Unternehmensnachfolge: „Ich brenne für meinen...
Unternehmensnachfolge

„Ich brenne für meinen Beruf“

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Björn Spiekermann mit seinem Team.
Björn Spiekermann mit seinem Team.

ROTHENBACH Weil er sein eigener Chef sein wollte, tauschte Björn Spiekermann seinen Managerposten bei Van Hees gegen die Landmetzgerei Foppen in Rothenbach. Dort leitete er schnell die ersten Schritte ein, um den Betrieb fit für die Zukunft zu machen.

Björn Spiekermann ist ein richtiger Macher. Deshalb hat er mit gerade mal 31 Jahren schon viel erreicht. Vergangenen Februar übernahm er die Landmetzgerei Foppen in Rothenbach, einen etablierten Betrieb im Westerwald. Seither ist er nicht nur sein eigener Chef, sondern trägt auch die Verantwortung für 25 Mitarbeitende, die sich auf das Haupthaus und eine Filiale im Nachbarort Westerburg verteilen.

Doch was reizte den Fleischermeister und Fleischtechniker daran, in die Fußstapfen des früheren Inhabers Andreas Foppen zu treten? „Mit einer Betriebsnachfolge gehen für den künftigen Chef sowohl positive als auch kniffeligere Aspekte einher“, sagt Spiekermann. „Zu den Vorteilen zählt sicherlich, dass er auf eine funktionierende Mannschaft und einen bestehenden Kundenstamm trifft.“ Etwas schwieriger werde es hingegen, wenn man Dinge verändern wolle. Das brächte gewisse Herausforderungen mit sich, denen er sich jedoch gern stelle. Denn wenn es zu einfach wäre, dann wäre es auch langweilig.

Als erstes setzte er in beiden Geschäften einen Teamleiter ein, der Verantwortung für den Verkauf trägt. Außerdem gestaltete er den Produktionsprozess effizienter, was beispielsweise mit einschließt, dass er nicht mehr selbst schlachtet. „Mein Vorgänger hat das noch gemacht. Doch für die Mengen, die wir herstellen, reichen Schlachthaus und Kühlkapazität nicht mehr aus“, so der Metzgermeister. Zudem mangele es an Fachkräften: Mitarbeiter für die Produktion zu finden, sei schon schwierig. Mitarbeiter zu finden, die schlachten können, sei allerdings noch viel schwieriger.
„Artgerechte Tierhaltung, Transparenz und Regionalität haben für uns oberste Priorität. “
Björn Spiekermann, Betriebsnachfolger
Auf heimisches Fleisch wollte er trotzdem nicht verzichten, weshalb er sich von einem Schlachthof in der Region beliefern lässt. Das Unternehmen, in dem Tierwohl hoch im Kurs steht, schlachtet rund 900 Schweine pro Woche. Sie stammen aus Betrieben in der Umgebung, müssen also keinen langen Transport bewältigen. Das Großvieh dagegen bezieht er von Landwirten, die auf ihren Höfen selbst schlachten. Bauer Menges in Rothenbach ist einer von ihnen. Indem Spiekermann die Namen der Landwirte zu den jeweiligen Angeboten schreibt, schafft er seinen Kunden gegenüber Transparenz – was diese sehr zu schätzen wissen. „Seit ich die Metzgerei übernommen habe, können wir uns über 20 Prozent mehr Zulauf freuen.“

Obendrein ergänzte er das Sortiment um frisches Geflügel, beispielsweise Hähnchen- und Putenbrust und zum Wochenende Spezialitäten wie ausgebeinte Unterkeulen. „Das gab es hier vorher nicht in diesem Umfang. Nach Geflügel besteht allerdings große Nachfrage.“ Hinzu kommen verschiedene, inzwischen selbst produzierte Salamisorten, darunter eine fettreduzierte Sportsalami, die sich richtig gut verkauft. Für die Zukunft möchte er noch mehr auf die gesundheitliche Schiene gehen und Waren mit hohem Proteingehalt oder besonderen Fettsäuren präsentieren.

Längerfristig plant Spiekermann zudem einen Onlineshop, mit dem er unter anderem seine vielfach gelobte Fleischwurst verschicken kann. Warum die so gut ankommt? „Sie enthält einen hohen Rindfleischanteil, was sie relativ bissfest macht. Zudem stellen wir sie, genauso wie die grobe und feine Bratwurst, täglich her.“ Frische läge ihm und seinem Team ohnehin sehr am Herzen. Das wüssten auch die Kunden. Und die Kollegen, die er mit Fleisch, Fleischwaren und Wurst versorgt. „Wir beliefern Metzgereien, etwa in Idstein und Waldbrunn, die selbst kaum noch produzieren. In diesem Segment wollen wir weiter wachsen“, verrät der Fleischermeister aus Rothenbach.

Machte sich selbstständig und übernahm am 1. Februar 2021 eine Fleischerei im Westerwald: Metzgermeister und Fleischtechniker Björn Spiekermann.
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Machte sich selbstständig und übernahm am 1. Februar 2021 eine Fleischerei im Westerwald: Metzgermeister und Fleischtechniker Björn Spiekermann.
Seine Ausbildung absolvierte er übrigens im Nachbarort Westerburg, in dem er auch geboren wurde. In das Handwerk konnte er schon früh hineinschnuppern – und zwar durch seinen Stiefvater, einen angestellten Metzgermeister, der nebenbei Hausschlachtungen machte. „Ich habe schon als Sechsjähriger in der Wurstküche mit rumgemengt“, erzählt Spiekermann. Die Arbeit gefiel ihm so gut, dass er sich bei seinen Schulpraktika ebenfalls für diesen Bereich entschied. Seine Lehre machte er in der Fleischerei Viehmann und somit in dem Betrieb, für den sein Stiefvater tätig war. Mit dem Abschluss in der Tasche wechselte er zur Landmetzgerei Foppen. Nachdem er dort fünf Jahre lang gearbeitet und währenddessen die Meisterprüfung abgelegt hatte, wollte er sich beruflich weiterentwickeln.

Da kam das Angebot des Geschmacksspezialisten Van Hees gerade recht. Das international aufgestellte Unternehmen mit Sitz in Walluf vertreibt Gewürze, Marinaden und Additive. „Ich war im Technikum beschäftigt und habe die Mischungen am Produkt getestet. Denn bevor sich die Kunden auf etwas Neues einließen, wollten sie das fertige Produkt verkosten.“ Vom Fachwissen der Entwickler beeindruckt, für die er seit zwei Jahren arbeitete, entschied er sich für eine Fortbildung zum Fleischtechniker. Anschließend wartete bei Van Hees ein Managerposten auf ihn: „Von 2018 bis 2020 war ich Abteilungsleiter im Technikum, hielt auch Seminare für Branchengrößen wie Rügenwalder.“ Mit der Zeit habe er sich jedoch danach gesehnt, eigenverantwortlich zu arbeiten. Außerdem fehlte ihm das Handwerkliche. 

Deshalb erschien ihm der Anruf seines früheren Brötchengebers fast wie ein Wink des Schicksals. Spiekermann kehrte als Produktionsleiter in die Landmetzgerei Foppen zurück, sah sich den Betrieb einige Monate lang genauer an und übernahm ihn am 1. Februar. Nachdem er eine vorübergehende Webseite installieren ließ, möchte er die sozialen Medien intensiver bespielen. Und spätestens zum Jahresende soll der neue Marketingauftritt samt Logo folgen. Den ebenfalls neuen Namen behält er noch für sich.

Obwohl sein Job viel Zeit und Kraft kostet, hat er nicht das Gefühl, seine Batterien aufladen zu müssen. „Die sind eigentlich nie leer. Ich brenne für meinen Beruf. Früher habe ich oft Fußball gespielt, heute gehe ich ab zu mal Joggen.“ Die Familie sei in seiner Freizeit auch ein wichtiges Thema. Genauso wie seine anstehende Hochzeit. Es werde einfach nie langweilig.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 23/2021
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