Ladenbau: Projekt für die nächste Generation
Ladenbau

Projekt für die nächste Generation

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Die Metzgerei Merkle befindet sich seit 1892 in Familienbesitz. Der Totalumbau wurde im Corona-Jahr 2020 realisiert.
Die Metzgerei Merkle befindet sich seit 1892 in Familienbesitz. Der Totalumbau wurde im Corona-Jahr 2020 realisiert.

BURGAU Der fließende Übergang von der vierten auf die fünfte Generation im alteingesessenen Familienbetrieb Merkle in der historischen Altstadt von Burgau war Anlass für eine tiefgreifende bauliche Erneuerung. Eine Bildergalerie finden Sie am Ende des Beitrags.

Eine lebendige Kleinstadt in der Nähe von Günzburg in Bayern. Prägend sind der historische Stadtkern und das Schloss. Läuft man durch das westliche Stadttor in die Innenstadt und biegt in die erste Nebenstraße rechts ein, steht man vor dem Gebäude der Metzgerei Merkle

Links und rechts wird das Fachgeschäft von den ältesten Häusern der Stadt flankiert. „Die stehen beide unter Denkmalschutz. Unseres zum Glück nicht“, kommentieren Familienoberhaupt Markus Kramer und seine Frau Susanne, geborene Merkle, die Lage des vor kurzem völlig neu gestalteten Ladens. Schon im 19. Jahrhundert gab es hier die alte „Eckstein-Metzgerei“. Im April 1892 übernahm Susanne Kramers Urgroßvater Hans Merkle das Geschäft, die Produktionsräume und das Wohnhaus. Seitdem ist die Metzgerei durchgehend in Familienbesitz. Die Söhne Justus und Johannes, 18 und 23 Jahre alt, bilden nun die fünfte Generation.

Einstieg der Söhne beschleunigte Umbaupläne

1959 wurde der vordere Teil, 1969 der hintere Teil des Hauses komplett weggerissen und neu gebaut. Dann folgten immer wieder Umbauten, Veränderungen und Modernisierungsmaßnahmen – das letzte Mal vor 38 Jahren. „Das altbackene Beige im Geschäft konnten wir aber jetzt nicht mehr sehen. Und weil unsere Jungs jetzt richtig mit einsteigen und ihre Ideen einbringen, war es für uns höchste Zeit für einen Umbau“, freut sich die vierte Merkle-Generation.

Angedacht war der Umbau zwar erst für 2021. Realisiert wurde er aber dann schon ein Jahr vorher – praktisch aus dem Stehgreif heraus: „Plötzlich war Corona da, und wir hatten so gut wie nichts mehr zu tun. Wir sind sogar spazieren gegangen. Das Ladengeschäft war das Einzige, was noch gelaufen ist. Alles drum herum fiel ja weg. Dann haben wir halt die Aktion gestartet und zügig angefangen“, blickt die Familie zurück. Das „Drumherum“, das wegfiel, waren Partyservice, Veranstaltungen und Mittagstisch in der hauseigenen „Alten Schmiede“. Auch Mittagessen für Kitas und Schulen oder der Pausenverkauf und einiges mehr waren wegen der Pandemie zeitweise nicht mehr gefragt.

Sportlicher Zeitplan mit flexibler Umsetzung

„Im März 2020 haben wir bei bfm in Lorch angefragt, wann frühestens ein Umbaubeginn möglich wäre. Das war bereits im August“, freuten sich die Bauherrn über die Flexibilität ihres Ladenbauers. Schon im Mai ging es mit vorbereitenden Arbeiten los. Erste Aktionen: In der Garage entstand ein provisorischer Laden, anschließend wurde ein Nebenraum „kahl gemacht“, alles herausgerissen und neu aufgebaut. 

Im August rückten die Ladenbauer an, und innerhalb von sechs Tagen war alles weitgehend fertig. „Das war die einzige Woche, in der wir geschlossen hatten“, resümieren die Bauherren rückblickend. Die Verkaufsfläche wuchs von 48 auf jetzt 75 qm. Um das zu erreichen, wurde ein weiterer Raum des alten Gebäudes in die Ladenfläche integriert. Noch wichtiger: „Jetzt gibt es auf der Ladenebene keine Stufen mehr. Das ist eine riesige Arbeitserleichterung für unser Team“, versichert Susanne Kramer, erleichtert über die gravierende Verbesserungen in „ihrem“ Bereich.
„Wir fühlen uns moderner, frischer und innovativer.“
Familie Kramer
Eine ebenerdige Gestaltung bis zur Straße hin war bautechnisch allerdings nicht möglich. So gibt es immer noch eine Stufe vor der Automatiktür von der Straße in den Laden. Irgendwo gibt es halt immer Grenzen. Trotzdem: „Nicht mehr so viel tragen und lupfen, besser zu reinigen und einfach auch viel freier“, kommentieren Ehemann und Söhne das Erreichte und ergänzen mit einem vielsagenden Seitenblick: „Dafür haben wir ganze Tragmauern rausgerissen“. Dabei liegt die Betonung auf dem „wir“.

Der Hintergrund: Der Vater von Seniorchef Markus Kramer war Maurer. „Daher kommt das Know-how und die Affinität bei mir und meinen Söhnen“, erläutert der Bauherr. Soll heißen: Maurer- und Verputzarbeiten, alles Elektrische, die Technik, Rohrleitungsbau, Beton- und Stahlarbeiten. Alles haben die drei tatkräftigen Männer selbst gemacht. Natürlich auch mit Hilfe von Spezialisten, wo es notwendig und vorgeschrieben war. Aber sonst: Alles mit den eigenen Händen. Große Ausnahme wie gesagt: Der eigentliche Ladenbau wurde an „bfm“ vergeben. „Das waren Top-Leute“, ist die Familie heute noch begeistert über die „herausragende und innovative Zusammenarbeit“. Mehr muss man nicht sagen.

Modernes Erscheinungsbild mit klarem Kontrast

Der erste Eindruck bei einem Rundblick durch den neuen Laden: Seine Gestaltung orientiert sich am Puls der Zeit, mit einem kleinen Touch ins Rustikale sowie Betonwänden in perfekt ausgeführter Echtholz-Optik. Auffallend vor allem auf den zweiten Blick ist der bewusst größtmögliche Kontrast zwischen den weißen Wänden und Decken im Kundenbereich im Verhältnis zur schwarzen Thekenverkleidung, den schwarzen Decken und Wänden im Verkaufsbereich. Das schafft klare Abgrenzungen. Zugleich hebt es die Präsentation der angebotenen Fleischwaren und rückt deren Vielfalt ins Zentrum der Betrachtung.

Ein augenfälliges Gestaltungselement ist der große, bewegliche „Wurst-Kühltower“. Dahinter wurde in der Wand ein Schau-Kühlraum platziert. „Unser Bereich für die Warmtheke wurde erweitert“, beschreiben die Bauherrn. Über der Heißtheke sorgt ein Warmton dafür, dass die Speisen ihre appetitliche Farbe behalten. Die rund sechs Meter lange Frischetheke bietet in der vollverglasten „Free Spirit“-Ausführung einen optimalen Blick auf die Produkte. Mit durchgängiger Kontaktkühlung, Walzenlüftertechnologie und mehr als 80 Prozent generischer Luftfeuchtigkeit bietet sie ein ideales Raumklima für die Frischeprodukte.

Vor allem Justus und Johannes Kramer haben darauf geachtet, dass in jeder Hinsicht alles auf neuestem Stand ist. Etwa das bargeldlose Bezahlsystem, das von den Kunden hervorragend angenommen wird. Oder auch die zeitgemäße Werbung über Laden-TV, gezielt auch im Bereich der Heißtheke. Mehrere schicke Glasplatten lassen sich mit Werbebotschaften beschriften. 

Auch ökologisch ist die Metzgerei Merkle jetzt zeitgemäß aufgestellt. Schon vor einiger Zeit wurde die komplette Beleuchtung auf LED umgerüstet. Eine ausgeklügelte Mischung aus insgesamt drei Lichtfarben sorgt für die perfekte Ausleuchtung der Waren. So wird über der Theke rotes und weißes Licht gemischt. Der Rotton unterstreicht die natürliche Farbe von Fleisch und Fleischwaren, der weiße Anteil des Lichts sorgt dafür, dass auch Fettanteile gut zur Geltung kommen. Die gesamte Mischung hat den Effekt, dass die Waren nicht zu blass wirken und sehr realistisch ausgeleuchtet sind.

Ein Blockheizkraftwerk mit Kraftwärmekopplung sorgt für Wärme und die benötigte Energie. Durch seinen Einsatz werden die CO2-Emissionen um rund 60 Prozent reduziert. Das Heißwasser wird über Wärmerückgewinnung mit der überschüssigen Wärme aus der Kältetechnik vorerwärmt. Vier elektronische Waagen sorgen für flüssige Abläufe beim Verkaufen. Natürlich ist alles vorhanden – vom Steaker über vier Aufschnittmaschinen bis zum Ladenwolf: „Wir legen Wert darauf, dass unsere Kunden sehen, dass ihr Hackfleisch frisch durchgelassen wird“, sagen die „Metzger aus Leidenschaft“. Als Extraservice steht eine moderne Profi-Kaffeemaschine bereit, die auf Knopfdruck Kaffeespezialitäten wie Espresso oder Cappuccino zubereitet. Das einzige weitere Element im Laden bildet ein kleineres Selbstbedienungsregal, in dem Dosenware, Getränke und frische Eiern vorgehalten werden.

Innovatives und zugleich flexibles Gestaltungselement

Jung und frisch, fast einen Tick wie aus dem Bilderbuch – und ein witziger Blickfang oder „der absolute Eye-Catcher“, wie es die fünfte Generation bezeichnet, findet sich ebenfalls im neuen Laden: Mehrere „Merkle-Schweinle“, übernommen vom hauseigenen Logo, tummeln sich ausgelassen und in Comicform dargestellt auf einer blumenbewachsenen Frühlingswiese. „Das ist genial“, freuen sich alle.

Auch den Kunden gefällt’s, denn sie sprechen die Mitarbeiter immer wieder auf das farbenfroh-fröhliche Element an. Der Hintergrund: Die Bespannung der Wand kann leicht getauscht und somit großflächig die Deko verändern. „Das ist besser als jeder andere Deko-Staubfänger. Unsere Schweinle springen halt immer irgendwo rum. Auf der Wiese oder um den Weihnachtsbaum. Je nachdem, welche Saison wir gerade haben“, sind die Kramers begeistert. Weitere Vorteile: Die Leinwand ist beschichtet, abwaschbar und dadurch hygienisch unproblematisch.

Auch auf weitere Designobjekte an der Wand vor allem rund um die neuen Stehtische ist man stolz. „Das ist einfach alles voll der Bringer“, nennt es die fünfte Generation im fleischerhandwerklichen Familienunternehmen. Und an der Wand im Laden hat sie noch reichlich Platz gelassen für viele weitere Meisterurkunden.

Ladenbau: Der afz-Besuch bei Merkle in Burgau

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 27/2021
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