Kommentar von
Monika Mathes

Grill- und BBQ-Meisterschaft Weil es nicht egal ist, was auf den Grill kommt

Dienstag, 07. August 2018
Ein Sommer ohne Grillen ist für die Bundesbürger kein richtiger Sommer – auch wenn er wie dieser alle Hitzerekorde schlägt.

Der Spaß am gemeinsamen Brutzeln im eigenen Garten, auf der Terrasse, in Parks oder am Badesee untermauern bei Umfragen ermittelte, glasklare Indikatoren: 90 Prozent der Deutschen tauschen mindestens einmal pro Jahr den Kochlöffel gegen die Grillzange, und 93 Prozent der Haushalte besitzen adäquate Gerätschaften, um ihrer Leidenschaft zu frönen. Das schnöde Grillen heißt jetzt Barbecue und ist zum Lifestyle avanciert, der Menschen aller Schichten zusammenführt.

Wie die Barbecue Industry Association Grill als Branchenorganisation der Grillgemeinde ermittelte, geben deutsche Verbraucher jährlich 1,6 Mrd. Euro für ihr Hobby aus. Gerade die Enthusiasten heizen den Wachstumsmarkt an, investieren bis zu vierstellige Summen in Premium-Barbecuesmoker, Edelstahl-, Schwenk- oder Säulengrills, schaffen sich Grillkamine, Planchas oder Dutch Ovens, komplette Außenküchen oder sogar eine smarte Geräteversion mit intelligenter Programmführung und digitaler Vernetzung an. Auch beim passenden Drumherum wird geklotzt, nicht gekleckert: Die Nachfrage nach Kokoschips statt Holzkohle, Räucherchunks, Gemüsekörben, Woks, rustikalen Lederschürzen sowie exotischen Rubs und Saucen füllen die Kassen der Fachhändler.

„Mit eindrucksvoller Grill-Hardware lässt sich bei Gästen einfach und plakativ Eindruck schinden. Das ist bei dem, was oben auf den Rost kommt, leider nicht immer der Fall. Wer sich bei den Grill- und BBQ-Meisterschaften in Fulda umgeschaut hat, begreift, dass es auch ganz anders geht.“
Monika Mathes, afz-Redakteurin
Mit eindrucksvoller Hardware – der bekannte Markenname verrät‘s – lässt sich bei Gästen einfach und plakativ Eindruck schinden. Das ist bei dem, was oben auf den Rost kommt, leider nicht immer der Fall. Vielen Deutschen scheint es leider immer noch schnurzegal, was sie auf den Grill legen: Abgepackte Nackensteaks in Einheitsmarinade aus dem Discount schmurgeln in enger Nachbarschaft von fetttriefenden Würstchen aus der SB-Theke. Danach tränkt man das Ganze in reichlich zuckerhaltigem Ketchup. Als Sättigungsbeilage gibt’s aufgebackenes Knobi-Baguette oder den billigsten Industrie-Kartoffelsalat.

Wer sich am vergangenen Wochenende bei den 23. Grill- und BBQ-Meisterschaften in Fulda umgeschaut hat, begreift, dass es glücklicherweise auch ganz anders geht. Dort kämpften 36 Teams um Krone und Zepter des Grillkönigs 2018. Was auf dem Messegelände der Domstadt auf den Rost gelegt, mit Liebe zum Detail angerichtet und den 130 sorgfältig geschulten Juroren zur Bewertung serviert wurde, ließ sich von Niveau und Qualität her kaum noch steigern. Die an beiden Eventtagen gut zehntausend an den Teamständen vorbeiflanierenden Besucher waren auf Kostproben und Inspirationen gleichermaßen erpicht.
Grill- und BBQ-Meisterschaft 2018 - Grillkönig
(Bild: GBA)

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Die 16 Profi- und 20 Amateur-Mannschaften leisten durch ihre hochklassige Performance eine nicht zu unterschätzende Öffentlichkeitsarbeit fürs Fleischerhandwerk: Weil der Wettbewerbsausrichter Red Heifer Beef Brisket, Duroc Tomahawk, American Flap Steak oder Secreto als Fleischkomponenten in die Warenkörbe der Teams packt, steigert er gleichzeitig den Bekanntheitsgrad dieser außergewöhnlichen und hochpreisigen Teilstücke.

„Rinder und Schweine haben viele schöne Stücke“, weiß Volker Elm. Der Präsident der German Barbecue Association (GBA) stellt sich in seinen zahlreichen Interviews mit Publikums- und Fachpresse stets auf die Seite der Metzger. Weniger Fleisch, aber qualitativ hochwertiges – aus dem Fachgeschäft und keinesfalls aus dem Discount, proklamiert er mit Nachdruck und hält die Verbraucheraufklärung trotzdem für ausbaufähig. 

Auf dem heißen Rost geht weitaus mehr als nur Bratwurst und Nackensteak. Deshalb ist das Fleischerhandwerk gefordert. Es muss jetzt mitziehen und dem ambitionierten Brutzler die gewünschte „Software“ liefern. Sonst springen andere Wettbewerber schnell in die Bresche: Die als Aussteller und Sponsoren in Fulda vertretenen, sich immer zahlreicher etablierenden Online-Shops für Fleischspezialitäten und extravagante Cuts.

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