Ladenbau Fokussiert auf das Wesentliche

Mittwoch, 30. September 2020
Neues Logo: Die Metzgerei Hoos sichert sich ihre Wiedererkennbarkeit durch einen schwarzen Bullen auf weißem Grund.
Foto: asm
Neues Logo: Die Metzgerei Hoos sichert sich ihre Wiedererkennbarkeit durch einen schwarzen Bullen auf weißem Grund.

Metzgerei Hoos integriert beim Umbau in der Frankfurter Kleinmarkthalle zahlreiche traditionelle Elemente.

Vier Wochen und vier Tage hat es gedauert, um den Verkaufsstand der Metzgerei Hoos neu zu gestalten. Durch das moderne Design, das auch traditionelle Elemente integriert, ist er ein echter Gewinn für die Kleinmarkthalle in der Rhein-Main-Metropole Frankfurt. 

Im Vordergrund schwarze Stahlstützen, im Hintergrund weiße Wandfliesen, dazu eine schwarze Rohdecke mit offen verlegten Installationen: Die kürzlich umgebaute Verkaufsstelle der Metzgerei Hoos ist im modernen Markthallenstil gestaltet – und das aus gutem Grund. Denn zum einen entspricht das Design dem Zeitgeist, und zum anderen befindet sich der Standort in der Frankfurter Kleinmarkthalle. Dabei handelt es sich um ein Ende des 19. Jahrhunderts errichtetes Feinschmecker-Paradies in der Altstadt, das die Verkaufsstellen von rund 60 Händlern beherbergt. Zwei Parzellen sicherte sich die Familie Hoos bereits vor 25 Jahren am westlichen Eingang. 2016 kam mit Übernahme der Metzgerei Ullmann ein weiterer Standort hinzu, der nun eine Rundumerneuerung erhielt.

Hoos - Baustelle
(Bild: asm)

Mehr zum Thema

Ladenbau „Das Ursprüngliche darstellen“

Für den Umbau der insgesamt neun Parzellen hatte Betreiber Andy Hoos vier Wochen veranschlagt. „Letzten Endes sind es vier Tage mehr geworden. Trotzdem lagen wir damit immer noch im Zeitrahmen, weil wir uns eine Woche Karenz eingeräumt hatten.“ Anfangs seien viele Beteiligte davon überzeugt gewesen, dass er das Timing nicht einhalten könne. „Doch alle sind sehr professionell an die Sache herangegangen.“ Dazu gehört unter anderem auch das Team um Ladenbauer Christian Hunold aus Leinefeld-Worbis in Thüringen. Ihn hatte der Metzgermeister damit beauftragt, ein neues Designkonzept zu entwickeln und zu realisieren. 

Weil er in der Vergangenheit bereits eine Verkaufsstelle in der Kleinmarkthalle umgestaltet hatte, war Hunold auf die speziellen Herausforderungen vorbereitet, die der Standort mit sich bringt. Weil es sich um einen 1950er-Jahre-Bau handelt, galt es, sich mit der Denkmalschutzamt abzustimmen: „Neben historischen Fliesen und Fenstern gibt es hier Stahlkonstruktionen, die der Behörde zufolge erhalten werden müssen“, berichtet Hunold. „Außerdem wollte sie ihr Mitspracherecht beim Fußboden geltend machen.“ Weil der jedoch nicht die aktuellen hygienischen Auflagen erfüllte, wurde er komplett erneuert. Zudem mussten alle Arbeiten, die Lärm verursachten, entweder vor acht oder nach 18:00 Uhr erledigt werden. Dank des städtischen Hallenbetreibers habe das aber sehr gut geklappt, sagt Hoos. 

Um gegen Überraschungen gewappnet zu sein, die alte Gebäude für Handwerker oft bereithalten, bauten Hunold und sein Team eine kleine Fläche vor. Der Ladenbauspezialist: „Dabei entdeckten wir zum Beispiel wesentlich mehr holzverkleidete Stahlstützen als in der Ursprungsplanung der Kleinmarkthalle vorgesehen waren.“ Die verwandelte er kurzerhand in Designelemente, die dem Verkaufsstand ein markantes Erscheinungsbild verleihen. Als Dreh- und Angelpunkt fungiert die 12,5 Meter lange Verkaufstheke: Sie ermöglicht eine durchgängige Auslage und wird links von einem Selbstbedienungsbereich und rechts einer dreiteiligen Heiß- und Kalttheke flankiert. Das herzhafte Angebot lässt sich in einem Sitzbereich verspeisen, für den die 90 Quadratmeter große Fläche bequem Platz bietet.
„Wir arbeiten viel mit Schwarz, um die Produkte und Menschen hervorzuheben.“
Christian Hunold, Ladenbauer
Die verwendete Farbpalette ist bewusst reduziert gehalten. Sie besteht überwiegend aus Schwarz, Weiß und einigen Holztönen. „Wir arbeiten viel mit Schwarz, um die Produkte und Menschen hervorzuheben“, erklärt Hunold. Wenn man hingegen einen sehr bunten und „aufgeregten“ Laden baue, fehle die Fokussierung auf das Wesentliche. Bei den verwendeten Materialien dominieren Granit, Edelstahl und Glas, abgerundet durch Massivholz. Das kommt besonders in den für die Kunden zugänglichen Bereichen wie der Sitzecke zum Einsatz. Traditionelle Markthallenbilder dienen hier als schmückende Elemente und erinnern an die „gute alte Zeit“.

Auf technisch neuestem Stand ist die Ausstattung. „Wir haben High-End in jeder Beziehung“, bekräftigt Hoos. „Von der Klimaanlage über die unterschiedlichen Temperaturzonen im Thekenbereich bis hin zum komplett neuen Kassensystem von Bizerba. Letzteres arbeitet den aktuellen Auflagen entsprechend mit einem manipulationssicheren System.“

Weil Lebensmittel auch immer eine sinnliche Angelegenheit sind, finden sich über dem gekühlten Thekenbereich Wurstgehänge, die derzeit allerdings noch nicht bestückt sind. Wenn die Corona-Auflagen es wieder gestatten, baumeln quasi vor den Nasen der Kunden zahlreiche Spezialitäten von der Decke. Dazu dürften dann die vielen Rohwürste zählen, durch die sich die Metzgerei Hoos einen Namen gemacht hat. „In diesem Bereich sind wir sehr gut aufgestellt“, weiß der Inhaber. „Wir bieten knapp 20 verschiedene Würstchensorten an.“ Das hänge auch mit den internationalen Kunden zusammen. Sie schaffen eine spezielle Nachfrage, der er sich angepasst habe. Beispielsweise stellt er in seiner Wölfersheimer Produktionsstätte eine argentinische Chorizo her. Oder eine Kolbász, die osteuropäischen Kunden schmeckt.
Auch sonst verkauft er vieles, was in anderen Metzgereien nicht (mehr) über die Theke geht. Hoos’ breite Auswahl an Innereien ist ein gutes Beispiel dafür. Wild und Lamm will er das ganze Jahr über anbieten, Schwein, Rind und Kalb hält er ohnehin ständig vor. „Unsere Kunden sollen das Gefühl haben, dass wir von Ursprung und Qualität eine Metzgerei sind, wie es sie vor 50 Jahren gab“, wünscht sich Hoos. Damals hätte er vermutlich noch selbst geschlachtet. Heute bezieht er sein Fleisch von zwei bis drei langjährigen Lieferanten. 95 Prozent seines Angebots stammen aus eigener Produktion. Das alles verkauft er in der Altstadt von Frankfurt an einem Stand, dessen Rückwand mit dem neuen Logo gebrandet ist: einem schwarzen Bullen auf weißem Grund.

Das könnte Sie auch interessieren
stats