Schlachtvieh- und Fleischmärkte Überhänge nehmen stetig zu

Dienstag, 29. September 2020
Der nach dem Auftreten der ASP in Deutschland brachliegende Export bringt steigenden Druck in den Schweinemarkt.
Foto: imago images / Steinach
Der nach dem Auftreten der ASP in Deutschland brachliegende Export bringt steigenden Druck in den Schweinemarkt.

Während die Überhänge im Handel mit Schlachtschweinen stetig zunehmen, wird bei den Schlachtrindern häufig von eher kleinen Mengen berichtet. Einzig im Süden Deutschlands sorgt der Alm-Abtrieb für Überhänge, ansonsten lassen sich sogar kleinere Aufschläge erzielen.
von Dr. Tim Koch, AMI

Schlachtschweinemarkt bleibt schwierig

Die Lage am deutschen Schlachtschweinemarkt hat sich auch in der laufenden Woche kaum verändert. Aufgrund der fehlenden Exportmöglichkeiten in Drittländer agieren die Schlachtunternehmen weiterhin vorsichtig, die Nachfrage ist entsprechend ruhig. Gleichzeitig versuchen die Mäster, ihre Tiere zügig abzusetzen, was aber nur selten gelingt.
Tönnies Tilmanns
(Bild: Tönnies)

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EU-Schlachtschweinemärkte Preise stabilisieren sich

Die Überhänge, die gerade im Nordwesten schon seit einigen Monaten auf den Markt drängen, nehmen stetig zu. Auf den Preis dürfte das dennoch kaum Auswirkungen haben, auch deutlich niedrigere Preise würden nicht zu einer Belebung des Handels führen. Es deutet sich eine weiterhin stabile Preisfindung an.

Überwiegend flotter Handel mit Schweinefleisch

Während der Handel mit Schlachtschweinen große Probleme bereitet, lässt sich für Schweinefleisch zumeist zügig ein Abnehmer finden. Einerseits ist dabei die Nachfrage insgesamt durchaus flott, andererseits haben viele Zerleger und Verarbeiter mit Personalmangel zu kämpfen. Entsprechend ist das Angebot keinesfalls groß, hier und da wird sogar über etwas zu kleine Mengen geklagt.

Im Fokus stehen in der laufenden Woche Produkte zur Kasslerproduktion, die Saison für Nacken nähert sich dagegen dem Ende. Generell dürften in den kommenden Wochen zunehmend Braten oder etwas deftigere Teilstücke in den Vordergrund rücken. Bislang gibt es dabei aber höchstens kleinere Preisanpassungen, insgesamt herrschen auch in der laufenden Woche stabile Preise vor.

Markt für Sauenfleisch meist ausgeglichen

Die Nachfrage nach Sauenfleisch hat sich zuletzt langsam belebt. Von Seiten der verarbeitenden Unternehmen ist sie meist flott. Entsprechend lassen sich die vorhandenen Mengen problemlos verkaufen, auch weil das Angebot keinesfalls groß ist. Über Preise wird dabei üblicherweise nicht gesprochen. Die meisten Marktteilnehmer äußern sich insgesamt zufrieden.

Preise für Schlachtrinder ziehen leicht an

Der Handel mit schlachtreifen Rindern hat sich gegenüber den Vorwochen etwas belebt, über alle Bereiche hinweg kommt es zu kleineren Preisaufschlägen. Dabei wird gerade bei den Jungbullen häufig von eher begrenzten Mengen gesprochen, aufgrund der laufenden Erntearbeiten liefern die Landwirte ihre Tiere nur langsam ab. Andererseits ist die Nachfrage recht flott und kann teilweise nur knapp gedeckt werden.
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(Bild: imago images / imagebroker)

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EU-Schlachtrindermärkte Notierungen meist schwächer

Etwas uneinheitlicher präsentiert sich dagegen der Markt für Schlachtkühe. Zwar kommt es hier im deutschen Mittel zu kleineren Aufgeldern, es gibt aber durchaus größere regionale Unterschiede. Dabei sind die Stückzahlen im Nordwesten knapp, im Süden sorgt der Alm-Abtrieb dagegen für ein größeres Angebot. Gerade in den Voralpen-Regionen gestaltet sich die Vermarktung dementsprechend etwas stockender und selbst leichter Preisdruck ist nicht ausgeschlossen.

Werbeaktionen beleben den Rindfleischhandel

Wie schon in der vergangenen Woche läuft der Handel mit Rindfleisch weiter flott. Die meisten Marktteilnehmer äußern sich zufrieden mit der Nachfrage, gerade bei deftigen Fleischsorten wirken die kühleren Temperaturen stützend. Auch der Lebensmitteleinzelhandel setzt bei den Werbeaktionen aktuell verstärkt auf Rindfleisch. Gerade Jungbullenfleisch rückt in den Fokus. Das trifft insbesondere auf Keulenteile zu, doch auch darüber hinaus gibt es keine Überhänge. Allenfalls bei Filets ist der Handel nicht ganz so flott, kostengünstige Importe sorgen hier vereinzelt für leichten Druck. Darüber hinaus gibt es preislich aktuell wenig Gesprächsbedarf. Für die meisten Teilstücke werden unveränderte Konditionen aufgerufen. Einzig die Sonderangebote der Vorwochen, etwa im Bereich der Unterschalen, wurden beendet.

Nachfrage nach Kalbfleisch ungebrochen

Kalbfleisch bleibt gefragt. Der Handel wird durchweg als flott beschrieben. Von Brüsten über Keulen bis hin zu Rücken findet sich für alles problemlos Abnehmer. Neben dem Lebensmitteleinzelhandel wirkt dabei auch der Absatz durch die Gastronomie stützend. Höhere Preise lassen sich dennoch nicht durchsetzen, allenfalls bei Innereien kommt es hier und da zu Aufgeldern.

Angebot an Schlachtlämmern bleibt klein

Wie schon in den vergangenen Wochen bleibt das Angebot an schlachtreifen Lämmern begrenzt, reicht für die herrschende Nachfrage aber zumeist aus. Gleichzeitig fallen die Importe eher klein aus, weshalb es hier und da sogar zu Engpässen kommt. Insgesamt dominieren stabile bis leicht festere Preise. Es werden mehrheitlich zwischen 2,25 und 2,70 Euro je Kilogramm Lebendgewicht inkl. MwSt. gezahlt. Auch im Teilehandel dominieren stabile bis leicht festere Preise, insbesondere Rücken sind gefragt.

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