Das beste Stück Das Chillup macht die Currywurst

Freitag, 19. Juli 2019
Nur wenige Frauennamen finden sich in der damaligen Zeit in den Patentblättern. Herta Heuwer gehört dazu, denn im Januar 1959 ließ sie den Namen ihres neuartigen, streng geheim gehaltenen Saucenrezepts, Chillup, als Marke patentieren.
Foto: Irene Krauß
Nur wenige Frauennamen finden sich in der damaligen Zeit in den Patentblättern. Herta Heuwer gehört dazu, denn im Januar 1959 ließ sie den Namen ihres neuartigen, streng geheim gehaltenen Saucenrezepts, Chillup, als Marke patentieren.

Auch ohne lange Tradition und Geschichte etwas ganz Besonderes.
von Irene Krauß

Es ist wohl etwas dran, dass sich in der Geschichte so mancher Nahrungsmittel Zeitgeist und ein bestimmtes Image widerspiegeln. Die Currywurst gilt geradezu als Inbegriff (essbarer) Alltagskultur und hat sich im Laufe der Jahre zu einem der beliebtesten Gerichte an deutschen Imbissständen entwickelt. Und das ungeachtet der vielen Skeptiker hinsichtlich einer solch ungesunden „Fast Food-Kultur“.

Bis in die 1980er Jahre war Currywurst, besonders in den Metropolen Berlin und Hamburg sowie im gesamten Ruhrgebiet, schwer zu schlagen: schnell zubereitet, schnell und leicht gegessen – also wie geschaffen für die sich neu entwickelnde Lebens- und Arbeitsweise jener Jahre, die oftmals kein ausgedehntes Essen mehr im Kreise der Familie zuließ. Seitdem hat die Wurst zunehmend Konkurrenz durch den Hamburger und vor allem durch den Döner bekommen. Letzterer ist mittlerweile der beliebteste deutsche schnelle Imbiss. Dennoch werden in Deutschland nach wie vor schätzungsweise über 800 Mio. Currywürste jährlich verzehrt, wobei die deutsche Spezialität auch international begehrt ist.

Die Entdeckung der Currywurst

Aber was wissen wir eigentlich von der Currywurst? Zunächst einmal so viel, dass es sich dabei um eine gebratene oder frittierte Brüh- oder Bratwurst handelt, die in der Regel geschnitten wird. Geschmacksbestimmend ist die würzige Soße auf Basis von Ketchup oder Tomatenmark und Currypulver. Dazu werden Brötchen oder Pommes Frites serviert.

Allerdings hat die enge Beziehung der Deutschen zu ihrer Currywurst eine kurze Geschichte. Nicht zu vergleichen also mit der jahrhundertelangen Historie eines Frankfurter Würstchens oder der Thüringer Rostbratwurst. Die Currywurst ist auf alle Fälle ein Nachkriegskind, wobei sich Hamburg und Berlin nach wie vor um die Frage streiten, wo die Currywurst erfunden wurde. Durch die Novelle von Uwe Timm „Die Entdeckung der Currywurst“ aus dem Jahr 1993 kam der Snack sogar zu literarischen Ehren.

In dem Buch schrieb Timm die Erfindung der Wurst einer erdachten Figur zu, einer gewissen Lena Brücker, die einen Imbiss am Großneumarkt in Hamburg betrieben und dank ihrer Geschäftstüchtigkeit 1947 bereits die erste Currywurst serviert haben soll. Der Autor beschreibt Lena Brücker als eine fiktive Person, die stellvertretend steht für „eine dieser wunderbaren Frauen, von denen es viel gab. Die haben den Großteil des Wiederaufbaus gestemmt, die waren sehr präsent damals.“ Zu weiteren Einzelheiten der Novelle sagte er: „Diese Frau hatte eine Imbissbude am Großneumarkt. Das ist authentisch, alles andere ist Fiktion.“

In Sachen Currywurst spielt eher Berlin die Vorreiterrolle, denn die Erfindung der Wurstspezialität wird gemeinhin der Berlinerin Herta Heuwer (1913 bis 1999) zugeschrieben. Die süßlich-scharfe Sauce hatte sich die Berlinerin selbst ausgedacht. Sie goss sie über ihre Wurst und verkaufte den Imbiss von da an für 50 Pfennig an ihre Kunden. Bis zu 10.000 Würstchen soll sie im Lauf der Zeit pro Woche serviert haben.

Von der Currywurst in allen Variationen

Currywurst ist nicht gleich Currywurst – da gibt es allein schon regionale Unterschiede. Der erste und entscheidende besteht natürlich in der Wurstsorte. In Süddeutschland wird eine helle Bratwurst aus Schweinefleisch zur Currywurst. Im Ruhrgebiet und seiner Umgebung dominiert die Currywurst aus Bratwurst, ist also nicht gepökelt und geräuchert. Grundlage der Berliner Currywurst – erhältlich mit oder ohne Darm – sind gepökelte und leicht geräucherte Brühwürste aus fein gekuttertem Schweine- und teilweise auch Rindfleisch. Beinahe wie einfache Bockwürste also.

Die Würste ohne Darm dagegen sind nicht gepökelt oder geräuchert und von weißlicher Farbe. Beide Varianten werden zunächst im Ganzen von allen Seiten gebraten und dann in mundgerechte Happen geschnitten. Danach wird die Wurst mit einer Sauce übergossen und reichlich mit Currypulver bestreut. Auch die Zugabe von extra scharfem Cayennepfeffer, scharfen Zwiebeln, Worcestershiresauce oder einem speziellen, selbst hergestellten Ketchup auf Basis von Tomatenmark und verschiedenen Gewürzen passt und wird angeboten. Die Amerikaner brachten Curry in den Nachkriegsjahren nach Berlin.

Rund um die Currywurst

In Düsseldorf steht übrigens seit 1999 das nach eigenen Angaben erste Currywurst-Restaurant Deutschlands namens Curry. Im Angebot finden sich nur Currywurst-Varianten und Pommes Frites, die Wurst wird mit verschieden scharf oder fruchtig gewürzten Currysaucen angeboten. In Berlin hatte die Currywurst seit 2009 ein eigenes Museum.

Allerdings wurde dieses Ende 2018 endgültig geschlossen − mag sein, dass die meisten Currywurst-Liebhaber mehr Freude am unmittelbaren Verzehr denn am kulturellen Background ihrer Lieblingsspeise haben. Kultstatus hat die Currywurst aber nach wie vor. Das beweist auch die Post, die im Jahr 2011 eine Briefmarke mit einer Currywurst als Motiv herausgegeben hat.

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