Ausblick 2021: Die Ansprüche werden weiter st...
Jörg Schiffeler
Ausblick 2021

Die Ansprüche werden weiter steigen

Dienstag, 05. Januar 2021

FRANKFURT Der Blick in die Glaskugel und auf das, was kommt, fällt schwer. Vielleicht sind Prognosen sogar noch diffiziler geworden, weil gerade die vergangenen zwölf Monate gelehrt haben, dass es am Ende völlig anders kommen kann. Für eine Schlussbilanz 2020 ist es allerdings zu früh. Blicken wir also nach vorn.

Trotz vieler Unwägbarkeiten gibt es Hausaufgaben, die liegengeblieben sind. So bleibt auch nach dem Jahreswechsel der Klimawandel ein Megathema, den wir alle im Portemonnaie spüren werden. Beim Strom wurde die EEG-Umlage angepasst, und die CO2-Bepreisung verteuert den Treibstoff. Bei Neufahrzeugen wird die Kraftfahrzeugsteuer nun nach CO2-Emission pro Kilometer berechnet. Und ich bin sicher, da fällt den Regierenden noch mehr ein. Schließlich hat sich Deutschland Klimaziele gesetzt. Im Wahljahr 2021 wird der Umweltschutz deshalb in der gesellschaftspolitischen Debatte weit oben stehen. Unternehmen agieren vorausschauend, wenn sie eine ressourcenschonende Produktion sowie Maßnahmen zur Energieeinsparung vorantreiben.


Eng mit der Einhaltung von Klimazielen verknüpft sind die Tierhaltung und der Fleischkonsum sowie der globale Warenhandel mit den wertvollen Rohstoffen. Abseits der Ernährungssicherung in der Welt werden Fragen zur Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette ebensowenig verstummen wie zum Tierschutz und zu den Arbeitsbedingungen. Hierzulande kommt durch die Initiative Tierwohl (ITW) Bewegung in den Umbau der Tierhaltung, während die Borchert-Kommission geschätzt wird und die Zukunftskommission Landwirtschaft ihre Arbeit im vergangenen Herbst aufnahm. Politisch berufene Gremien diskutieren eben lange. Die privatwirtschaftlich getragene ITW kann da schneller agieren. So schafft sie es mit der dritten Programmphase, noch mehr Landwirte einzubinden, so dass die Kennzeichnung der Haltungsform nennenswert ausgeweitet werden kann. Ein wichtiger Baustein wird sein, mehr Tierhalter dazu zu bewegen, in „höhere Stufen“ aufzurüsten. Parallel ist die Nutztierhaltung mit der Umweltverträglichkeit besser in Einklang zu bringen als bisher. Ebenfalls im Fokus bleiben werden die Arbeitsbedingungen in der Fleischwirtschaft. Die Werkverträge sind zwar mit Jahresbeginn abgeschafft, doch werden Zweifel – nicht nur von NGOs – die Branche begleiten. Nicht zuletzt durch die Forderung, Leiharbeit zur Abfederung von Produktionsspitzen doch zuzulassen. Wie ernst ist es den Protagonisten mit einem Neuanfang? Ein ins Spiel gebrachter Tarifvertrag muss dringend ohne Vorbehalte und ergebnisoffen diskutiert werden. Das wird für die Gesprächspartner, die Unternehmen und die NGG anstrengend. Einzelne Konzernlösungen sind jedoch zu wenig in einem Wirtschaftssektor, der unter einem Mangel an Fachkräften leidet. Der bundesweite Mindestlohn stieg zum Jahreswechsel auf 9,50 Euro. Über die gerechte Höhe kann man sich gewiss stundenlang ereifern. Aber: Der Handel ist im Wettstreit um Arbeitskräfte eine treibende Kraft. So zahlt beispielsweise der Discounter Lidl einen Einstiegslohn von mindestens 12,50 Euro pro Stunde. 

Nicht nur im Corona-Jahr 2020 beklagt der Fleischsektor einen Rückgang an Ausbildungsverträgen. Hier wird die Hausaufgabe zur Herkulesaufgabe. Wenn der Nachwuchs fehlt, sind die Zukunftsaussichten düster. Dabei sind die beruflichen Chancen riesig, die sich mit einer Ausbildung zur Fleischerin, zum Fleischer, zum Fachverkäufer oder zur Fachverkäuferin eröffnen. Insbesondere in Zeiten, in denen die Kunden nach hochwertigem Fleisch verlangen und wieder mehr Mahlzeiten am heimischen Herd zubereiten. Mit dieser Entwicklung steigt der Beratungsbedarf an der Theke, weshalb Fortbildungen selbstverständlich sein sollten.
2021 werden die Ansprüche von vielen Seiten steigen. Darauf müssen sich die Unternehmen einstellen. Mit einigen Branchenvertreterinnen und -vertretern haben wir über die Herausforderungen, Wünsche und Erwartungen an 2021 gesprochen. Zum Beitrag geht es hier weiter.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 1/2021
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