Die Online-Edition von

Fleischwirtschaft 90 (5), S. 92-97, 2010Tiergesundheitspläne im Ökologischen Landbau

Die Ökologische Landwirtschaft erhebt den Anspruch, dass Nutztiere artgemäß zu halten sind. Ein wichtiger Parameter für artgemäße Tierhaltung ist die Gesundheit der Tiere. In verschiedenen Studien hat sich gezeigt, dass auch im Ökologischen Landbau Defizite in der Tiergesundheit bestehen. Die Untersuchung der Gesundheitssituation von Milchkühen, Schweinen und Legehennen auf jeweils 20 Bio-Betrieben hat die Befunde vorhergehender Studien zum Stand der Tiergesundheit bestätigt. Dennoch ist der Umgang mit dieser Situation sehr unterschiedlich. Es zeigt sich, dass die Bereitschaft zur Nutzung von Hilfsinstumenten wie den im Rahmen eines Projekts getesteten Tiergesundheitsplänen sehr variiert. Nur eine, allerdings sehr starke Minderheit setzt sich offensiv und systematisch mit diesem Instrument auseinander. Deshalb muss prinzipiell daran festgehalten werden, Tiergesundheit als eine zentrale Managementaufgabe zu definieren
und bei der Suche nach Lösungen vornehmlich bei den Betriebsleitern und Betriebsleiterinnen anzusetzen. Tiergesundheitspläne sind ein partizipativer Ansatz. Sie setzen Verantwortungsbereitschaft und professionelle Einstellungen voraus. Der Erfolg ist von der Betreuung und vielen anderen Faktoren abhängig, die nicht direkt mit der Tierhaltung zu tun haben müssen (Arbeitsüberlastung, finanzielle Spielräume, betriebliche und private Situationen sowie persönliche Prioritäten). Viele Tierhalter gaben an, dass sie erst durch die im Rahmen von Tiergesundheitsplänen üblichen Gesundheitsüberprüfungen auf ihre Probleme aufmerksam geworden sind. Doch nur ein gutes Drittel der Betriebe hat die Chancen, welche Tiergesundheitspläne bieten, intensiv genutzt.Die Tiergesundheitspläne lassen sich abschließend noch nicht bewerten, da zum einen die Zeitdauer nicht ausreicht, aber auch die notwendige Optimierung der Pläne aufgrund von Erkenntnisgewinnen während des Projektes noch nicht berücksichtigt werden konnte.

English Summary

(original article is only in German language available)
 
Animal health plans in Organic Farming

 
Keywords: Organic farming | animal health | animal health plans

Organic farming states to have a high animal welfare level. Animal health is an important parameter. Several studies show, that there are deficits. Significant deficits in animal health related to a broad range of problems. The study (2006 - 2008) on 20 organic dairy cow, 20 pig and 20 laying hen farms confirmed these results. But the situation among the different farms varies greatly. It is however apparent that a number of farms demonstrate good animal health over a long period of time. The project shows that animal health must be defined as a central management task and that solutions must be found by the
actors, starting with the farm managers. Animal health plans with a participative approach are suited as an instrument to improve health on individual farms. A farm's situation
depends, however, on management and many other factors, not necessarily connected with animal husbandry (overwork, information, financial possibilities, personal and business situations and priorities, and finally, unknown factors). Not all livestock farms were ready to put more effort than a certain level for better animal health. Particularly the large farms had problems with participation and left the project before its conclusion.
It could be found that there are large differences in the subjective and objective consideration of animal health for farmers, consultants/veterinarians and scientists. Farmers mentioned that they first became aware of their problems through the animal health check. But solutions were seldom sought. More motivation for improvement could
first be generated with proven economic significance („Sick animals perform less"). In the case of laying hens, poor health is not necessarily connected to poorer economic performance („Even hens without feathers lay eggs").

 
Anschriften der Verfasser

Rainer Oppermann und Gerold Rahmann, Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI),
Institut für Ökologischen Landbau, Trenthorst 32, 23847 Westerau, oel@vti.bund.de;
Ulrich Schumacher, Bioland-Bundesverband, Ressort Landbau, Kaiserstr. 18, 55116 Mainz