Regionale Wirtschaftskreisläufe: Tausche Futt...
Regionale Wirtschaftskreisläufe

Tausche Futter gegen Schwein

th
Im Hofladen von Gut Schmerwitz gibt es frisches Obst, knackiges Gemüse, Kartoffeln und Getreide, außerdem Eier, Säfte sowie Fleischwaren von Schwein und Lamm aus gutseigenem Anbau beziehungsweise Tierhaltung.
Im Hofladen von Gut Schmerwitz gibt es frisches Obst, knackiges Gemüse, Kartoffeln und Getreide, außerdem Eier, Säfte sowie Fleischwaren von Schwein und Lamm aus gutseigenem Anbau beziehungsweise Tierhaltung.

WIESENBURG Die Unternehmerfamilie van Schoonhoven betreibt auf Gut Schmerwitz ökologischen Landbau und unterstützt dabei auch Produzenten der Region.

Katja Görner hat Agrarwissenschaften studiert und während ihres Studiums mehrere Praktika auf Gut Schmerwitz rund 80 Kilometer südwestlich von Berlin absolviert. Dabei erhielt sie viele Anregungen zum ökologischen Landbau und blieb auch nach Anschluss des Studiums in der Region.

Vor drei Jahren beschloss sie, sich zwei Schweine anzuschaffen. „Das waren sozusagen Spaßschweine“, berichtet sie mit einem Lachen. „Aber Schweine sind ganz tolle Tiere.“ Und so wuchs aus dem Spaß ganz schnell eine Landwirtschaft im Nebenerwerb. Heute kümmert sich Görner neben ihrem Hauptberuf als freiberufliche Agrarberaterin um die Aufzucht und Vermarktung von mittlerweile 250 Tieren in dem kleinen Dörfchen Görzke bei Brandenburg an der Havel. Sie werden nach den strengen Richtlinien des Bioland-Verbands gehalten.

Ihre eigenen Schweine der Rassen Deutsches Edelschwein, Deutsche Landrasse und Duroc kreuzt Görner mit Piétrain-Ebern und liefert die Mastendprodukte im Rahmen der Verbandaktivitäten bis in die Uckermark zu Gut Kerkow. Das betreibt die Promi-Köchin und derzeitige grüne Abgeordnete für Österreich im EU-Parlament, Sarah Wiener, gemeinsam mit einem Partner, dem Landwirt Johannes Niedeggen. Das Gut konnte Sarah Wiener noch aufrechterhalten, für ihre Sterne-Restaurants und ihr Event-Catering musste sie aufgrund der Corona-Pandemie Insolvenz anmelden.

Gut Schmerwitz von der Suchthilfe übernommen

Das rasante Wachstum des Landwirtschaftsbetriebs von Katja Görner hat auch mit Gerrit van Schoonhoven zu tun. Ihm und seiner Familie gehört Gut Schmerwitz. Die van Schonhoovens hatten es im Jahr 2000 von der Berliner Suchthilfe Synanon übernommen, die es nicht mehr rentabel bewirtschaften konnte. Dann übernahm die Familie und betrieb ökologische Landwirtschaft nach Bioland-Richtlinien. Bis 2018 gehörte auch eine eigene Schweinehaltung mit Aufzucht und Mast dazu. Das Futter dafür produzierte das Gut neben verschiedenen anderen Feldfrüchten auf 1.600 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche.

Inzwischen konzentriert sich Gut Schmerwitz auf die Haltung von 12.000 Legehennen und eine Schäferei mit 30 Mutterschafen. Doch die Fleisch- und Wurstproduktion unter dem Label des Gutes ist geblieben. Die 40 Schweine, die jährlich zu Hackepeter, Blutwurst, Leberwurst und Sülzwurst im Glas und zu Frischfleisch für den gutseigenen Hofladen verarbeitet werden, kommen inzwischen von Katja Görner. Die wiederum bezieht ihre Futtermittel von van Schoonhoven im Rahmen einer Kooperation. „Wir tauschen quasi Futter gegen Schweine“, so Gerrit van Schoonhoven. Auch für den Schweinemist ist das Gut ein dankbarer Abnehmer und schließt so den regionalen Nährstoffkreislauf. „Mit dieser Kooperation ist es möglich, mehr Fläche in der Region zu bewirtschaften. Und wir erreichen, dass 80 Prozent der Rohstoffe aus regionaler Produktion stammen.“ Das ermöglicht Gut Schmerwitz, im Handel unter der Regionalmarke „Von Hier“ auftreten zu können.

Logistische Unterstützung für Regionalmarke „Von Hier“

133 Rewe-Märkte der Region führen Wurst im Glas vom Gut Schmerwitz und Fleischwaren der Agrargenossenschaft Ranzig. „Im Markenverbund sind derzeit 19 Erzeuger mit 116 Produkten vereinigt“, erläutert Kai Rückewold. Er ist Geschäftsführer bei pro agro, unter dessen Federführung in der Berlin-Brandenburg Marketing BBM GmbH die Marke „Von Hier“ betreut wird. Neben pro agro, dem Verband zur Förderung des ländlichen Raums in der Region Brandenburg-Berlin, sind noch Gut Schmerwitz und der größte Spargelproduzent der Region, Buschmann + Winkelmann, Gesellschafter. Über diese Struktur gelingt es, dass die Produzenten von kleinen Mengen sowie Manufakturen des Lebensmittelhandwerks bei Rewe, oder Selgros gelistet werden und dort zu Preisen wie im eigenen Hofladen verkaufen können. „Wir wollen weitere Erzeuger unter dem Label bündeln“, sagt Rückewold.

Im Bundesland Brandenburg mangelt es an Verarbeitern

Die Unternehmerfamilie van Schoonhoven arbeitet in der Hauptstadtregion zudem im Bereich Logistik von Obst und Gemüse mit der Werder Frucht GmbH zusammen. Dort werden auch Obst- und Gemüsesäfte distribuiert. Im Bereich der Legehennen versucht Gut Schmerwitz möglichst viele Tiere nach dem Ende der Legeperiode als Suppenhühner zu vermarkten oder sie an Privatleute in der Region abzugeben, was nicht vollständig gelingt. „Die Ansiedlung weiterer Verarbeitungsbetriebe zur Verbesserung der regionalen Wertschöpfungskette wäre wünschenswert“, regt der Familienunternehmer deshalb an.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 16/2021
stats