Karriere im Fleischerhandwerk: Pilotprojekt h...
DFV
Die Fachkräftesicherung gehört zu den wichtigsten Aufgaben im Betrieb.
Die Fachkräftesicherung gehört zu den wichtigsten Aufgaben im Betrieb.

FRANKFURT Der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) und die digitale Jobbörse my-craft-job.de starten eine zeitgemäße Form der Werbung um junge Talente.

Für den Betrieb passende und zugleich engagierte Auszubildende zu finden, ist derzeit für fast alle Handwerksberufe eine echte Herausforderung.

Auch das Fleischerhandwerk tut sich seit Längerem schwer, seine freien Lehrstellen zu besetzen. Unter anderem liegt es daran, dass viele Jugendliche völlig falsche Vorstellungen von den fleischerhandwerklichen Berufsbildern haben, sie manchmal sogar für wenig anspruchsvoll halten. Stattdessen ist es so, dass der Fleischer oder die Fleischerin heute nicht mehr zwingend schlachten, wie viele Schulabgänger vermuten. Die späteren, dringend gebrauchten Fachkräfte arbeiten kreativ und mit teils hochtechnischem Equipment. Und die Fleischerei-Fachverkäuferin oder der -Verkäufer portioniert keinesfalls immer nur nach Vorgabe grammgenau Aufschnitt. Die Experten hinter der Theke sorgen für eine appetitanregende Thekenpräsentation, nehmen Bestellungen entgegen, geben Kochtipps und beraten in Ernährungsfragen. 

Neben den klassischen Methoden der Nachwuchssuche, beispielsweise durch Anzeigenschaltungen in regionalen Tageszeitungen, auf Plakaten oder Flyern, können auch Annoncen auf digitalen Plattformen platziert werden. Hier gibt es vielfältige Möglichkeiten.

Der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) bietet seinen Mitgliedsbetrieben bereits seit mehreren Jahren eine kostenfreie Präsentation auf www.fleischerberufe.de. Darüber hinaus betreiben zahlreiche Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften sowie der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) eigene Angebotsplattformen für die Nachwuchsgewinnung. Arbeitsämter und kommerzielle Anbietern ergänzen diese Offerten. 

Mit Hilfe eines Pilotprojekts mit der Plattform my-craft-job, die sich an Handwerksbetriebe wendet, startet der DFV jetzt eine weitere Offensive. Alicia Utrillas, Leitung Personal, Finanzen und Verwaltung beim DFV, erklärt dazu: „Bei einer Tagung wurde speziell von Jugendlichen der Wunsch nach digitalen Angeboten vorgetragen, die ihnen die Berufswahl erleichtern könnten.“ Ganz konkret wurden hier Videos genannt, die die Abläufe in den Handwerksbetrieben und die Arbeitsgebiete zeigen. Dieser Forderung kommt my-craft-job.de nach. Anders als bei anderen Plattformen wird dort mit Filmen nach jungen Leuten gesucht, und die jungen Leute bewerben sich auch mit Filmen. Diese Form des „Datings“ ist absolut zeitgemäß und bietet den Fleischern aus Sicht des DFV große Chancen.

Praktisch heißt das: Die fleischerhandwerklichen Unternehmen, die mitmachen wollen, stellen sich potenziellen Azubis auf dem Portal mit Hilfe eines kleinen, selbstgedrehten Films vor. Ein Smartphone-Video genügt. Interessierte Azubis bewerben sich ebenfalls mit einer kurzen Filmsequenz. Die kann sich der ausbildende Fleischermeister anschauen und dann entscheiden, ob er sich einen Kontakt wünscht. Erst dann fallen für den Betrieb Kosten in Form einer Gebühr an. Dabei ist es unerheblich, wie viele Kontakte sich der Handwerksbetrieb wünscht. Meldet sich kein passender Azubi, fallen auch keine Gebühren an. Für die Bewerber selbst ist die Teilnahme kostenfrei.
„Diese Form des „Datings“ ist zeitgemäß und bietet den Fleischern große Chancen.“
An den Start ging die Plattform bereits am 31. März 2021. Seither haben die DFV-Mitgliedsbetriebe die Möglichkeit, sich zu registrieren und ihre Stellenanzeigen hochzuladen. Während der Start- und Pilotphase erhalten die fleischerhandwerklichen Unternehmen Sonderkonditionen in Höhe von 150 Euro statt 250 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer bei Zustimmung. Zudem erhalten Innungsmitglieder vom DFV einen Gutschein-Code in Höhe von 50 Euro. Dieser muss vor der Registrierung unter info@fleischerhandwerk.de abgerufen werden. 

Azubis können sich ab Mitte April über die Plattform bewerben. Sollte die Pilotphase zeigen, dass die Vermittlung über my-craft-job auf Dauer erfolgreich ist, werden auch künftig Gutscheine an die Innungsmitglieder abgegeben. Die neue Form der Nachwuchssuche reduziert für Fleischer das finanzielle Risiko einer Anzeigenschaltung. Bei my-craft-job.de gilt: Wenn sich kein passender Azubi meldet, fallen auch keine Kosten an.

Und so funktioniert's

Die Lebensgewohnheiten von potenziellen Lehrstellenkandidaten unterscheiden sich heute deutlich von denen der Arbeitgeber. Stellenanzeigen werden zwar nach wie vor in Tageszeitungen oder als PDF-Datei auf Online-Plattformen geschaltet. Junge Leute bewegen sich jedoch meist in der Social-Media-Welt ihrer Smartphones. Dadurch fehlen Gelegenheiten, sich persönlich kennenzulernen. Mit dem Portal my-craft-job.de gehören teure Bewerbungsunterlagen sowie zeitraubende und unnötige Vorstellungsgespräche der Vergangenheit an. Die Bewerber(m/w/d) werden stattdessen mit Video-Stellenanzeigen und Video-Bewerbungen in ihrer Social-Media-Welt geholt.

Der Arbeitgeber trägt zunächst Firmenname, Jobbezeichnung und eine kurze Beschreibung in das Eingabefeld ein. Er kann bis zu fünf Fotos hochladen, die den Betrieb oder den künftigen Arbeitsplatz zeigen und neugierig machen sollen. Danach kann er sich oder die Arbeitsabläufe im Unternehmen in einem 60-sekündigen Video vorstellen. Beispiele gibt es auf der Webseite my-craft-job.de. In aller Kürze sollten die Mindestanforderungen an den Bewerber und der Arbeitsbeginn genannt werden.

Der Bewerber registriert sich mit Nickname, Postleitzahl seines Wohnorts und Geburtsdatum. Auch er kann bis zu fünf Fotos von sich sowie Abschlusszeugnis und weitere Dokumente hochladen. Danach präsentiert er sich in einer 60-sekündigen Filmsequenz, bestätigt die verlangten Mindestanforderungen und gibt das Datum eines möglichen Arbeitsbeginns an.

Weblink zur Börse

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 14/2021
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