Imbiss Hotspot für Hot Dogs

Freitag, 21. Juni 2019
Retro-Look: In den Räumen der ehemaligen Fleischerei  blieb früheres Interieur erhalten.
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Retro-Look: In den Räumen der ehemaligen Fleischerei blieb früheres Interieur erhalten.

„Edel sei die Wurst, schmackhaft mit Stil.“ So könnte die anspruchsvolle Devise für das „Wurst Case Szenario“ in Köln heißen.

Wurst Case Szenario“: Wer den Anglizismus korrekt ausspricht, erntet zunächst erst einmal einen resignierten Blick. Oder aber der Zuhörer versteht die Wortspielerei auf Anhieb. Kurz: Die englische Bezeichnung „Worst Case“ meint den schlimmstmöglichen Ausgang in einem Katastrophen-Fall. Tauscht man aber das „o“ mit dem „u“ aus, könnte man das Ganze mit „Wurst-Koffer“ übersetzen. Egal, wie man es auffasst: Hier geht es nicht nur um Denkstoff, sondern um „Stoff“ zum Essen und Genießen. Im Zentrum steht – natürlich – die Wurst.

Denn im Belgischen Viertel inmitten der Domstadt Köln fanden die Initiatoren einer kulinarischen und künstlerisch angehauchten Idee die passende Location zur Umsetzung einer sensorischen Hymne an die Wurst. Vom Hot Dog bis zur Currywurst stellten der Koch Walter Schnerring und seine Partnerin Andreea Bratu ein Experiment auf die Beine, das man auch in das Wort „Wurst-Salon“ packen könnte. Doch es steckt mehr dahinter: Fastfood mit erstklassigen Zutaten aufgemotzt und optisch ansprechend präsentiert.

Erfahrungen sammelt das Betreiber-Duo bereits vor acht Jahren in der Kölner Südstadt mit der Erfindung des Konzepts „Fette Kuh“. Diese Edel-Burgerschmiede ist immer noch erfolgreich am Markt. Aber als den Beiden die Räume einer ehemaligen Fleischerei am Brüsseler Platz angeboten wurde, griffen die Wurst-Enthusiasten sofort zu. Sie ließen das Ladenlokal und die dahinter liegende Vorbereitungsküche komplett umbauen. In einem nächsten Schritt stellten sie ein Programm aus Speisen zusammen, das sich als eine gut gewürzte, leicht pikante und doch bestens abgestimmte Mischung aus Street-Food, Imbiss und Top-Qualität zum Sofort-Verzehr beschreiben lässt.

Koch und Wurstenthusiast Walter Schnerring verfügt als Erfinder der „Fetten Kuh“  über gastronomische Expertise.
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Koch und Wurstenthusiast Walter Schnerring verfügt als Erfinder der „Fetten Kuh“ über gastronomische Expertise.
Gut ein halbes Dutzend, überwiegend ins typische Brioche gepackte Hot Dog-Varianten bietet das „Wurst Case“. Sie sind meist als kunstvoll arrangierte Mahlzeit arrangiert: Neben dem Klassiker mit Gurken-Relish, Ketchup, Frankfurter Kräutern und Röstzwiebeln stehen der Chili-Dog im schwarzen Bun mit Wiener Wurst, Chili con Carne, Sour Cream und Salsa, die Veggie-Version mit einer Kichererbsenkrokette, der Sucuk Dog mit türkischer Wurst im Omelett, Tomate, Peperoni und Chili-Mayo auf der Karte. Wie es sich in der Region gehört, wird Traditionalisten sogar der rheinische Klassiker „Himmel und Ääd“ – gegrillte Blutwurst mit Kartoffelpüree, Röstzwiebeln und Apfelkompott – serviert. Als besonders trendiger Happen versteht sich das Pastrami-Sandwich mit Graubrot, Pickles und Senf, das in zwei unterschiedlichen Größen erhältlich ist. Quasi durch den Speisekarten-Querschnitt isst sich derjenige, der das „Best Case Szenario“ ordert. Die als Beilage oder Solo-Mahlzeit angebotenen knusprigen Fritten kommen zwar nicht aus Belgien, werden aber von Hand geschnitten.

Produkte und Rohstoffe beziehen Schnerring und Bratu von namhaften Fleischer-Fachgeschäften aus der Region. Gronau (Essen), Ludwig (Düsseldorf) und Kleinjung (Engelskirchen) heißen einige der Lieferanten. Frische und ausgeprägter Eigengeschmack sind überdies wichtige Grundvoraussetzungen für den Einkauf von Gemüse, Kräutern und Gewürzen. Saucen kochen die beiden Inhaber des „Wurst Case“ selbst und schmecken sie sorgfältig ab. Gäste, die ihre bestellten Gerichte schärfer oder milder mögen, bekommen ihre individuellen Wünsche erfüllt. Wenn es technologisch machbar ist, wird auf Zusatzstoffe verzichtet. Lediglich Nitritpökelsalz fügen die Köche in geringen Mengen bei der einen oder anderen Wurstsorte hinzu. Im Zuge ihrer Expansion planen die Initiatoren eine eigene Produktionsstätte im benachbarten Hürth.
„Um kurze Wartezeiten zu gewährleisten, mussten wir sorgfältig planen.“
Walter Schnerring
Der Wurst-Salon verfügt zwar nur über bescheidene 30 qm Fläche. Aber bei sonnigem und trockenem Wetter kommen zu den im Innenraum vorhandenen zwölf Plätzen noch 25 weitere Freiluft-Sitzgelegenheiten hinzu. Der Retro-Touch des ehemaligen Fleischerladens wurde bei Restaurierung und Umbau erhalten und an einigen Stellen sogar bewusst in den Vordergrund gerückt. Ein Beispiel sind die Fleischerhaken: Sie blieben an der Wand hängen und werden als Garderobe genutzt. Entgegen des museal wirkenden Gastraums ist die Küchenausstattung technisch auf neuestem Stand. „Auf der Fläche einer U-Boot Kombüse“ (O-Ton eines Mitarbeiters) wird hier schnell und effizient gearbeitet gewerkelt. Wenn nötig, funktioniert das sogar als „one man show“, denn alle Geräte für die Speisenzubereitung sind griffbereit angeordnet, alle Kochvorgänge im Blick der maximal zwei Personen, die in der Küche agieren können. Schnerring: „Wir mussten sorgfältig planen und umbauen, um alle Bestimmungen zu erfüllen und für unsere Gäste kurze Wartezeiten auch in Stoßzeiten zu gewährleisten.“

Als konzertierte Aktion mit dem Schwesterunternehmen „Fette Kuh“ stehen Lieferdienst und Catering bereit. Bis zu 600 Gäste werden bei Events verpflegt. Auch mobil und auf kleinstem Raum fällt das „Wurst Case“ ins Auge. Dazu wird derzeit an einem Bauchladen für Verkostungshappen gearbeitet. „Als Werbung und zum ‚Scharfmachen‘ auf unsere Currywurst“, schmunzelt Schnerring.

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