Kommentar von
Sandra Sieler

Standortwahl Vom Gegner zum Mitspieler

Dienstag, 04. Juli 2017
Supermarkt und Metzgerei, das sind knallharte Konkurrenten. Sie stehen im Wettbewerb um einen Kunden, der zwar eine hohe Qualität sucht, dafür aber so wenig wie möglich bezahlen will.

In einem solch zähen Kampf ist jedes Mittel recht. Da kopiert der Eine vom Anderen. Die Kette schmückt sich gern mit den Vorzügen des Handwerks. Kaum eine Bedientheke im Handel kommt doch heute noch ohne einen Dry-aged-Schauschrank aus. Auch die Supermarkt-Theken setzen auf Produkte aus eigener Herstellung und werben offensiv damit. Denn die Produktion im Fleischwerk eines Handelsriesen wirkt ja auch irgendwie selbst gemacht.

Manches Mal spielen die Bedientheken bei Edeka, Rewe, Kaufland & Co. die Trümpfe sogar noch besser aus als das Fachgeschäft, etwa bei der Präsentation oder im Marketing. Da zieht die Kette den Vorteil aus dem Großkonzern im Hintergrund. Deswegen muss jeder seine Wettbewerber stets im Auge behalten. Man muss schließlich wissen, mit wem man sich anlegt. Und gute Ideen des Einen lassen sich meistens – angepasst auf die individuelle Situation – auch auf den eigenen Betrieb übertragen.

„Eine Kooperation von Handwerk und Handel – die Fleischerfiliale im Supermarkt – kann nur funktionieren, wenn beide in derselben Liga spielen. Dann aber können sie als Partner die Vorteile voll ausschöpfen – als Teamplayer einer Mannschaft, in der jeder eine tragende Rolle übernimmt.“
Sandra Sieler, stellvertretende Chefredakteurin
Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen steht die Chance einer gewinnbringenden Kooperation, einer Partnerschaft auf Augenhöhe. Ein Paradebeispiel ist das Konzept, von dem Metzger Armin Häfele und der Kaufmann Sebastian Aupperle berichten

Da spürt man keinerlei Konkurrenzdenken, sondern Teamgeist. Die gemeinsame Strategie: das Streben nach hoher Qualität und dem Besonderen. Denn: Eine Kooperation von Handwerk und Handel, die Fleischerfiliale im Supermarkt, kann nur funktionieren, wenn beide in derselben Liga spielen. Nur dann können sie als Partner die Vorteile voll ausschöpfen – als Teamplayer einer Mannschaft, in der jeder eine tragende Rolle übernimmt.

Der Fleisch- und Wursttresen im Markt dient immer noch als Magnet, um Kunden ins Geschäft zu ziehen. Und wenn diese Theke zu einem Fachgeschäft von Rang und Namen gehört, lockt das noch mal erheblich mehr. Hier profitiert ganz klar der Händler. Umgekehrt kann der Metzger in der Supermarktfiliale auch diejenigen versorgen, die beim Einkaufen die Ein-Stopp-Strategie bevorzugen und alles auf einen Schlag kaufen möchten: alles unter einem Dach, aber nicht alles aus einer Hand.

Diesen Unterschied klar herauszustellen, ist wichtig. Jeder segelt unter eigener Flagge und wahrt seinen Charakter: der Generalist genauso wie der Spezialist. Beide übernehmen ihre spezielle Aufgabe im gemeinsamen Team.
Aupperle - Häfele
(Bild: fg)

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Solche Kooperationen sind auch deswegen so wichtig, weil der Handel seine Märkte immer weiter mit Bedientheken aufrüstet. Jede Abteilung, die dabei von einer Metzgerei übernommen wird, ist eine Verkaufsstelle des Fleischerhandwerks mehr. Und ein Kommunikationspunkt mehr, an der die Mitarbeiter – und auch die Produkte – für die Vorzüge der regionalen Wertschöpfung stehen und aktiv dafür werben können. Jede Metzgertheke im Supermarkt ist eine weniger, an der sich der Handel selbst profilieren kann.

Die Zukunft der Fleischerei liegt nun nicht zwangsläufig im Supermarkt. Hierfür muss jeweils die gesamte Betriebs- und Kundenstruktur stimmen. Das braucht gutes Fingerspitzengefühl. Dann lässt sich dort bei den passenden Rahmenbedingungen aber durchaus ein lukratives Standbein aufbauen. Nur so wird aus dem Gegner ein Mitspieler im eigenen Team.

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