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Ilias

(als man sich gut zwei Jahrtausende später nicht einig war, ob Homer seine Gedichte selbst geschrieben hatte, verfasste Schiller folgendes Wurstgedicht gegen die Besserwisser seiner Epoche)
Wer von euch ist der Sänger der Ilias?
Weil's ihm so gut schmeckt,
ist hier von Heynen ein Pack Göttinger Würste für ihn.
"Mir her! Ich sang der Könige Zwist!"
"Ich die Schlacht bei den Schiffen."
"Mir die Würste! Ich sang, was auf dem Ida geschah!"
Friede! Zerreißt mich nur nicht!
Die Würste werden nicht reichen.
Der sie schickte, er hat sich nur auf einen versehn.
Friedrich Schiller über Homer

Das geht auf keine Kuhhaut

Diese saloppe Wendung geht auf die mittelalterliche Vorstellung zurück, dass der Teufel einem Sterbenden dessen Sündenregister auf einem aus Kuhhaut gefertigten Pergament vorhält. Es zeugt von besonders großer Sündhaftigkeit, wenn die Übeltaten noch nicht einmal auf einer großen Kuhhaut Platz finden. In der Regel wurden nämlich nur die Häute von Kälbern und Schafen für die Herstellung von Pergament verwendet. Wenn also etwas auf keine Kuhhaut geht, dann übersteigt es jedes Maß, ist unerhört oder unerträglich: Seine Gemeinheiten gehen auf keine Kuhhaut.
Aus: Duden, Das große Buch der Zitate und Redewendungen. Mannheim 2007.

Schlachtfest

Seit drei Wochen ist die Schlachtzeit in vollem Gange:
In vielen Gegenden werden November und Dezember als Schlachtmonate bezeichnet, und oft findet zu Martini am 11. November das erste Schlachtfest statt. Wenn früher im Dorf ein Schwein geschlachtet wurde, so war das nicht nur ein wichtiges Ereignis für den betreffenden Hof, sondern für alle Nachbarn und Freunde.
Früher haben die Kinder an diesem Tag schulfrei bekommen, der Schlachter kam ins Haus, und alle Frauen, Familienangehörige und Dienstboten halfen beim Zerlegen, Kochen, Hacken und Wurststopfen. Die Kinder bettelten um kleine fingerdicke Würste.

Schlachtschmaus

Mit Freunden und Nachbarn feiert man abends die erledigte Arbeit, meist gibt es eine Schlachtplatte mit Wellwurst, frisch gekochten Blut- und Leberwürsten, die sich früher ungeräuchert nicht lange hielten und deshalb gleich verspeist wurden.
In manchen Gegenden war es Sitte, aus der Wurstbrühe mit Grütze oder Buchweizen eine Suppe zu kochen, oft gibt es eine Grützwurst mit Zwiebeln, Blut und feingehacktem Fleisch, zur Schlachtplatte gibt es Siedfleisch, gekochten Speck, Schnuten und Pfoten mit Sauerkraut oder gedünsteten Äpfeln.
In Hessen gibt es auch Sauerkraut, das in der Wurstbrühe gekocht wird, dazu Leber- und Weckwurst.
In Süddeutschland ist die Metzelsuppe bekannt, Schweinepfeffer und frische Bratwürste sind in Schwaben und in Bayern beliebt. Wer nicht zum Schlachtfest einladen kann, der schickt am anderen Tag den Nachbarn kleine Würste und einen Krug mit Fleischbrühe ins Haus.

Schwartenmagen

(der altgriechische Dichter gibt Kunde davon, dass man schon 2700 Jahren den Schwartenmagen kannte. Im 18. Gesang der Odyssee beschreibt er, wie sich Odysseus unruhig auf dem Lager wälzt)
... So wie ein Mann überm brennenden Feuer den Magen eines Schweines voll Fett und Blut von einer zur anderen Seite dreht und wartet sehr, ihn gebraten zu sehen: Also dreht er sich von einer Seite zur anderen ...
Und etwas später heißt es:
... Hier sind Ziegenmagen, mit Fett und Blute gefüllet, die wir zum Abendschmaus auf glühende Kohlen geleget ...
Homer

Schwein als Glückssymbol

Schon sprichwörtlich ist das Glücksschwein als Glückssymbol. Glücksschweine gibt es aus Holz oder Porzellan, als Marzipanschweine oder in anderer Form. Das Schwein hatte schon in einigen antiken Kulturen wie z. B. im alten Ägypten oder Syrien eine besondere Bedeutung. Es galt als heilig und wurde den Göttern geopfert. Die Kelten verbanden mit dem Schwein das Jenseits. Daher dienten Schweine bei religiösen Feierlichkeiten als Speise. Von jeher galten zumindest in Europa Schweine als wichtige Fleisch- und Fettlieferanten. Ein Schwein zu haben bedeutete in früherer Zeit, in der ein üppiges Essen nicht zum Alltag gehörte, gut versorgt zu sein. Wohl auf diesem Hintergrund entstand die Redewendung "Schwein haben" im Sinne von "Glück haben". Die Wurzeln von Glücksschwein oder Neujahrsschwein könnten aber auch in einem alten Kartenspiel zu finden sein, bei dem das As ein Schwein war.

Was ist ein Schweinehund?

Ein Schweinehund ist nicht etwa eine Kombination aus Hund und Schwein, sondern ein Hund, der für die Saujagd benutzt wurde. Vom inneren Schweinehund, den es zu überwinden gilt, spricht man im Zusammenhang mit der eigenen Faulheit oder Feigheit. General Schleicher soll die Rede vom inneren Schweinehund in seiner Antrittsrede als Regierungschef der Weimarer Republik geprägt haben.

Schweinethomas

Schweinethomas heißt der 21. Dezember in Eichsfeld. Das war der Beginn der Schlachtfeste, denn man meinte, nach diesem Termin schmeckt das Schweinefleisch am besten.

Der junge Metzgerbub

Baron Otto von Taube, der Schriftsteller und Dichter aus dem Baltikum, hatte ein ganz besonderes Verhältnis zum Fleischerhandwerk. Das beschreibt ein Lesebrief seiner Tochter Maria Freiin von Taube an die Süddeutsche Zeitung:
Mit Freuden las ich im Artikel über "Den Bären" in Gauting, daß auch mein Vater erwähnt wurde. Nur: "Der junge Metzgerbub, Baron Otto von Taube", war damals bereits 65 Jahre alt. Im Sommer 1944 wurde er nach einem Luftangriff auf die Gautinger Schloßstraße zum Steineklopfen eingezogen.
Auf dem Heimweg von dieser Arbeit begegnete er Frau Lilly Bauer, die hilfesuchend vor dem "Bären" stand. "Wo fehlt's?" fragte mein Vater. "Ich könnt' einen Ochsen von Buchendorf haben, aber niemand kann ihn herfahren." "Ich hol ihn Ihnen", sagte mein Vater. Am anderen Morgen wanderte er statt zum Steineklopfen nach Buchendorf, trieb den Ochsen zunächst zur Waage beim Gasthaus zur Post (jetzt Wienerwald) und dann zum Schlachthaus vom "Bären". Seitdem blieb mein Vater als Gehilfe bei Frau Bauer.
Wir waren ja schon bei Birzers und dann bei Bauers Kunden. Vor allem trieb mein Vater das Schlachtvieh aus Unterbrunn, Oberbrunn und Buchendorf herbei. Auf so einem Weg von Buchendorf her ist das Gedicht "Im Ochsentritt" entstanden:
Ich geh im sachten Ochsentritt,
Das Rind geht neben mir.
Ich führ es zwar, doch gibt's den Schritt
Mir an, ich folg dem Tier.
Verborgen bleibt mir, was es denkt
in seinem schweren Haupt,
Indes uns gleiche Sonne sengt,
Uns gleiche Straße staubt.
Doch daß ich selbst sehr glücklich bin,
Spür ich im Überschwang,
Denn immer mehr vergeht dem Sinn
Die Hast bei solchem Gang.
Und immer mehr und mehr versinkt
Mein Blick in all die Schau
Des wunderbaren Tags, der blinkt
Vom Sonnengold und Blau.
Die Weite dehnt sich prächtig aus.
Warum durcheilt ich sie?
Ich weiß, ich komme schon nach Haus
Zusammen mit dem Vieh.
Will nichts als schaun und glücklich sein,
Und hab dabei das Tier,
Das schleppend hinsetzt Bein bei Bein
Im Taktschritt aller Vier.
Drum hetz ich nicht und bin so froh,
Daß meine Seele singt,
Und dank dem Tiere, das mich so
Zu ruhigem Schauen zwingt.
Baron Otto von Taube

Weißwurst

Die Geschichte der Weißwurst erzählt "Stevie" in seiner Plauder-Ecke im Internet. Er beleuchtet dabei die Münchner Weißwurst als eine echte bayerische Spezialität, die im Jahre 1857 von einem jungen Metzger namens Sepp Moser eher durch Zufall erfunden wurde.
Ferner stellt "Stevie" die Frage: Die Weißwurst eine Schweizerin? Des weiteren bringt er Informationen von einem Buch über die Weißwurst, zitiert ein Interview und warnt vor Weißwurst aus den USA. Eine Lebensmittelanalyse rundet seine Seite www.wurstdieb.de/photos/weisswurst/weisswurst.html ab.

Um die Wurst singen

Kinder oder junge Mädchen zogen zu dem Haus, in dem ein Schlachtfest stattgefunden hat, und sangen so lange, bis sie eine Schüssel mit Würsten bekamen.
Wurst

Wurstessen

Das war ein Spaß der jungen Burschen, sie schoben eine lange angespitzte Stange zum Küchenfenster hinein, und wenn sie in der Gunst der Hausfrau oder des Hausherrn standen, so wurde eine große, dicke Fleischwurst auf die Stange gesteckt, wollte man sie loswerden oder verspotten, so zogen die Burschen das Schweineschwänzchen oder ein Stück Gurgel wieder heraus.
Wurst