Konsumverhalten: Einkaufen in der Pandemie
Konsumverhalten

Einkaufen in der Pandemie

IMAGO / Panthermedia
Jeder fünfte Konsument kauft nun mehr Obst und Gemüse als vor der Pandemie.
Jeder fünfte Konsument kauft nun mehr Obst und Gemüse als vor der Pandemie.

FRANKFURT Unregelmäßiger, vegetarischer, gesünder: Nach einem Jahr Corona haben sich die Konsum- und Ernährungspräferenzen der Deutschen geändert, zeigt eine Studie.

Arbeitnehmer, die während der Pandemie im Homeoffice sind, bringen für Metzger durchaus einige Vorteile mit sich. Aber auch Nachteile: Einerseits bleibt das Mittagstisch-Geschäft hinter dem früheren „Normal“ zurück, andererseits entdeckt so mancher seine Liebe zum Kochen mit hochwertigen Zutaten. 

Wie genau Corona die Einkaufs- und Konsumpräferenzen verändert, hat das Marktforschungsunternehmen POSpulse in einem Vergleich der Einkaufs- und Konsumpräferenzen von Mai 2020 zu März 2021 untersucht.

Folgen der Pandemie

Während im Mai vergangenen Jahres, Stichwort Klopapier-Run, noch knapp jeder vierte Konsument (24 Prozent) angab, zu Lebensmitteln mit längerer Haltbarkeit zu greifen, war es im März 2021 „nur“ noch jeder Fünfte (20 Prozent). Auch die Zahl der Konsumenten, die „deutlich mehr“ einkauften, sank von knapp 16 Prozent im Mai 2020 auf 13 Prozent im März 2021.

18 Prozent der Befragten essen seit Beginn der Pandemie unregelmäßiger. 16 Prozent geben an, seitdem mehr feste Mahlzeiten zu sich zu nehmen ohne zwischendurch zu snacken. Jeder Vierte (25 Prozent) kocht sich im Homeoffice schnell was selbst, gut jeder Fünfte (21 Prozent) isst mittags selbst vorbereitetes Essen, und vier Prozent essen Fertiggerichte. Sieben Prozent essen mittags vorrangig Brot, vier Prozent bestellen sich was.

Nach einem Jahr Pandemie denkt so mancher Konsument allerdings mehr darüber nach, was er isst: Im vergangenen Mai sagten 24 Prozent, dass sie durch Corona „gesünder“ einkaufen, in diesem Jahr sind es schon 27 Prozent. Das betrifft zum einen den Kauf von mehr Obst und Gemüse – 32 Prozent im März 2021 zu 27 Prozent im Mai 2020 – als auch den Kauf von Bio-Produkten. Während in der ersten Corona-Welle nur sieben Prozent angaben, mehr ökologisch hergestellte Lebeensmittel zu kaufen, sind es im März diesen Jahres mit knapp 14 Prozent doppelt so viel. Grundsätzlich gibt gut jeder Fünfte (21 Prozent) an, dass er seit Corona „etwas mehr“ Bio-Produkte in den Einkaufskorb legt, neun Prozent sogar „deutlich mehr“.

Mehr Obst und Gemüse

Inzwischen achten zwölf Prozent der Konsumenten beim Lebensmittelkauf vermehrt auf Inhaltsstoffe und „Natürlichkeit“. 22 Prozent essen nun grundsätzlich mehr Obst und Gemüse und acht Prozent geben an, durch Corona weniger Süßigkeiten zu kaufen. Gut jeder Zweite (55 Prozent) kauft jedoch von der Pandemie unbeeinflusst wie bisher ein. Während in diesem März knapp fünf Prozent einräumen, sich ungesünder als vor der Pandemie zu ernähren, waren das in der ersten Corona-Welle noch sieben Prozent.

Auch die fleischlose Ernährung liegt durch die Pandemie offenbar höher im Kurs. Inzwischen geben knapp acht Prozent der Konsumenten an, mehr vegetarische Produkte und sechs Prozent, mehr vegane Produkte zu kaufen. Im Mai 2020 lagen der Umfrage zufolge bei vier Prozent der befragten Konsumenten mehr vegetarische und bei drei Prozent mehr vegane Produkte im Einkaufskorb. Rund 18 Prozent ernähren sich durch die Pandemie inzwischen grundsätzlich verstärkt vegetarisch, fünf Prozent vegan. Fünf Prozent geben aber auch an, nun mehr Fleisch zu essen.

„Jeder 20. Konsument gibt an, mehr Fleisch zu essen als vor Corona.“
Studie POSPulse
Was Angebote und Rabatte angeht, sind sich die preissensiblen Konsumenten mit jeweils 38 Prozent treu geblieben. Im März 2021 geben 16 Prozent an, nicht auf Schnäppchen zu achten, im Mai 2020 waren es nur elf Prozent.

Kontaktloser Einkauf

Einige der Pandemie geschuldete Verhaltensweisen behalten die Konsumenten bei. Beispielsweise nutzen immer noch 14 Prozent öfter Selbstbedienungskassen (13 Prozent waren es im Mai 2020), bestellen Lebensmittel auch online (acht Prozent März 2021 zu sieben Prozent Mai 2020) und nutzen Lieferdienste (elf Prozent in diesem Jahr, zwölf Prozent 2020). Doch inzwischen geht nur noch jeder Vierte (25 Prozent) häufiger allein einkaufen, im Mai vergangenen Jahres gaben das noch 31 Prozent an. Und während in der ersten Corona-Welle noch 44 Prozent beim Einkauf weniger angefasst haben, sind es nach einem Jahr Pandemie nur noch 32 Prozent.

Spaß bleibt auf der Strecke

Fast jeder zweite Bundesbürger hat sein Online-Kaufverhalten aufgrund der Covid-19-Pandemie verändert, zeigt die Umfrage „Online-Shopping – wer kauft was, wann, wie?“ der Unternehmensberatung KPMG. Knapp 40 Prozent der 1050 befragten Bundesbürger begründet vermehrte Käufe im Internet damit, seine Kontakte auf das Nötigste beschränken zu wollen. Etwa jeder dritte Konsument hierzulande kauft seit dem Corona-Ausbruch unter anderem auch deshalb verstärkt im Internet ein, weil ihm die Hygienemaßnahmen vor Ort „den Spaß am Einkaufen verderben“. Und jeder Vierte gibt an, „mehr aus der Not heraus als aus Überzeugung“ online einzukaufen (24 Prozent).

Die Mehrheit der Generation Z im Alter von 18 bis 24 Jahre tätigt bereits mehr als die Hälfte ihrer Ausgaben (56 Prozent) online. Vor allem diese Konsumentengruppe hat ihr Online-Kaufverhalten geändert (60 Prozent). Unter den Babyboomern ab 56 Jahren ist es nur noch jeder Dritte. Etwa jeder Vierte sagt, er habe aufgrund der Corona-Pandemie bestimmte Produkte erstmals online gekauft – allen voran Lebensmittel („E-Food“). Fast jeder Dritte kauft bereits regelmäßig bis gelegentlich Lebensmittel online, und knapp ein Drittel ist dem Online-Kauf gegenüber zumindest aufgeschlossen. Für einen von sieben Bundesbürgern hat sich die Möglichkeit von „Click and Collect“ – also eine Bestellung online oder telefonisch aufzugeben und sie dann vor Ort im Laden abzuholen – zu einer echten Alternative entwickelt.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 17/2021
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