Umweltschutz: Fleischessen und andere Freihei...
Umweltschutz

Fleischessen und andere Freiheiten

imago / Westend61, Arnulf Hettrich, photothek
Werden als Umweltsünden oft in einem Atemzug genannt: Rindfleisch, Flugreisen und Autofahren.
Werden als Umweltsünden oft in einem Atemzug genannt: Rindfleisch, Flugreisen und Autofahren.

FRANKFURT Wir lassen uns den Verzehr von Fleisch verbieten, um das Klima zu retten. Dabei liegt in der Verantwortung des Einzelnen mehr Weltenrettung als in allen Verboten.

Das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ erörterte vor einiger Zeit das Für und Wider zu einem „Birthstrike“. Dabei geht es um die Frage, ob es gut für das Klima ist, wenn wir keine Kinder mehr kriegen. Na klar! Ohne Menschen wäre das Klima schnell gerettet! Wer erst mal darüber debattiert, ob wir dem Klima zuliebe vielleicht aussterben sollten, wird einem Verbot des Autofahrens, von touristischen Reisen, süßen Limonaden und eben auch Fleisch ohne weiteres zustimmen.

Wir lassen uns das Leben verbieten, um vermeintlich Größeres zu retten. Besser wäre das Leben zu genießen und sich so auch der eigenen Verantwortung für die Schöpfung bewusst zu werden. Dieser Beitrag behandelt unter dieser Annahme die in der Diskussion befindlichen Verbote, Aktionen und Einschränkungen gegenüber dem Lebensmittel Fleisch.

Fleischverbot

Schon 2019 sammelte die Initiative „Klimanotstand“ alleine in Berlin über 45.000 Unterschriften für ein Fleischverbot in städtischen Kantinen. Die französische Stadt Lyon machte Anfang 2021 Ernst mit dieser Idee und untersagte den Fleischverzehr in Schulkantinen. Wer ein Fleischverbot zu Ende denkt, erteilt Landwirten ein Berufsverbot und lässt Rinder und Schweine an Altersschwäche sterben. 

Weniger Fleisch der Tiere zuliebe

Die Stadtmenschen entfernen sich zunehmend vom Bauernhof und fragen dann den Metzger: „Wie wohnen eigentlich Ihre Schweine?“ Schweine träumen aber – entgegen dem Fragesteller – nicht vom Einfamilienhaus mit Ziergarten am Stadtrand. Das Vermenschlichen der Tiere, die Annahme, dass etwa das Schwein denkt und fühlt wie wir, führt in die Irre. Wer hingegen immer wieder Schweinemast in den unterschiedlichsten Haltungsformen erlebt, der erkennt, wo sich Tiere wohlfühlen. Der weiß auch, dass das, was in Deutschland „konventionelle Haltung“ genannt wird, immer noch eine gute Haltung ist.

Fleischessen kontra Tierrechte

Ein Tier kann nicht vor Gericht ziehen und seine Rechte einklagen. Die Verantwortung für sein Leben hat nicht das Tier selbst, sondern der Mensch, dem es gehört. So wie die Verantwortung für die gesamte Schöpfung nicht den Tieren oder den Pflanzen obliegt, sondern dem Menschen. Der Landwirt, der Tiere hält, behandelt seine Tiere wie jeder verantwortliche Besitzer sein Eigentum behandelt: Er wendet jeden Schaden ab und schützt vor Krankheiten und Unfällen.

Weniger Fleisch des Schlachtens wegen

Wenn Metzger schlachten, die diese Arbeit gelernt haben und gut machen, dann ist es gut für das Tierwohl und die Fleischqualität. Schlachten ist weder brutal noch unanständig. Es ist ein guter und wichtiger Job. Es passieren bei dieser Arbeit auch Fehler – so ist das bei jeder Arbeit. Fleisch steht beispielhaft für die natürlichen Kreisläufe: Ein Kalb wird geboren. Nur dann gibt die Kuh Milch – auch für den Menschen. Aus dem Mist der Tiere wird Dünger für die Felder. Dort wachsen die Futtermittel für die Nutztiere.

Tierbefreier und Tieraktivisten

Immer wieder geben Fleischgegner vor, sie wollten Tiere aus den Ställen befreien. Das klingt nach Robin Hood, ist aber nicht zu Ende gedacht. Denn die an den Landwirt als täglichen Futterlieferanten gewöhnten Tiere würden in ihrer erzwungenen Freiheit verhungern und verdursten. Ebenso zweifelhaft sind Videoaufnahmen von Tieraktivisten in Ställen und auf Schlachthöfen. Denn: Wer den Fehler intensiv und lange genug sucht, wird den Fehler auch finden.

Fleisch sei schädlich für den Menschen

Fleischgegner führen einen ideologischen Kulturkampf gegen die Haltung von Nutztieren und gegen den Verzehr von Fleisch. Dabei dokumentiert die Evolutionsgeschichte, dass Fleischessen gut für den Menschen ist. Gerade durch die Erfindung der Jagd und den damit entstehenden Genuss von Fleisch haben die Menschen ihre Gehirnmasse vergrößert und ihre Fortpflanzung gesichert. Evolutionswissenschaftler sind sich mehrheitlich einig, dass die Menschen ohne Fleisch entweder ausgestorben wären oder sich weniger positiv entwickelt und weniger erfolgreich fortgepflanzt hätten.

Fleisch sei unnötig für die menschliche Ernährung

Das Gegenteil ist der Fall: Nur der erwachsene Mensch kann sich frei von Mangelerscheinungen auch ohne tierisches Eiweiß ernähren. Das Baby oder Kleinkind erleidet hingegen Mangelkrankheiten. Die Natur, in der sich alle Dinge so wunderbar fügen, hat es so eingerichtet, dass das Baby mit der Muttermilch die bestmögliche Nahrung erhält. Die große Mehrheit der Ernährungswissenschaftler bestätigen, dass Fleisch zu einer ausgewogenen Ernährung dazugehört. Und: Viele Menschen, die schon einmal versucht haben, sich einige Tage fleischfrei zu ernähren, kennen den ganz eigenen Hunger nach Fleisch. Dieser Hunger kann mit anderen Nahrungsmitteln nicht gestillt werden. Dieser Fleisch-Hunger hat in den Sprachen mancher Naturvölker einen eigenen Namen. 

Fleisch höher besteuern

In Deutschland muss niemand hungern und Lebensmittel kosten generell wenig. Ein gedanklicher Ansatz ist nachvollziehbar: Lebensmittel zu verteuern, um etwa den Umbau der Landwirtschaft zu einer nachhaltigeren und noch mehr am Tierwohl orientierten Wirtschaftsweise zu bezahlen. Wenn aber mit einer Fleischsteuer Gemeinwohl nur vorgetäuscht wird und der Staat abkassiert, ist das abzulehnen. 

Was diese Beispiele zeigen: Das Nachdenken über die natürlichen Kreisläufe, etwa den biologischen Zusammenhang von Milch- und Fleischproduktion, fördert ein kluges Urteil. Nachhaltigkeit muss nicht Verzicht und Verbot bedeuten. Gut wäre, wenn die Verantwortung des Menschen mit staatlichen Anreizen gefördert und gestärkt wird. Dann wird vielleicht etwas weniger, aber gutes Fleisch aus nachhaltiger Landwirtschaft gegessen.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 23/2021
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