Metzgerei-Neugründung Viel Flair fürs Fleisch

Donnerstag, 21. März 2019
David und Sebastian Friedrichs legen Wert auf Ökologie und Nachhaltigkeit – sowohl bei den verarbeiteten Tieren als auch bei der Auswahl der neuen Ladentechnik.
Foto: rh
David und Sebastian Friedrichs legen Wert auf Ökologie und Nachhaltigkeit – sowohl bei den verarbeiteten Tieren als auch bei der Auswahl der neuen Ladentechnik.

Die Brüder Sebastian und David Friedrichs gründen in Köln-Sülz einen neuen fleischerhandwerklichen Betrieb. Eigene Rinderzucht vor den Toren der Stadt.

Allen Unkenrufen zum Trotz: Es lohnt sich auch heute noch, in einer passablen Wohngegend ein neues Fleischer-Fachgeschäft zu etablieren. Den besten Beweis dafür tritt die aus dem Bergischen Land stammende Familie Friedrichs in der nächstgelegenen Großstadt an. Sie sorgte in der Domstadt Köln dafür, dass nach nunmehr zehn Jahren erstmals wieder eine neue Metzgerei gegründet wurde.

Ihre Schlachttiere ziehen Christoph Friedrichs und seine Söhne Sebastian und David im Bergischen Land auf ihrem eigenen Hof in Niederasbach groß. Der Betrieb wird vom Vater, der gelernter Metzger ist, in dritter Generation geführt. Der Weg zum Schlachthof ist mit zehn Kilometern Entfernung kurz. Dort hängt das Fleisch nach der Schlachtung einen Tag ab, wird dann zurück in die Niederasbacher Wurstküche gebracht und dort weiterverarbeitet.

Der Ende letzten Jahres gegründete neue Verkaufsstandort liegt im Kölner Stadtteil Sülz. Die Kundschaft der Friedrichs‘ besteht aus jungen Familien und – aufgrund der Nähe zur Universität – aus zahlreichen Studenten. Somit geht es um eine Klientel, die sich bewusst ernährt und gesteigerten Wert auf Tierwohl und Nachhaltigkeit legt. „Deshalb sind bei uns Qualität und kompetente Fachberatung gefragt“, heben die Inhaber hervor. Sie haben außerdem herausgefunden, dass sich ihr Fachgeschäft im „kinderreichsten Stadtteil Deutschlands“ befindet.

Da bleibt nichts verborgen: Die Friedrichs’ setzen auf Transparenz und ermöglichen ihren Kunden direkte Sicht in ihre Kühl- und Vorbereitungsräume.
Foto: rh
Da bleibt nichts verborgen: Die Friedrichs’ setzen auf Transparenz und ermöglichen ihren Kunden direkte Sicht in ihre Kühl- und Vorbereitungsräume.
Die Familie kaufte das Gebäude in Sülz vor drei Jahren bereits mit dem Plan, dort eine Verkaufsstelle für die bislang vorwiegend auf ihrem Hof vermarkteten Produkte aufzubauen. „Ursprünglich gab es in den Räumen im Erdgeschoss sogar schon mal eine Fleischerei“, erklären Sebastian und David Friedrichs mit einem kurzen Blick auf die Geschichte des Hauses. Gemeinsam mit ihrem Vater Christoph passten sie Laden und Vorbereitungsräume durch die Umbaumaßnahmen an die aktuellen Ansprüche an. Für die zuständigen Ämter war die Planung einer neuen Fleischerei in dem Wohngebiet zum großen Teil Neuland, denn die letzte Neueröffnung eines handwerklichen Fachgeschäfts in der Domstadt liegt immerhin zehn Jahre zurück.

Einschließlich der teilweise verglasten und damit transparenten Kühlräume, dem Lager und den Vorbereitungsräumen stehen im Erdgeschoss 98 qm zur Verfügung. Mit 3,60 Meter Breite ist die Kühltheke zwar nicht gerade üppig bemessen, aber lang und tief genug, um das Sortiment appetitlich in Szene zu setzen. Das Fleisch wird in der Thekenmitte platziert. Rechts und links wird es flankiert von rund 55 Fleischwarenvarianten, die zum überwiegenden Teil aus der eigenen Herstellung stammen.

Wer einen Blick auf die Reifung der Fleischteilstücke der extensiv aufgezogenen Charolais- und Limousin-Rinder werfen will, kann dies durch eine Glasscheibe tun. Sie macht das sieben Quadratmeter messende Kühlhaus am hinteren Teil des Geschäftslokals transparent. Auch die grob zerlegten Teilstücke vom Schwein können – an der Rohrbahn hängend – von den Kunden begutachtet werden.
„Das Ambiente unseres Verzehrbereichs wird durch das unverputzte Ziegelwerk charakterisiert. Die Großstadt lassen wir draußen.“
David und Sebastian Friedrichs, Gründer
Ebenfalls hinter Glas wird in der Vorbereitungsküche gewerkelt. Auf dem Speiseplan stehen mittags jeweils zwei verschiedene Gerichte. Besonders beliebt sind die Eintöpfe – deftig und kräftig nach Omas Rezepten. Bergische Gemüsesuppe oder Sauerkrauteintopf mit Mettwursteinlage, Kartoffel-Möhrengemüse mit Frikadellen oder auch Pulled Pork Burger zählen zu den Bestsellern. Ein Kombidämpfer mit Automatik-Programm nimmt dem Verkaufsteam einen großen Teil der Arbeit ab. Schließlich steht der Kundenkontakt erklärtermaßen im Mittelpunkt des Konzepts.

Sogar eine vergleichsweise groß dimensionierte Kaffeemaschine steht im Laden zur Verfügung. Heißgetränke werden den ganzen Tag über nachgefragt. Die Friedrichs’ beziehen ihre frisch gerösteten Kaffeebohnen von einer kleinen Rösterei in Frechen.

Eine Alternative zu Mineralwasser und Limonaden bilden Streuobst-Schorle, ein Malzbier aus Bielstein und alkoholfreies Bier aus einer kleinen bergischen Brauerei. Auch zum nächsten Winzer ist es nicht weit. Dessen Produkte können sowohl vor Ort getrunken als auch flaschenweise mit nach Hause genommen werden. Das möglichst ursprüngliche und deftige Sortiment wurde bewusst gewählt, und mit der Optik der Wände und der Ausstattung mit rustikalen Sitzbänken und bequemen Stühlen unterstrichen. Wer hier sein Mittagessen verzehren möchte, findet reichlich Platz und die nötige Ruhe dazu. „Das Ambiente unseres Verzehrbereichs wird durch das unverputzte Ziegelwerk charakterisiert. Die Großstadt lassen wir draußen“, betonen die beiden Brüder.
Blick in den Verkaufsraum.
Foto: rh
Blick in den Verkaufsraum.
Der eigene, unverkennbar rustikale Stil zieht sich durch alle Räume. Besonders der Verkaufsbereich signalisiert durch den sparsamen Umgang mit Farben und Dekorationsmaterial, dass ein Brückenschlag zwischen kleinbäuerlicher Erzeugung und handwerklicher Wurstmacherkunst angestrebt wird. Lediglich das Kühlaggregat im Keller wurde von einem Ladenbau-Spezialisten montiert. Die Sitz- und Verkaufsmöbel sind zum größten Teil von David Friedrichs selbst geschreinert. Er ist gelernter Zimmermann, sein Bruder bringt Expertise im Bereich Medien und Kommunikation in den Familienbetrieb ein.

Zum minimalistisch anmutenden Design passt der Schieferboden perfekt. Auch er wurde bewusst gewählt, denn ausschließlich die präsentierten Produkte sollen die Hauptrolle in der Inszenierung spielen. Bei der Installation der neuen Stromversorgung legten die Friedrichs’ besonderen Wert auf Ökologie. Ganz unauffällig, aber optisch wirksam setzen sie nun LED-Technologie ein.

Ergänzt wird das Marketingkonzept durch ein weithin sichtbares und sehr prägnantes Logo. Der stilisierte, gelbe Stierkopf wurde auf grünem Hintergrund platziert. Vor allem in den Sommermonaten, wenn die neue Markise ausgefahren wird, genügt ein flüchtiges Hinsehen, um die Fleischerei in der Häuserzeile auf Anhieb zu erkennen. 

Weblink zur Metzgerei.

Der Betrieb in Kürze

Gründung: 2018 – nach zehn Jahren die erste neu gegründete Metzgerei Kölns

Inhaber: Christoph (57), David (35) und Sebastian Friedrichs (37)

Standort: Köln-Sülz; das „Veedel“ zählt zu den kinderreichsten Stadtteilen Deutschlands

Gebäude: Familieneigentum

Ein „Rezeptbuch“ für Gründung und Nachfolge finden Sie in unserem „Handbuch für Macher“.

Das könnte Sie auch interessieren
stats