Kommentar von
Michael Weisenfels

Tiergesundheit Seuchenbekämpfung ist Teamwork

Freitag, 15. Dezember 2017
Die Eindämmung von Tierseuchen kann nur länderübergreifend erfolgreich sein.

Die deutschen Schweinehalter leben derzeit in Angst: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich in den Wildschweinbeständen in Osteuropa immer weiter aus. Auch Hausschweine infizieren sich häufig. Ende Juni wurde ASP bei Wildschweinen aus der tschechischen Stadt Zlin beim internationalen Tierseuchenamt (OIE) gemeldet. Die ASP ist somit nur noch rund 300 Kilometer von Deutschland entfernt. Da sich die Krankheit rund 350 Kilometer pro Jahr westwärts bewegt, werden bald auch Fälle bei uns auftreten.

Ein Seuchenzug wäre für die Fleisch-Kette verheerend: Neben der Tötung aller Schweine der betroffenen Betriebe sowie ihrer Kontaktbetriebe werden großflächige Schutzzonen mit strengen Handels- und Transportverboten eingerichtet. Da im Fleisch-Sektor „Euro-Shopping“ üblich ist, kann die Schadensabwehr nur über die Landesgrenzen hinweg von Erfolg gekrönt sein. Vertuschungen, Alleingänge oder fehlende Abstimmung der Glieder der Fleisch-Kette führen eher früher als später zum GAU für alle.

Gegen die ASP gibt es keinen Impfstoff. Zudem sind die Übertragungswege schwer zu kontrollieren. Wildschweine sind hauptverantwortlich für die Verbreitung und bewegen sich freizügig über die grünen Grenzen hinweg. Auch hier ist gemeinsame Arbeit gefordert. Ein länderübergreifendes Jagdmanagement, orientiert am natürlichen Verhalten und nicht an den Landesgrenzen, würde den „Faktor Wildschwein“ besser leiten können.

Aber auch internationale Transporte haben Einfluss. Hier müssen Sender und Empfänger vorbehaltlos miteinander arbeiten. Weder darf der eine Informationen verzögern oder verdächtige Transporte „wohlwollend“ abfertigen, noch darf der andere überreagieren und voreilig Importe bannen. Offenbar ist es noch weit bis dahin, denn die aktuellen Bannwellen hinterlassen oft einen eher protektionistischen Eindruck.

Bei der Geflügelpest zeichnet sich ebenso keine Entspannung ab. Nachdem der letzte Seuchenzug im Mai in Deutschland vorerst erloschen ist, wurde im August bei drei wilden Schwänen der Geflügelpestvirus bestätigt. Auch im übrigen Europa wurden viele Vögel positiv getestet.

Obwohl eine Impfung möglich ist, wurde diese in Europa bisher als nicht hilfreich eingestuft. Geimpfte Tiere haben keine Krankheitsanzeichen mehr, bleiben aber Träger und Ausscheider des Virus und damit auch Verbreiter der Seuche. Indes hat die amerikanische Firma AgriLab bekannt gegeben, dass die USDA den ersten DNA-Impfstoff für Haushühner genehmigt hat. Das Unternehmen gibt an, dass der Impfstoff durch Spleißen eines Antigens hergestellt wird, das mit dem hoch pathogenen Subtyp H5 verwandt ist. Ist die Forschung in den USA weiter oder liegt es an der unterschiedlichen Einstufung, dass Europa in diesem Thema anscheinend hinterherhinkt?

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