Onlinehandel Besser klein anfangen

Freitag, 15. März 2019
Kühlboxen kommen für den Web-Shop der Metzgerei Ullrich nicht in Frage: Die Dosen und Gläser verpackt die Inhaberin in einen Karton und versendet sie an die Kunden.
Foto: jur
Kühlboxen kommen für den Web-Shop der Metzgerei Ullrich nicht in Frage: Die Dosen und Gläser verpackt die Inhaberin in einen Karton und versendet sie an die Kunden.

Die Fleischerei Ullrich startete mit einem Online-Shop. Dass dieser weder kompliziert noch teuer sein muss und trotzdem gut bei den Kunden ankommt, beweist die Inhaberin mit ihrem für Einsteiger freundlichen Konzept.
Manche sagen, dass man für einen Online-Shop 5.000 bis 10.000 Euro investieren muss“, so Bianca Ullrich, Inhaberin der gleichnamigen Metzgerei in Neustadt an der Aisch. Dass diese Aussage nicht stimmen muss, beweist die Fleischerin mit ihrem neuen Shop-System.

Schon im Jahr 2016 spielte Bianca Ullrich gemeinsam mit der freiberuflichen Webdesignerin Uta Unkel mit dem Gedanken, einen Web-Shop einzurichten. Für die Webseite nutzt die Metzgerei nun Jimdo. Der Service erlaubt es, entweder einen Blog oder einen Online-Shop zu integrieren. In der kostenfreien Variante ist dieser auf fünf Artikel beschränkt. Zudem wird Werbung eingeblendet.

Jimdo bietet zwei kostenpflichtige Versionen: Creator und Dolphin. Erstere ist ein Webseiten-Baukasten, bei dem die Seite weitgehend selbstgestaltet werden kann. Dolphin dagegen arbeitet mit einer Künstlichen Intelligenz und baut die Seite nach einigen Fragen selbst zusammen. Die Metzgerei Ullrich nutzt Jimdo Creator. Unkel: „Das Programm ist flexibel. Auch nachdem die Webseite gebaut ist, kann man das Logo und die Farben individuell anpassen.“ Bei dieser Version ist ein Shop mit bis zu 15 Produkten inklusive. Nur 80 Euro kostet sie jährlich. So spart die Fleischerei auch einen teuren Programmierer. „So etwas bekommt man nicht unter 2.000 Euro“, weiß die Webdesignerin. „Den Online-Shop haben wir komplett in Eigenregie erstellt“, berichtet die Metzgermeisterin stolz. Auch die Fotos der Produkte schoss sie selbst. „Ich wollte klein anfangen und schauen, wie es läuft.“

14 Produkte in den Kategorien „Wurst“,“ Suppen“ und „Warme Gerichte“ zeigt der Shop zur Bestellung an: darunter Gulaschsuppe, verschiedenes Gehäck und Sauerbraten. Keins der in Konserven und Gläsern verpackten Produkte bedarf einer Kühlung. „Ich will auf gekühlte Ware für den Online-Shop verzichten“, erklärt Bianca Ullrich. „Der Aufwand ist groß und die Kühl-Akkus, die man braucht, sind sehr umweltschädlich. So nehmen wir nur einen Karton, füllen ihn mit den Dosen und Gläsern und versenden ihn.“ Sie versucht auch im Hauptgeschäft und der Filiale im Lebensmittel-Discounter Norma, auf die Umwelt zu achten. „Dass Kunden ihre Mehrwegdosen mitbringen und bei uns befüllen lassen können, funktioniert schon lange“, betont Ullrich. Auch auf Plastiktaschen verzichtet die Inhaberin.
„Den Online-Shop haben wir komplett in Eigenregie erstellt. “
Bianca Ullrich
Kunden hatten auch schon vor dem Online-Shop die Möglichkeit, die Waren nach Hause geschickt zu bekommen. Sie konnten das Kontaktformular auf der Webseite mit dem Bestellwunsch ausfüllen und Bianca Ullrich packte die Produkte ins Paket. „Manche haben aber auch einfach angerufen“, erzählt die Chefin. Mit dem integrierten Shop-System erleichtert sie jetzt den Kunden die Bestellung.

Die digitale Filiale ging Mitte Dezember des letzten Jahres online. „Mit Anzeigen haben wir den Shop nicht beworben. Trotzdem ging gleich am ersten Tag eine Bestellung ein“, berichtet Ullrich. Sie empfiehlt den Shop in ihrem Geschäft: „Wenn mir ein Kunde an der Ladentheke sagt, dass er einen weiten Weg auf sich genommen hat um zu mir in die Fleischerei zu kommen, sage ich ihm, dass er auch online bestellen kann.“ Uta Unkel pflegt für sie den Internetauftritt auf Facebook und Instagram. Hier verkündete die Webexpertin im Dezember, dass der Online-Shop fertig sei und motivierte die Follower, mal reinzuschauen.

Um den Versand der Pakete kümmert sich die Inhaberin selbst. „Es gehen circa fünf Bestellungen pro Woche bei uns ein“, weiß Ullrich. „Am häufigsten bestellen die Kunden zu Beginn der Woche.“

Inhaber: Peter Ullrich und Bianca Ullrich

Standort: Hauptgeschäft und Filiale in Neustadt an der Aisch

Gründungsjahr: 1952

Mitarbeiter: 35 bis 40 (davon circa 20 im Verkauf)

Produkte: Das Angebot ist regional geprägt; Dauerbrenner sind Brat- und Stadtwurst

Das Fleisch stammt aus eigener Schlachtung; Bezug von Schlachtvieh überwiegend aus Franken

Die Preise für die Dosen musste sie vor kurzem leicht erhöhen. „Der Versand hätte sich sonst nicht mehr gelohnt.“ Als Pauschale für die Sendung hat sie sechs Euro ausgerechnet. „Pakete unter einem Kilo kosten vier Euro. Das Gewicht hat man mit den Dosen und Gläsern schnell überschritten“, erklärt Ullrich weiter. Danach würde es teurer. Sechs Euro seien für sie ein guter Mittelwert. „Man muss schauen, dass man für sich selbst den richtigen Weg findet“, appelliert Ullrich. Bezahlen können die Kunden über Paypal oder Vorkasse, wobei Paypal am häufigsten genutzt werde.

„Den Shop haben wir jetzt erst einmal semi-professionell erstellt“, resümiert die Inhaberin. „Schön wäre es, wenn bald doppelt so viel bestellt wird.“ Es hätte sich aber schon jetzt gelohnt, da nun keine Kosten mehr anfallen.

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Ziel der Metzgerei ist es, die regionalen Produkte über einen Frankenshop zu vermarkten. Die Meisterin plant, dass Gehäck dort anzubieten. Bianca Ullrich: „Ich habe schon Kontakt mit Franken-Shops aufgenommen und Dosen zum Probieren dorthin geschickt. Wir möchten hier auch Geschenkkörbe online anbieten.“
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