Konzept Taunuswürstchen vom Onlinemetzger

Freitag, 06. März 2020
Kevin Henrici will Onlinekunden das Handwerk nahebringen.
Foto: Henrici
Kevin Henrici will Onlinekunden das Handwerk nahebringen.

Weil er selbst viel bei Amazon kauft, hat Kevin Henrici ausprobiert, Fleisch und Wurst über den Online-Marktplatz zu verkaufen. Die Erfahrungen halfen ihm, einen eigenen Webshop zu eröffnen.

Bücher, Mode, Möbel: Es gibt viele Produkte, die man gut verschicken kann. Bei Lebensmitteln ist das schon komplizierter. Aber nicht unmöglich, dachte sich Fleischermeister Kevin Henrici, und eröffnete auf dem Marktplatz Amazon.de einen kleinen Webshop.

„Das fing als Hobby an. Ich kaufe selbst sehr viel bei Amazon ein“, berichtet der Juniorchef des „Metzgerei und Schlemmerservice“ Henrici im hessischen Neu-Anspach. „Und so wollte ich mal probieren, welche Produkte ich dort verkaufen kann.“ Anfangs versendete er über Amazon nur ungekühlte, haltbare Produkte wie Dosenwurst. Auch um erst einmal Erfahrungen zu sammeln, was an einer Onlinebestellung so alles dranhängt.

Mit den gewonnenen Eindrücken und Erfahrungen eröffnete er 2016 seinen eigenen Onlineshop metzger24.com. „Dort bieten wir inzwischen das komplette Sortiment an. Das hatte ich zwischendrin auch bei Amazon, habe das aus Kostengründen aber schon wieder reduziert.“ Denn neben einer monatlichen Grundgebühr kassiert der Marktplatzbetreiber zusätzlich prozentuale Verkaufsgebühren.

„Meiner Meinung nach verdient man als kleinerer Anbieter mit Amazon nicht wirklich Geld“, gibt Henrici zu. Gleichwohl hält er an seiner Präsenz auf der Plattform fest, allein schon aus Marketinggründen: „Amazon ist der größte Marktplatz, man erreicht dementsprechend viele potenzielle Kunden, ohne selbst größer Werbung machen zu müssen. Und wenn der Kunde zufrieden ist, bestellt er beim nächsten Mal vielleicht direkt bei uns.“

Grundsätzlich ist beim Versand von Fleisch und Wurst „alles herausfordernd“, weiß der Fleischsommelier zu berichten. „Es gibt eigentlich keinen einzigen Punkt, wo man sagen kann, das ist einfach.“ Das Schwierigste sei, überhaupt erst einmal etwas zu verkaufen: „Man denkt sich anfangs: Man macht einen Onlineshop, macht den schön, der sieht gut aus und dann kaufen die Leute. Aber das passiert nicht. Denn man muss erst einmal gefunden werden.“

„Man muss online erst einmal gefunden werden.“
Kevin Henrici
Und so sei der allerwichtigste Punkt am Anfang die Suchmaschinenoptimierung bei Google. „Und man muss natürlich auch richtig gute Produkte haben“, stellt Henrici klar. „Wenn Du auch nur einmal Mist verschickst, hast Du gleich schlechte Bewertungen. Dann kannst Du sofort alles stehen und liegen lassen. Der Webshop ist so gut wie tot.“

Die Familienmetzgerei im Süden Hessens wirbt (auch online) mit Spezialitäten aus ihrer Heimatregion. „Beispiele hierfür sind unsere Taunuswürstchen oder unser Dry Aged-Taunusschwein“, erläutert der Online-Metzger. „Unsere Tiere wachsen unter fairen und glücklichen Lebensbedingungen auf. Da wir auch die Schlachtung selbst durchführen, können wir jeden Verarbeitungsschritt überwachen.“

Denn der Hesse möchte seinen Onlinekunden näherbringen, worum es bei den Fleischprodukten der Traditionsmetzgerei geht. „Wir bieten das komplette Programm. Angefangen von einer artgerechten Tierhaltung über die eigene Schlachtung bis hin zur Theke. Genauso, wie es eigentlich bei einem Fleischer immer sein sollte. Das stellen wir auch online heraus.“

So können die (potenziellen) Kunden sowohl im Webshop, auf der „normalen“ Internetseite der Metzgerei henrici.de als auch in den Social-Media-Kanälen wie Facebook, Instagram und Youtube verschiedene Filme anschauen und sich so einen Eindruck von dem Qualitätsanspruch und dem Selbstverständnis der Henricis verschaffen.

In den Sozialen Medien könne er sicher noch viel mehr machen, räumt er ein. „Ich bin da zwar überall ganz gut drin, aber jetzt auch nicht der Typ, der sich jeden zweiten Tag selbst erfindet, hier ist der geile Metzger und ich habe das Steak in der Hand“, sagt er. „Da gibt es viele, die das sehr gut können. Meins ist das eher nicht.“

Vorsichtig ist er auch mit Agenturen beim Thema Onlinemarketing: „Das geht erstens richtig ins Geld, und zweitens gerät man in diesem Bereich auch ganz schnell an den falschen Anbieter“, warnt der Webshop-Betreiber.

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