Kommentar von
Fritz Gempel

Einkaufserlebnis Von Käfer lernen, heißt siegen lernen

Dienstag, 02. Februar 2016
München. Prinzregentenstraße. Montagvormittag. Store-Check bei Feinkost Käfer.

Ich probiere an der Theke von Feinkost Käfer den 2008er Jahrgang eines Pata-Negra-Schinkens. Das Kilo kostet 750 Euro. Später im Bistro gibt es als Vorspeise Kobe-Fleisch. Dann verschiedene kleine Steaks von bis zu zwölf Wochen gereiftem Rindfleisch. Ich kalkuliere und schätze allein den Preis des für mich zubereiteten Fleischs auf mehr als 100 Euro.

Was mache ich aus diesem Erlebnis? Ich könnte es einigen kulinarisch verwöhnten Freunden erzählen und sagen „Geht da mal hin“. Wenn ich darüber in der afz schreibe, werden einige Fleischer denken „Der spinnt doch!“ Egal. Wichtig ist, dass viele Fleischer von Käfer lernen können. Diese Theke, der Fleischreife-Schauraum und der Salami-Humidor, die Frauen hinter der Feinkosttheke und die Männer hinter der Fleischtheke demonstrieren, wie eine Spitzenposition verteidigt wird.

Was Qualitätsführerschaft ist, sieht in München anders aus als in einer Kleinstadt. Aber das Prinzip gilt. Und das geht so: Zuerst bestimme ich für mein Geschäft, wo ich schon herausragend gut bin. Diese Stärken baue ich immer weiter aus. Ich werde dabei für meine Wettbewerber uneinholbar. Das geht Stück für Stück. Denn die Kunden müssen mitgehen und dürfen nicht überfordert werden. Ebenso müssen die Bedienkräfte mitgehen wollen und vom Chef mitgenommen werden. Dazu braucht es Warenkunde, Kochkenntnisse und Kultur in der Sprache und im Benehmen. Der Leiter der Käfer-Fleischabteilung bekocht manchmal seine Mitarbeiter privat mit dem Feinsten, was die eigene Theke hergibt.

„Wer Spitze ist, hat es leichter, die guten Kunden und die guten Mitarbeiter zu gewinnen.“
Fritz Gempel
Wer konsequent die Strategie der Qualitätsführerschaft verfolgt, dem werden auch Zweifel kommen. Diese Zweifel kommen nicht erst dort, wo Fleisch zu Preisen verkauft wird, die es sonst bei Lebensmitteln nur bei Kaviar und Trüffeln gibt. Diese Zweifel kommen vielleicht auch, wenn der Bauer vorrechnet, dass er für ein artgerecht gemästetes Schwein mit Auslaufhaltung und ohne Gentechnik drei Euro pro Kilo haben will. Die Käfer-Antwort auf solche Fragen heißt: „Wer, wenn nicht wir“. Jeder Fleischer, der vor Ort seine eigene Qualitätsführerschaft verteidigt, darf sich diese Antwort zu Eigen machen.

Die Spitzenposition bei frischen Lebensmitteln einzunehmen, verlangt nach ständiger Verteidigung. Stets drängeln viele, die Spitze sein wollen. Da sind Fleischereien und Biomärkte, Edeka- und Rewe-Kaufleute, Markthallen und Internet-Anbieter. Dass diese Position so begehrt ist, hängt damit zusammen, dass sie sich rechnet. Wer nämlich die Spitze besetzt, darf auch bei den normalen, guten Qualitäten einen Mehrpreis für seinen Namen nehmen. Spitze, das ist also nicht Kobe-Fleisch, sondern generell die Einnahme einer Führungsposition. Alle kapieren dann: Es gibt hier keinen Besseren. Wer spitze ist, hat es leichter, die guten Kunden und die guten Mitarbeiter zu gewinnen.

Beides ist wichtig und funktioniert nach dem Schema „Imagetransfer“: Mit dem Fleischeinkauf bei Käfer demonstriere ich als Verbraucher meinen gehobenen kulinarischen Stand. Und als Fleischverkäufer bei Käfer bin ich ebenso Teil dieser Spitzenklasse. Anders gesagt: Mit dem Wareneinkauf von Käfer kann ich genauso angeben, wie mit dem Arbeitsplatz bei Käfer. Und genau das brauchen wir: Dass man damit angeben kann, Fleischer zu sein. Bei Käfer oder an jeder weiteren Fleisch- und Wursttheke, die nach der Spitzenposition strebt.

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