Nottötungen Mastbetriebe im Kreuzfeuer

Mittwoch, 23. Oktober 2019
Die ISN vermutet hinter der Berichterstattung von Report Mainz und dem Spiegel eine Kampagne.
Foto: Ariwa
Die ISN vermutet hinter der Berichterstattung von Report Mainz und dem Spiegel eine Kampagne.

Aktuelle Berichte über die unsachgemäße Tötung von Mastschweinen erinnern an ein bekanntes Problem. Seit den ersten Vorwürfen vor zwei Jahren wurde einiges unternommen, um die Situation zu verbessern.

In der intensiven, auf niedrige Produktionskosten ausgerichteten Fleischproduktion erreichen nicht alle Tiere das Schlachtalter. Über die Frage, wie und unter welchen Umständen erkrankte und verletzte Tiere ohne Heilungschancen getötet werden, wird seit mehr als zwei Jahre heftig diskutiert. Eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover hatte 2017 gezeigt, dass viele Tiere zu spät und mit den falschen Mitteln getötet werden. Die Ergebnisse hatten die Landwirte aufgeschreckt. Unter Federführung der Landwirtschaftskammern (LWK) in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurde ein Leitfaden zu dem Thema erstellt. Zudem gibt es Seminare, in denen Tierhalter geschult werden, und auch in der landwirtschaftlichen Berufsausbildung wird dem Thema mehr Zeit eingeräumt.

Dass es noch immer Betriebe gibt, in denen die Tiere nicht sachgerecht getötet werden, zeigen die Bilder, die das Magazin "Report Mainz" am Dienstagabend ausstrahlte. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), reagierte empört auf Berichte zu rechtswidrigen Nottötungen von Schweinen. „Ich habe bereits mehrfach deutlich gemacht, dass derjenige, der Tiere quält und sie in elendem Zustand verenden lässt, bestraft werden muss“, stellt die CDU-Politikerin fest. Solche Leute hätten „kein Herz für Tiere“ und machten das Image einer ganzen Branche kaputt. Klöckner forderte als Konsequenz  Berufsverbote. Zudem müsse sich die Branche „klar und hörbar“ von den Schwarzen Schafen abgrenzen.

Die für die Kontrollen vor Ort zuständigen Bundesländer fordert Klöckner auf, die Kontrollen zu verstärken. Der Bund plane, die Rechtsgrundlage für wirksame Tierschutzkontrollen in Betrieben zu schaffen, die tierische Nebenprodukte verarbeiten. Denn an dieser Stelle könne man von dem Zustand der Tierkörper Rückschlüsse ziehen auf mögliche Verstöße gegen den Tierschutz im Vorfeld, zum Beispiel im Mastbetrieb.

Unter den Tierhaltern scheint die Sensibilität für das Thema vorhanden zu sein. Ein Kurs „Sachkundenachweise Betäuben und Töten von landwirtschaftlichen Nutztieren“ der LWK Niedersachsen im März 2020 ist bereits ausgebucht. Für den Folgetermin im September gibt es noch frei Plätze.

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) verweist auf die vorhandenen Initiativen. Fraglos sei das in den Videos gezeigte Vorgehen bei der Nottötung rechtswidrig und somit nicht akzeptabel. Interessant sei in diesem Fall auch ein anderer Aspekt: Die auffällig organisierte und getaktete  Abfolge der Veröffentlichungen von ARIWA, Spiegel und Report Mainz zeige „klar den dahinter stehenden Kampagnencharakter“, um mit einer Petition von ARIWA politischen Druck zu einer bereits existierenden Bundesratsinitiative zu diesem Thema zu verstärken.

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