die Kursgruppe, darunter drei Männer. Katharina Walk schloss als Beste ab und dachte sich: „Jetzt bin ich schon Verkaufsleiterin, und weil ich alles wissen will, hänge ich gleich noch den Metzgermeister dran.“ Sie schrieb sich – wiederum in Landshut – für einen Meisterkurs ein. Die praktischen Prüfungsvorbereitungen bewältigte die heutige Meisterin zu Hause, war täglich um zwei oder drei Uhr in der Früh’ in der Produktion, zerlegte und wurstete fleißig mit. Sie berichtet: „Mein Papa nahm mich unter seine Fittiche, arbeitete mich beim Kuttern ein und zeigte mir, wie man sauber auslöst. Aber auch unsere Metzger haben mich tatkräftig unterstützt.“ Die Mühe lohnte sich: Auch diese Weiterqualifizierung beendete die Schongauerin sehr erfolgreich, erhielt für ihre Leistungen sogar den Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung, mit dem nur die prüfungsbesten 20 Prozent jedes Jungmeister-Jahrgangs mit einer Durchschnittsnote besser als 2,5 geehrt werden.

In den Filialen anpacken, wenn Not am Mann ist

Die geradlinige Karriereplanung der Tochter erfüllte Michael und Petra Walk mit großem Stolz: Sie hatten nie damit gerechnet, dass Katharina einmal Metzgermeisterin sein würde und das Ganze auch nie forciert. Für die junge Frau ist immer noch nicht Schluss. Derzeit bildet sie sich in der Fleischerschule Augsburg zum Betriebswirt des Handwerks weiter. Nach dem Unterricht fährt sie nach Hause, um dort ihre Arbeit zu erledigen. „Derzeit bin ich für unsere Läden und Verkaufsstätten zuständig“, erklärt sie. Sie fährt in die einzelnen Filialen, schaut nach, ob die Theken ordentlich und sauber eingeräumt sind und checkt, ob im jeweiligen Team alles rund läuft und ob es mit der Personalplanung klappt. Obwohl viele Mitarbeiter Katharina Walk schon von klein auf kennen, gibt es keine Akzeptanzprobleme – im Gegenteil: „Sie freuen sich, dass es bei uns weitergeht und das Unternehmen in der Familie bleibt.“ Und sie schätzen es, dass die Juniorchefin sofort anpackt, wenn Not am Mann ist.

Katharina Walks Berufswahl wird von Freunden und Bekannten respektiert. „Diejenigen, die mich schon lange kennen, reagieren positiv auf meine Arbeit und freuen sich, weil es immer gutes Grillfleisch gibt“, sagt sie schmunzelnd. Als geselliger, lebensfroher Mensch, der stets das Positive im Blick hat, nutzt sie die freie Zeit an den Wochenenden, trifft sich gern mit Gleichaltrigen zum Kochen, zum Schwimmen oder geht mit ihrem Freund wandern: „Wir haben schließlich die schönen Seen und Berge genau vor unserer Nase.“
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Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 20/2021
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