Kommentar von
Jörg Schiffeler

Marketing Wie sich das Handwerk selbstbewusst in Szene setzt

Dienstag, 31. Juli 2018
In Bayern ist die Welt noch in Ordnung. Wetten, dass Ihnen dieser Gedanke kommt, wenn Sie über unseren Besuch bei der Metzerfamilie Wenisch in Straubing lesen? Nein, so einfach ist es nicht. Im Gesamtkonzept steckt jede Menge Arbeit und der Anspruch, auf die Wünsche der Kunden in Zeiten der Veränderung einzugehen. Das Wettbewerbsumfeld ist hart und verzeiht keine Fehler.

Gerade im Freistaat investiert der Lebensmitteleinzelhandel kräftig. Veraltete, zu kleine Standorte werden aufgegeben und moderne Großflächen erschlossen. Bei allen Konzepten legen die großen Ketten ein besonders großes Augenmerk auf die Frischeabteilung, die mehr als nur ein neues Antlitz erhält – das ist freilich in der ganzen Bundesrepublik zu beobachten.

Insbesondere auf bayerischem Gebiet – vom unterfränkischen Aschaffenburg im Norden bis zum oberbayerischen Zugspitzgebiet im Süden sowie von West nach Ost – herrschte aber lange ein Nachholbedarf, der nun durch den Bau zahlreicher Umgehungsstraßen mit angegliederten Gewerbeflächen in Ortsnähe beflügelt wird. Diese Entwicklung verläuft umso dynamischer, da die Pendlerströme aufgrund einer bundesweit brummenden Wirtschaft zunehmen.

Besonders stark ist das jedoch in den Metropolregionen München und Nürnberg zu beobachten. Deshalb siedeln sich viele Menschen dort in den Städten sowie in den „Speckgürteln“ an. So reicht das Einzugsgebiet am Beispiel der bayerischen Landeshauptstadt nach Westen bis nach Landsberg am Lech und nach Nordosten bis Landshut. Alle Bürger benötigen Wohnungen, Verkehrswege und Einkaufsmöglichkeiten. Die Genusszentrale von Metzgermeister Stefan Wenisch liegt im Städtedreieck Regensburg, Deggendorf und Landshut. Hier ist neben anderen Unternehmen insbesondere BMW der Motor der Region, der Arbeitsplätze schafft und Neubürger anzieht.

Metzgerei Wenisch - Chef
(Bild: Aichinger / Kim Nguyen)

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Vor dem Hintergrund einer stetig steigenden Erwerbstätigkeit hierzulande und wachsender Einkommen erwarten Konsumforscher höhere Ausgaben der privaten Haushalte. Gleichzeitig wächst die Bereitschaft vieler Bundesbürger für Lebensmittel bewusster und tiefer ins Portemonnaie zu greifen, wenn damit eine spürbar höhere Fleischqualität verbunden ist. Wer macht nun das Rennen im Wettstreit um die Gunst der Kunden?

So wie Kleider Leute machen, muss sich der Verkauf fit machen für die Zukunft: Trends bedienen und Erlebnisse schaffen. Für die Verbraucher sind Landwirtschaft und Tierwohl, Regionalität und echtes Handwerk sowie Fleischqualität zu zentralen Themen in der gesellschaftspolitischen Debatte geworden. Die Regierenden stimmen Gesetze darauf ab und die Großen im Handel setzen Maßstäbe wie zuletzt Aldi, Kaufland, Lidl, Netto und Penny bei der Haltungskennzeichnung.
„Neue Läden ziehen Menschen an. Die neue Ausstattung allein schafft aber noch nicht genügend Kunden ran. Auch die Philosophie muss stimmen, beim Kunden verfangen. Deshalb müssen die Meister und Chefinnen zur Mischung aus Metzger und Rampensau werden.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Für die Unternehmer im Fleischerhandwerk wird die Inszenierung der Leistung immer wichtiger. Eine hohe Priorität fällt dabei auf die Modernisierung der Verkaufsflächen. Neue Läden ziehen Menschen an. Die neue Ausstattung allein schafft aber noch nicht genügend Kunden ran. Auch die Philosophie muss stimmen, beim Kunden verfangen. Deshalb müssen die Meister und Chefinnen zur Mischung aus Metzger und Rampensau werden, wie wir es vor wenigen Wochen zur afz-Akademie bei uns im Verlag auf den Punkt gebracht haben.

In dieser Ausgabe zeigen wir am Beispiel des „Vollblut-Metzgers“ Wenisch, wie das Fleischer-Fachgeschäft der Zukunft aussehen kann. Dahinter steckt ein ausgeklügeltes Konzept, das auf heimische Landwirtschaft setzt, handwerkliche Tugenden mit viel Liebe „lebt“. Dass das Ganze kein Marketing-Gag ist, zeigt die Mischung aus Mitreißen und Begeistern, mit der die Familie und auch das Team täglich am Werk sind. Die Kunden erleben ein in hohem Maß authentisches, ehrliches und transparentes Fleischerhandwerk. Das spricht die Verbraucher an. Nicht nur in der 47.000 Einwohner zählenden Stadt.

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