Onlinehandel Premium-Fleisch via DHL

Freitag, 23. März 2018
Erfolgreiche Gründer: Mit „Jäger und Sammler“ setzten Florian Stocker (links) und Lars Tinnap eine Sommer-Sonnen-Freizeit-Idee in ein zukunftsfähiges Geschäftskonzept um.
Foto: Florian Huber
Erfolgreiche Gründer: Mit „Jäger und Sammler“ setzten Florian Stocker (links) und Lars Tinnap eine Sommer-Sonnen-Freizeit-Idee in ein zukunftsfähiges Geschäftskonzept um.

Der Versand frischer Lebensmittel wird immer beliebter. Metzgermeister Florian Stocker nutzt zusammen mit seinem Geschäftspartner Lars Tinnap diesen Trend.

von Roland Ried

Angefangen hat es mit einer Sommer-Sonnen-Freizeit-Idee. Als Metzgermeister Florian Stocker im Juli 2014 zusammen mit seinem Freund Lars Tinnap einen gemütlichen Nachmittag am Eisbach im Englischen Garten in München verbrachte, kamen die beiden ins Plaudern.

Das Thema war das Image des Metzgerhandwerks. Die Beiden überlegten, was man tun kann, um es vor allem bei der jüngeren Generation zu verbessern. Lars Tinnap, der als Wirtschaftsingenieur in der Softwarebranche arbeitet, hatte die Idee, eine App zu programmieren – um damit das Bestellen von handwerklich hochwertigem Fleisch online möglich zu machen.

Ein halbes Jahr später startete im Januar 2015 „Jäger und Sammler“ als App und Internetseite. Heute, gut drei Jahre später, überlegen die beiden Firmengründer, wann sie für ihre Jaesa GmbH den ersten festen Mitarbeiter einstellen.

Bis jetzt wickelten Stocker und Tinnap ihren Online-Fleischversand zusätzlich zu ihren „Haupt-Jobs“ ab. Doch so langsam wird das Geschäftsvolumen für eine Betreuung nebenbei zu groß. Dabei gibt es eine klare Aufgabentrennung. Der 32-jährige Lars Tinnap, hauptberuflich als Account-Manager bei einem großen Softwarehersteller tätig, kümmert sich um Buchhaltung und Marketing, das vorwiegend über den Facebook-Auftritt von „Jäger und Sammler“ und andere digitale Kanäle läuft.

Florian Stocker (links) und Lars Tinnap.
Foto: Florian Huber
Florian Stocker (links) und Lars Tinnap.
Für das Fleischer-Fachliche ist Florian Stocker zuständig. Er und sein Freund kennen sich schon seit der Kindheit, als beide gemeinsam mit dem Eishockeyspielen beim ERSC Ottobrunn angefingen. Heute fungiert der 30-jährige Oberbayer in der familieneigenen Metzgerei Stocker in Hohenbrunn bei München als Juniorchef und „Mädchen für alles“. Nachdem er von 2008 bis 2010 seine Lehre bei der Metzgerei Bauch in München absolviert hatte, legte er bereits ein Jahr später an der Fleischerschule Augsburg die Meisterprüfung ab. Seit 2013 arbeitet er im Familienbetrieb, den sein Vater Robert Stocker 1994 gründete und der aktuell vier Filialen im südöstlichen Umland von München umfasst. 

Der Senior-Chef unterstützt dabei das „Jäger und Sammler“-Projekt seines Sohns „zu hundert Prozent“. Mit seiner Einkaufspolitik hat Robert Stocker zudem auch die Basis dafür gelegt. „Schon nach der BSE-Krise im Jahr 2000 orientierten wir uns um und begannen mit dem Ausbau unseres Bio-Sortiments“, berichtet er und führt diese Linie bis heute konsequent weiter. Aktuell verkaufen die Stockers fast zu drei Viertel Bio-Fleisch aus Freilandhaltung. „Das ist eine Stärke, für die unsere Kunden uns besonders schätzen“, betont Stocker und fügt an: „Wir machen auch gute Wurst, keine Frage. Aber im ganzen Münchner Südosten sind wir für unser exzellentes Fleisch bekannt.“

Eine der wichtigsten Aufgaben war es, ein belastbares Lieferantennetz aufzubauen. Der Hauptlieferweg führt über die Alpenrind GmbH in Salzburg und die Sonnberg Biofleisch GmbH zu Bio-Landwirten im Salzburger Land. Auf diesem Fundament baut die Philosophie von „Jäger und Sammler“ auf, die Lars Tinnap so beschreibt: „Wir verschicken frisches und hochwertiges Fleisch.“ Dabei bedeutet „frisch“, dass das Fleisch bereits einen Reifungsprozess hinter sich hat. Aber das ist nicht alles: Weitere Kriterien sind biologische Erzeugung und Freilandhaltung, denn „die Tiere sollen auch etwas vom Leben gehabt haben“.

Dass sie damit auf eine zahlungskräftige Kundschaft abzielen, war den beiden Start-Up-Gründern vor drei Jahren klar. „Dennoch hatten wir uns verschätzt“, bekennt Florian Stocker. Er und sein Geschäftspartner hatten eher mit jungen, genussorientierten Singles gerechnet. „Aber zu 90 Prozent gehören jetzt junge Familien, die sich bewusst ernähren wollen, zu unserem Kundenkreis“, ergänzt Tinnap.

Ohnehin hat sich das Konzept von „Jäger und Sammler“ im Lauf der ersten drei Jahre spürbar verändert. „Gestartet haben wir als Lieferdienst für München und Umgebung“, resümiert Tinnap, der mit seinem Pkw die Auslieferung übernahm. Das ging etwa zwei Jahre lang gut. Danach kannte er zwar „alle Straßen in München auswendig“, aber das Aufkommen war im drangvollen Münchner Berufsverkehr nicht mehr zeitgerecht zu bewältigen.

Seit einem knappen Jahr wickeln die Partner die Lieferungen über DHL GoGreen ab. Bei dem speziellen Service verspricht die Post-Tochter DHL eine CO2-neutrale Lieferung. Dadurch dehnte „Jäger und Sammler“ seinen Lieferradius auf das gesamte Bundesgebiet aus. „Unsere Pakete müssen bis spätestens 17Uhr im nur 250 Meter entfernten DHL-Shop angeliefert werden“, erklärt Stocker.
Das Bio-Premiumpaket enthält 2,4 kg der besten Fleischstücke von Tieren aus Freilandhaltung: Onglet, Flank-Steak, Kalbsschnitzel, Hähnchenbrust, Rinder- und Schweinefilet sowie Ochsenbacken.
Foto: Florian Huber
Das Bio-Premiumpaket enthält 2,4 kg der besten Fleischstücke von Tieren aus Freilandhaltung: Onglet, Flank-Steak, Kalbsschnitzel, Hähnchenbrust, Rinder- und Schweinefilet sowie Ochsenbacken.
Das heißt: Wer wochentags – samstags und sonntags wird nicht verschickt – bis 14 Uhr bestellt, erhält sein Paket im Bereich Süd- und Mitteldeutschland am nächsten Tag. Sendungen in den Norden und Osten der Republik dauern in der Regel zwei Tage. Am späten Nachmittag beginnt Florian Stockers Arbeit: Er wählt das gereifte Fleisch aus, schneidet es portionsgerecht zu und vakuumiert es. Fürs weitere Verpacken und Kommissionieren verwendet er handelsübliche Kartons, Hanfmatten und flexible Kühl-Akkus.

Im Online-Shop haben die Kunden die Wahl unter Rind, Schwein, Kalb, Lamm, Hähnchen und Pute. Die Preisspanne reicht von 2,49 Euro für 100 Gramm Rinder-Zwerchrippe bis zu 7,99 Euro für 100 Gramm Lammkronen. Das beliebte gemischte Grillpaket mit rund 1,2 kg Rind- und Schweinefleisch kostet 39,99 Euro. Der Durchschnittswert pro Bestellung beträgt laut Tinnap derzeit rund 32 Euro (ohne Versandkosten).
„Zunächst mal wollen wir wachsen, wachsen, wachsen und so groß werden, wie es geht.“
Florian Stocker und Lars Tinnap
Durch die Versandumstellung wurde das Handling einfacher, und die Zahl der Bestellungen stieg durch das erweiterte Liefergebiet spürbar. Je nach Saison gehen täglich zwischen fünf und zehn Bestellungen ein; damit ist noch reichlich Luft nach oben. Folgerichtig gibt Florian Stocker als Ziel an: „Zunächst mal wollen wir wachsen, wachsen, wachsen und so groß werden, wie es geht.“

Wo die Grenze dafür liegt, hängt von den möglichen Lieferkapazitäten und dem Bio-Fleisch-Angebot ab, das bei einem angemessenen Einkaufspreis die Qualitätsanforderungen von „Jäger und Sammler“ erfüllen muss. Solange diese beiden Grenzen nicht erreicht sind, will „Jäger und Sammler“ weiter dafür sorgen, „dass bundesweit jeder, der es will und es sich leisten kann, hochwertiges und frisches Bio-Fleisch aus Freilandhaltung genießen kann“, formuliert Stocker selbstbewusst.

Weblink Jäger & Sammler

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