Anuga: Der Appetit der Welt belebt das intern...
Anuga

Der Appetit der Welt belebt das internationale Geschäft

FRANKFURT Wenn das Areal der Koelnmesse in wenigen Tagen zum Treffpunkt der internationalen Ernährungswirtschaft wird, geht es ums Geld verdienen und damit um wirtschaftliche Perspektiven. Und die liegen nicht immer zwangsläufig im Heimatmarkt.

Während für die Automobilwirtschaft und für den Maschinenbau die Lieferungen ihrer Fahrzeuge und Automationslösungen ins Ausland von Normalität geprägt sind, gilt das mitnichten für die Ernährungswirtschaft. In Teilen von Gesellschaft, NGOs und Politik wird der Export immer wieder in Frage gestellt. Sowohl die Debatte um Umweltschutz als auch das Schnüren von Klimapaketen rütteln auch am Sinn des Freihandels.


Der Austausch von Waren rund um den Globus hat Geschichte und kann sicher dennoch hinterfragt werden. Dabei ist nicht zu vergessen, dass es seit jeher eine Arbeitsteilung gab. Beispielsweise werden Schinken nicht unbedingt dort produziert, wo Landwirte ihre Schweine halten. So werden Futtermittel in Europas Häfen angelandet, weil die Flächen hierzulande anders bewirtschaftet werden oder bestimmte Pflanzenarten auf dem Kontinent nicht gedeihen oder nicht ausreichend zur Verfügung stehen.

Ähnlich verhält es sich mit vielen Spezialitäten, deren Verfügbarkeit eine Bereicherung ist – wenn man an die Gaumenfreuden denkt. Die Anuga ist eine Schaubühne, die neben einem Leib- und Magen-Sortiment vor allem Delikatessen präsentiert. Damit bietet die Leistungsschau auch immer eine Nische für Spezialisten aus aller Welt. Davon profitieren neben Händlern insbesondere Fachgeschäfte, die auf der Suche nach Premiumware sind und ihr Profil als Genusshandwerker schärfen möchten. Und in Asien gibt es Appetit auf Öhrchen, Rüssel, Pfötchen und Ringelschwänzchen, die hier nicht zu vermarkten sind und in Übersee hochgeschätzt sind. Überdies steigt dort der Bedarf an Bäuchen, Schinken, Schultern und Lachsen.

Zurück zu globalen Warenströmen: Kein Wunder also, dass nach Danish Crown nun auch Tönnies in China aktiv wird. Zu bestehenden Lieferkontrakten werden die Geschäftsverbindungen durch Joint Ventures in der Volksrepublik ausgebaut. Ziel ist die Produktion vor Ort. Das spart Ressourcen – von der Erzeugung bis zur Vermarktung hierzulande. Obendrein entfällt der Transport.
Der Antrieb hinter diesen Strategien ist eindeutig: Die Fleischkonzerne stellen sich zukunftssicher auf. Ein Grund für diese Expansionspläne liegt in (natürlichen) Wachstumsgrenzen. In Europa entwickelt sich der Pro-Kopf-Konsum von Schweinefleisch rückläufig. Ab dem Jahr 2000 sank er von 32,4 Kilogramm auf 30,8 Kilo im Jahr 2017. Stattdessen wächst der Verzehr in den Wachstumsregionen Asiens. Geschäfte werden dort gemacht, wo auch Bedarf besteht.

Insofern ist der Ausbau von internationalen Divisionen durchaus nachvollziehbar, denn Wachstum ist eine Grundvoraussetzung zur Existenzsicherung. Für die großen Unternehmen der Fleischwirtschaft ergeben sich viele Chancen außerhalb Europas. Allerdings müssen die Betriebe auch hiesige Standards in Sachen Menschen- und Tierwohl mit exportieren. Alles andere verbietet sich und schafft Potenzial für Hetzkampagnen, wie sie aus der Textilindustrie bekannt sind.Zurück an den Rhein. Wir freuen uns auf die Anuga als globalen Hotspot. Nutzen Sie die Veranstaltung, denn sie rückt die wichtigen Themen wie gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit im Herstellungsprozess in den Fokus. Außerdem werden die aktuellen Trends Regionalität und Tierwohl, vegane und vegetarische Fleischalternativen sowie pflanzliche Ersatzprodukte mit Proteinen bedient. Wir sind gespannt. Die relevanten Entwicklungen und wichtigsten Foodtrends finden Sie hier. Dennoch empfehlen wir den persönlichen Besuch, denn aus Erlebnissen wird Erfahrung.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 40/2019
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