Kommentar von
Monika Mathes

Konsumgewohnheiten Heißhunger auf hippe Happen

Dienstag, 03. September 2019
Die Gesellschaft befindet sich in ständigem Wandel: Die Auflösung der althergebrachten Arbeitswelt zugunsten sogenannter Co-Working-Spaces führt dazu, dass heute überall gearbeitet und auch gegessen wird – in Bahnhöfen, im Zug, im Flugzeug, im Home Office.

Als Folge davon verändert sich die klassische Mahlzeitenstruktur. Statt sich von strikten Zeiten für Frühstück, Mittagessen und Abendbrot in ihrer Kreativität einengen zu lassen, futtert sich vor allem die jüngere Generation zwischen 16 und 24 Jahren – losgelöst von traditionellen Konventionen – durch den Tag.

Der Außer-Haus-Markt schreibt aber auch aus einem weiteren Grund ein jährliches Plus von bis zu fünf Prozent: Die Zahl der Single-Haushalte wächst kontinuierlich und kratzt gerade in vielen Großstädten bereits an der 50-Prozent-Marke. Und wer allein lebt, mag nicht allein essen.

Snack '19
(Bild: Felix J. Holland)

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Kongress Gesund, hip und fancy

Das Snacksegment stellt innovativen Anbietern also reichlich Entwicklungspotenzial bereit. Zahlreiche Marktstudien befeuern diese erfreulichen Aussichten. In einer beim Wiesbadener Kongress „snack‘19“ zitierten Studie der Mintel Group hält knapp die Hälfte der befragten deutschen Teilnehmer Snacks für eine Notwendigkeit. Ein weiteres Drittel gibt an, regelmäßig in einen To-go-Snack zu beißen. Und das Ende der Fahnenstange – in diesem Fall der Hunger auf die hippen Happen – scheint noch nicht erreicht: Die Konsumenten wünschen sich ausdrücklich eine noch reichlichere Auswahl.

Dabei wird heute fast jeder hungrige Snacker nach seiner Façon fündig. Ob „Dreifaltigkeit“ in der heißen Theke des Metzgers mit Fleischkäs, Schnitzel und Frikadellen, Butterbrezel, Pizzaecke oder süßes Teilchen beim Bäcker, Sushi, Poke-Bowl, Döner, Burger, Hotdog, Porridge oder Veggie: Die Vielfalt ist schier unendlich.
„Neben dem Zweck, satt zu machen, avancieren zeitgemäße Snacks zu regelrechten Multitalenten mit Zusatznutzen. “
Monika Mathes, afz-Redakteurin
Neben dem Zweck, satt zu machen, avancieren zeitgemäße Snacks zu regelrechten Multitalenten mit Zusatznutzen. Als Markenartikel verschaffen sie ihren Käufer das gewünschte Profil, als Schüssel mit Salat oder Gemüse besänftigen sie das Gewissen der Gesundheitsbewussten, im fleischfreien Format erlangen sie bei den ethisch Korrekten die größte Akzeptanz und als Wellness-Shot mit Ingwer oder Kurkuma steigen sie zum echten Lifestyle-Produkt auf. Aller Health Claims zum Trotz scheint sogar der vermeintlich positive Einfluss eingelegter Gemüsesnacks, fermentierter Sauerkrautsalate oder Happy-Inside-Cerealien auf die menschliche Verdauung salonfähig geworden zu sein. Sogar wenn zur Verbesserung der mentalen Gesundheit bei manchem Zeitgenossen kein Kraut gewachsen ist – der neurofunktionale Snack mit botanischen Ingredienzien verspricht gesunde Energie und soll stimmungsaufhellend wirken.

Und nicht zuletzt sind Snacks in höchstem Maß instagrammable – ein überaus wichtiges Kaufkriterium für die junge Zielgruppe. Denn ihre Smartphone-Kamera isst stets mit, hält die trendigen Zutaten fest und lässt ein breites Publikum über die einschlägigen Social-Media-Plattformen davon kosten.
Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Im Zuge der Fridays-for-Future-Bewegung rücken die oft recht üppig bemessenen Plastikverpackungen von Sandwiches, Bagels oder Salaten ins Kreuzfeuer von Aktivisten. Auch viele Konsumenten bekennen, dass umweltbedenkliche Verpackungen ihr Snackverhalten beeinflussen und sie zum Verzicht bewegen. Die Suche nach nachhaltigen Lösungen läuft bereits auf Hochtouren. Hersteller experimentieren mit biobasierten, kompostierbaren Rohstoffen, Snackanbieter setzen auf Pfandsysteme oder wiederverwendbare Behältnisse.

Das Fleischerhandwerk mischt in vielen Bereichen bereits munter und sehr erfolgreich mit: Mit pfiffigen Ideen wie einem Weißwurst-Burger, mit dem Ausbau seiner Frischsalate-Theken, aber auch mit nachhaltigen Verpackungskonzepten. Da gibt sogar der Lebensmitteleinzelhandel neidlos zu, dass er den Metzgern nicht das Wasser reichen kann.

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