Rohstoff Versand vom Land bis in die Stadt

Freitag, 11. Januar 2019
Bei den Rindern achten die Jungunternehmer auf robuste Rassen.
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Bei den Rindern achten die Jungunternehmer auf robuste Rassen.

Das Start-up GreenOx in der hessischen Wetterau bietet frisches Fleisch im Internet an. Die Kunden schätzen das Fleisch aus der Heimat und den Öko-Gedanken von der Aufzucht bis zum Versand. Dafür bezahlen sie auch rund 25 Prozent mehr als beim Metzger.
von Andrea Möller

Feinstes Weidefleisch aus Deutschland“ lautet der Slogan von GreenOx, einem Mitte 2016 in Bad Nauheim gegründeten Start-up. Hinter diesem Unternehmen, das sein Sortiment im Internet anbietet, stecken Arlena Homola (26) und Jannick Scheibner (27). Sie hat einen Abschluss als Agrarwissenschaftlerin, er ist studierter Wirtschaftswissenschaftler.

Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit hat sich das Paar einen lang gehegten Traum erfüllt. „Wir wollten schon immer unsere eigenen Chefs sein.“ Als Inhaber von GreenOx verkaufen sie Fleisch von Tieren, die ausschließlich in Deutschland aufwachsen.

Derzeit arbeiten sie mit Betrieben in drei Regionen zusammen: „Neben Mittelhessen gehören Baden-Württemberg Richtung Hohenlohe und die Ecke südliches Schleswig-Holstein/nördliches Niedersachsen dazu“, so Scheibner. Er und Homola wollten den Kunden heimische Qualität wieder näherbringen – ihnen zeigen, dass es auch in Deutschland gute Erzeuger gibt.

Was die beiden darunter verstehen? Die Zusammenarbeit mit Landwirten, die auf Weidehaltung setzen und dafür sorgen, dass Rinder und Co. drei Viertel des Jahres draußen leben. In den Ställen, die sie im Winter beherbergen, erwarten die Tiere große Strohlaufflächen. „Außerdem erhalten sie weder Mastfutter noch werden sie mit Hormonen behandelt“, sagt Homola. Hinzu kommt, dass die Jungunternehmer großen Wert auf robuste Rassen legen. Bei den Rindern etwa handelt sich um Angus, Hereford, Simmentaler, Gelbvieh und Shorthorn. Die Tiere leben 24 bis 30 Monate, bevor ihr letztes Stündlein schlägt. „Um die Transportwege so kurz wie möglich zu halten, kooperieren wir mit Schlacht- und Zerlegebetrieben in der jeweiligen Region“, so Scheibner.
  • Arlena Homola und Jannick Scheibner halten eine kleine Schafherde bei Ober-Mörlen.
    Arlena Homola und Jannick Scheibner halten eine kleine Schafherde bei Ober-Mörlen. (Bild: asm)
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  • GreenOx setzt auf Freilandhaltung.
    GreenOx setzt auf Freilandhaltung. (Bild: asm)
  • Bei den Rindern achten die Jungunternehmer auf robuste Rassen.
    Bei den Rindern achten die Jungunternehmer auf robuste Rassen. (Bild: asm)
  • Das Start-up legt großen Wert auf eine nachhaltige Verpackung für den Versand.
    Das Start-up legt großen Wert auf eine nachhaltige Verpackung für den Versand. (Bild: asm)
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  • Arlena Homola und Jannick Scheibner
    Arlena Homola und Jannick Scheibner (Bild: asm)
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Ihr Sortiment umfasst Weiderind, -lamm und -schwein, Freilandhähnchen und saisonale Angebote wie Reh, Hirsch und Wildschwein. Letztere werden auf der Ansitzjagd erlegt. „Wir unterstützen keine Treibjagd. Wie bei jeder Tierart achten wir auch beim Wild auf Natürlichkeit, Nachhaltigkeit und stressfreie Schlachtung“, betont Homola. Zudem haben sie und Scheibner ihre Palette dieses Jahr erstmals um Freilandgänse und Flugenten erweitert.

Grundsätzlich nehmen sie den Landwirten ganze Tiere ab. Bei deren Verarbeitung orientieren sie sich an der amerikanischen Schnittführung. „Die Amis machen sehr viele Zuschnitte zu Steaks“, weiß Scheibner. „Die Kunden lieben diese Cuts.“ Das Bürgermeisterstück sei ein gutes Beispiel dafür. Wenn man das ordnungsgemäß gegen die Fasern schneide, erhalte man wunderbare Steaks. Nach Innereien und Markknochen besteht ebenfalls Nachfrage. Gemäß ihrem Nose-to-tail-Konzept haben die Betreiber von GreenOx auch für Sehnenabschnitte einen Käufer gefunden: einen Hundefutterhersteller.
„Bereits auf den Rinderfarmen in Down Under haben wir uns überlegt, wie wir daraus ein Geschäftsmodell entwickeln könnten. “
Arlena Homola
Dass ihr Start-up auf deutschen Weidetieren basiert, hängt mit einem Nebenjob in Scheibners Schulzeit zusammen. Damals besserte er sein Taschengeld als Küchenhilfe in der Gastronomie auf und bemerkte, dass lediglich amerikanisches oder argentinisches Fleisch in der Pfanne landete. „Die Köche hatten keine Möglichkeit, vergleichbare Qualität aus Deutschland zu beziehen. Das machte mich ziemlich nachdenklich“, erinnert sich Scheibner. Nach dem Abitur – er und Homola waren inzwischen ein Paar – reisten sie gemeinsam ins Ausland, um etwa in Australien auf Rinderfarmen zu arbeiten. Dort lernten sie, wie Tiere aufwachsen müssen, damit sie hochwertiges Fleisch liefern. „Bereits in Down Under haben wir uns überlegt, wie wir daraus ein Geschäftsmodell entwickeln könnten“, erzählt Homola.

Zurück in der Heimat begannen sie, das geplante Unternehmen finanziell auf die Beine zu stellen. Familie und Freunde waren ihnen dabei eine große Hilfe. Um den Kapitalbedarf möglichst gering zu halten, realisierten sie ihren ersten Online-Shop in Eigenregie. Jetzt fehlten nur noch Landwirte, die sie mit Fleisch in der gewünschten Qualität versorgten. Eine Internet-Recherche ergab, dass in Frage kommende Betriebe in der näheren Umgebung liegen sollten.

Um sich von der ökologischen Tierhaltung zu überzeugen, besuchten sie die Bauern persönlich. „Diese reagierten auf unsere Idee, Fleisch online anzubieten, zunächst etwas skeptisch“, so Scheibner. „Als wir die ersten Bestellungen verschickt hatten, waren sie allerdings genauso begeistert wie wir.“ Zumal die Jungunternehmer mehrere Landwirte, die „mitten im Nirgendwo“ saßen, mit Kunden in den Städten zusammenbrachten.

Natürlich nachhaltig

Unternehmen: Aria Food GmbH, Bad Nauheim

Online-Shop: seit 2016 läuft die Vermarktung unter „GreenOx – Feinstes Weidefleisch aus Deutschland“

Offline-Stores: GreenOx Werksverkauf in Echzell (nur samstags), „Weinkostladen“ in Bad Nauheim

Sortiment: Weiderind, Weideschwein, Weidelamm, Freilandgeflügel sowie Wild
Für einen schwungvollen Internet-Handel braucht es auch die entsprechende Social-Media-Präsenz. „Wir haben Seiten auf Facebook und Instagram angelegt und uns darum gekümmert, dass wir Follower bekommen, die uns weiterempfehlen“, sagt Homola. Dann berichteten die ersten Zeitungen über ihr Start-up, was den Kundenkreis ebenfalls vergrößerte. Mit den Produkten beliefern lassen sich viele junge Familien. Denn gerade diese Generation wünscht sich, dass ihr Fleisch von artgerecht lebenden Tieren stammt. Dafür nehmen sie den knapp 25-prozentigen Preisaufschlag, der im Vergleich mit herkömmlichen Metzgereien anfällt, gern in Kauf.

Nachhaltigkeit spielt übrigens auch bei der Verpackung eine wichtige Rolle. „Wir verwenden ökologische Kühlboxen“, erklärt Scheibner. „Von der Umverpackung aus recycelbarer Pappe über Isolationsmittel aus gepresstem Stroh bis hin zu Kühlakkus, die mit salzhaltigem Wasser gefüllt sind.“ Damit die Bestellungen rasch bei den Kunden landen, werden sie mit einem bundesweit tätigen Express-Service verschickt.

Die durchschnittlich fünf bis sechs Kilogramm schweren Pakete gehen Donnerstags- und Freitagsnachmittags auf die Reise und erreichen am folgenden Tag zwischen acht und zwölf Uhr das gewünschte Ziel. Seit Ende 2018 lassen sich so auch die neuen Snack-Salamis kaufen. Sie sind nur jeweils 25 Gramm schwer und kommen im Doppelpack. Scheibner: „Damit können wir die Tiere noch besser verwerten.“
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