Kommentar von
Fritz Gempel

Erhalt regionaler Strukturen Schlachten mit breiter Brust

Donnerstag, 13. April 2017
Bravo, Metzgerei Zinnecker-Schmidt aus Rheinböllen im Hunsrück! Das habt ihr gut gemacht mit der Wiedereinführung der handwerklichen Schlachtung.

Diese Erfolgsgeschichte ist ein guter Anlass für einen Aufruf an die Fleischer: Erhaltet die handwerkliche Schlachtung. Erhaltet einzelbetriebliche Schlachtstätten und Gemeinschaftsschlachthöfe. Kooperiert mit den schlachtenden Kollegen. Nehmt als Kunden der Fleischlieferanten Einfluss auf die Qualität der Schlachtung. Das handwerkliche Schlachten: Es war mal altmodisch, aber jetzt passt es wieder prima in die Zeit. Wir müssen es wieder mehr machen, und wir müssen wieder mehr darüber reden.

Lasst uns mit den Kunden über Tierschutz reden. Der handwerklich schlachtende Metzger ist ein guter Tierschützer. Tierwohl entsteht, wo Zeit für das Tier da ist. Und bei der handwerklichen Schlachtung ist genug Zeit, um jeden Handgriff sorgfältig zu machen. Wenn Metzger schlachten, ist diese Arbeit für das Tier und das Fleisch einfach gut. Das System des Discounts hingegen beweist: Wo Fleisch vor allem billig sein muss, leiden die Tiere.

Lasst uns mit den Tierschutzvereinen über Tierschutz reden. Das sind unsere neuen Verbündeten. Werden wir Mitglieder in den örtlichen Tierschutzvereinen. Erzählen wir den Menschen, die vom Tierwohl bewegt sind, was im Handwerk besser ist: Dass hier die Arbeit und die persönliche Verantwortung für die Arbeit ein Ganzes ist. Dass Tierwohl für jeden Metzger ein persönliches Anliegen ist. Dass wir zusammen mit dem Bauern das Wohl der Tiere garantieren.

Zinnecker-Schmidt - Karsten
(Bild: Schmidt)

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Handwerkliche Schlachtung Zurück zu handwerklichen Wurzeln

Lasst uns mit den Politikern über Tierschutz reden. Dieser Staat hat den Metzgern über Jahrzehnte hinweg das Schlachten ausgetrieben. Völlig überzogene Hygienevorschriften machten unmöglich, was für das Tierwohl gut ist. Jetzt wird Tierschutz zum politischen Vorrangthema und quasi zum Staatsziel. Wer Tierwohl will, muss handwerkliche Schlachtstätten fördern. Handwerkliche Schlachtung ist nicht nur Metzgerinteresse, sie ist Gemeinwohlinteresse. Unser Staat kümmert sich darum, dass alle in Deutschland sauberes Trinkwasser haben. Er soll sich auch darum kümmern, dass alle Fleisch aus handwerklicher Schlachtung kaufen können.

Lasst uns mit den Kunden über Fleischqualität reden. Das handwerklich erschlachtete Fleisch ist generell das bessere. Das weiß jeder Metzger, der selbst schlachtet und gelegentlich Fleisch zukauft. Prof. Dr. Ludwig Kotter belegte es schon vor vielen Jahren: Stresshormone, die das Tier vor der Schlachtung ausschüttet, sind danach im Fleisch nachweisbar. Eine schonende Schlachtung macht also gutes Fleisch. Und gutes Fleisch macht gute Menschen.

Lasst uns mit den Kunden über Verantwortung reden. Wenn Metzger handwerklich schlachten, dann garantieren sie mit ihrem guten Namen Tierschutz und Qualität. Zur amtlichen Lebensmittelüberwachung kommt da noch eine soziale Kontrolle. Die handwerkliche Schlachtung schließt einzelne Fehler nicht aus, aber sie verhindert Skandale und Katastrophen.

Lasst uns mit den Bauern über unsere Partnerschaft reden. So lange Metzger handwerklich schlachten, so lange wird es Landwirte geben. Der Bauer kriegt vom Metzger den besten Preis. Oft zahlt der Metzger einen Mehrpreis. Im Gegenzug macht der Bauer besonders viel für Tierschutz und Fleischqualität. Bauer und Metzger, das ist faire Partnerschaft auf Augenhöhe.

Lasst uns das Schlachten erklären. Lasst es uns also nicht verstecken. Das Schlachten eignet sich nicht für Bildergeschichten. Aber die handwerkliche Schlachtung ist ein Argument, um im Wettbewerb zu gewinnen und einen Mehrpreis zu begründen. Das handwerkliche Schlachten ist ein Stück unseres kulturellen Erbes. Und es liegt heute mehr denn je im Trend der Zeit. Daher dürfen alle Metzger mit breiter Brust schlachten und stolz darüber berichten.

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