Kommentar von
Sandra Sieler

Pro Faire Preise

Mittwoch, 10. Juni 2020
Zur allgemeinen Belebung der Wirtschaft senkt die Bundesregierung den Mehrwertsteuersatz befristet für ein halbes Jahr. Das soll den Konsum anregen. Für die Betriebe des Fleischerhandwerks stellt sich nun die Frage: Den steuerlichen Vorteil weitergeben oder nicht? Unbedingt, findet Sandra Sieler, stellvertretende Chefredakteurin.

Vollmundig hat es der Lebensmitteleinzelhandel bereits angekündigt: Aldi Nord und Süd wollen die ab 1. Juli gesenkte Mehrwertsteuer mit niedrigeren Preisen an die Kunden weitergeben. Die Schwarz-Gruppe, Edeka und Rewe sowie andere Händler wollen das ebenfalls tun. Da bleibt auch den Fleischern wenig anderes übrig, als mitzuziehen und den zeitlich befristeten Steuervorteil an die Käufer weiterzureichen. Denn gerade bei den Produkten seines täglichen Bedarfs wird dieser ganz genau hinsehen.

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Contra Mehrwert durch Unterlassung

Zugegeben: In der Corona-Krise blieb kaum einer unbeschadet. Auch das Fleischerhandwerk musste bluten, insbesondere bei Partyservice und Catering. Das Ladengeschäft aber brummte bei den meisten. Andererseits: Durch die Schieflage ganzer Wirtschaftszweige steigen die Arbeitslosenzahlen und im Mai waren nicht weniger als 7,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Da sitzt manchem das Geld nicht mehr so locker.

In der Theke wird sich der reduzierte Preis kaum bemerkbar machen. Die ermäßigte Steuer fällt von sieben auf fünf Prozent, was rechnerisch einem Minus von nicht ganz 1,9 Prozent entspricht. Das wird also keinen Schnäppchenjäger glücklich stimmen. Doch stellt sich die Frage der Fairness gegenüber dem Kunden. Denn er wird stutzen, wenn die als Konsumstimulans geplante, aus der Staatskasse finanzierte Steuermaßnahme versandet und der finanzielle Vorteil in der Tasche der Unternehmer versickert.
„Der Kunde wird stutzen, wenn die als Konsumstimulans geplante, aus der Staatskasse finanzierte Steuermaßnahme versandet und der finanzielle Vorteil in der Tasche der Unternehmer versickert.“
Sandra Sieler
Augenfälliger wird die Ersparnis beim gastronomischen Angebot in der Fleischerei. Im Zuge der schnellen Corona-Hilfe für die Gastronomie hatte die Bundesregierung bereits beschlossen, die Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants bis Ende Juni 2021 von 19 auf sieben Prozent zu senken. Nun also für das zweite Halbjahr 2020 auf fünf Prozent. Das macht sich im Portmonee bemerkbar.

Klar, zur Anpassung der Mehrwertsteuersätze sind Änderungen an Kassen und Schildern notwendig. Je nach System und Gerät ist das mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden. Hier müssen die Unternehmer so bald wie möglich ihren jeweiligen Kassenhersteller in die Pflicht nehmen.

Die abgesenkten Steuersätze im Lebensmittelbereich machen am Ende keinen Kunden reich. Dennoch setzt der Meisterbetrieb mit der Weitergabe des Vorteils ein Zeichen. Gerade Transparenz und Fairness verbindet man doch mit den regionalen Erzeugern und Anbietern. Sie schaffen Vertrauen auf Dauer.

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