Kommentar von
Birgit Winterhalder-Spee

Angrillen BBQ-Euphorie befeuert Umsatz

Mittwoch, 24. Mai 2017
Dem Grill-Hype kann sich niemand entziehen, aber auch nicht der Konkurrenz aus allen (Absatz-)Kanälen.
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Angrillen


Denn alle wollen mitverdienen in dem lukrativen Spartenmarkt, der durch die zunehmende Begeisterung am Brutzeln in der Freiluftküche entstanden ist. Und das sind nicht nur die Anbieter mit Wurst und Fleisch, Grillgeräten und Zubehör, Gewürzen und Senf, Saucen und Dips. Dazu gehören auch Marktforscher mit unzähligen Studien über Gewohnheiten am heißen Rost sowie die Verlage, die in Hochglanzmagazinen das auflagensteigernde Thema aufgreifen oder Koch-, nein, Grillbücher herausgeben.

Es partizipiert auch eine Gruppe, die sich aus der BBQ-Euphorie entwickelt und sich vom Amateur zum Profi gemausert hat: die Blogger und Youtuber. Sie befeuern zusätzlich die bestehende Grillleidenschaft und vor allem die damit verbundene Ausgabefreudigkeit, die im krassen Gegensatz zur Schnäppchenjäger-Mentalität der Deutschen steht. Und sie machen häufig Reklame für den Metzger ihres Vertrauens, weil sie Wert auf exzellentes Fleisch legen, wenn sie am Grill ihre Kunst zelebrieren.

Einer dieser kreativen Netzaktivisten ist Klaus Glaetzner. Wenn „Klaus grillt“, dann schauen ihm Millionen über die Schulter. Natürlich nicht gleichzeitig, sondern morgens, mittags, abends und sogar nachts, indem sie seine Clips auf Youtube abrufen oder die Videos abspielen, die sie bei Glaetzner abonniert haben. Eine ähnlich große Gefolgschaft hat der Grill-Guru, der in kleinen Filmen ebenso unterhaltsam wie informativ über seine Barbecue-Experimente und Erfahrungen berichtet: über das Hirschgulasch im Dutch Oven, das Grillen von Schweinebäckchen und zuletzt das Erlebnis beim Zerlegen eines halben Full Blood Wagyu-Bullen in seiner Lieblingsmetzgerei. 

Rindfleisch - Tomahawk vom Grill
(Bild: Thomas Fedra)

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Angrillen Was kommt wo auf den Rost?

Doch auch etliche Fleischer sind mit eigenen Beiträgen im Web gut unterwegs. Jürgen David aus Worms freut sich über enorme Klickzahlen, die ihm nicht nur eine riesige virtuelle Fangemeinde, sondern sicher auch Kunden gebracht haben. Allein bei seinen Spareribs weist der Videokanal weit über 78.000 Zugriffe aus. 

Der leicht angestaubte Spruch vom „Klappern gehört zum Handwerk“ gilt heute mehr denn je – generell und speziell für Grillprodukte und die richtige Einkaufsstätte. Als letztere dienen sich Kaufland und die Edekaner in ihren aktuellen TV-Spots an. Um die Aufmerksamkeit und den Umsatz anzuheizen, spielen sie in unterschiedlicher Auslegung mit den Rollenklischees am Rost: Die Werbung der Lidl-Schwester zeigt, dass Frauen ebenso fit im Grillen sein können, die Gelb-Blauen bedienen das gängige Vorurteil, dass Männer mehr vom Grillen und vom Fleischeinkauf verstehen.

Tatsächlich beansprucht das starke Geschlecht noch immer die Vorherrschaft an der Holzkohlenglut. Und die Männer nehmen mindestens ebenso gern wie die Grillzange die Beschaffung von Würstchen und Steaks in die Hand, wenn sie später vor Familie und Freunden mit ausgefallenen Spezialitäten glänzen wollen. Den Fleischern kann‘s recht sein, denn dann sind die Kunden weniger knauserig. Davon profitieren jene Fachgeschäfte, die in ihrem Saisonsortiment auf Artikel achten, die gelingsicher sind und dennoch mit einem Wow-Effekt aufwarten. Das können beispielsweise grillfertiges Pulled Pork inklusive Buns plus Anleitung zum Burger-Bauen sein oder die Serie außergewöhnlicher Bratwurstsorten.

Über raffinierte Grill-Rezepte – gedruckt oder online – verfügen die Kunden zwar mehr als genug. Und das Betrachten der dazugehörigen Bilder mag manchen in seiner ersten Begeisterung zum Nachmachen inspirieren. Bis sich schließlich herausstellt, dass das Ganze für ihn vielleicht doch zu kompliziert ist. Dann verlässt er sich lieber auf einen Metzger mit ausgeprägter Grill-Kompetenz oder nimmt gleich dessen Dienste als Catering-Profi in Anspruch, wenn das Essen bei der Gartenparty perfekt sein soll.

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