Ausweg aus der Sackgasse gesucht

Ausweg aus der Sackgasse gesucht

Kommentar von Renate Kühlcke zur Ebermast

Das Eber-Boot ist voll. Diese klare Aussage aus der niederländischen Fleischindustrie von vor fast zwei Jahren bestätigt jetzt ein großer deutscher Eberschlachter. Der heimische Markt und wichtige Exportländer akzeptieren diesen Rohstoff nicht, insbesondere in Südeuropa und Fernost ist der Absatz mühsam.

Ein Tiefschlag für den von vielen favorisierten Ausweg aus der betäubungslosen Ferkelkastration, die ab 2019 verboten ist. Die Mast von Jungebern galt als die tiergerechteste Alternative. Viele Projekte laufen, um den Einfluss von Haltungsbedingungen und Fütterung, Genetik, Rasse, Alter oder Schlachtgewichte und Möglichkeiten zur Reduzierung von Geruchsabweichungen und Qualitätsminderungen zu untersuchen. Auch die Tatsache, dass bestimmte Technologien helfen, den unerwünschten Geruch zu maskieren und sich aus dem Rohstoff hochwertige Produkte herstellen lassen, ist unstrittig.

Und doch will niemand diesen Rohstoff. Die über zwanzig Jahre zurückliegende „Ekel am Herd“-Schlagzeile aus dem Nachrichtenmagazin Spiegel sitzt tief. Während sich die Landwirte zunehmend mit der Ebermast anfreunden und Dank der Initiative Tierwohl dieser Weg auch gut entlohnt wird, ziehen die Schlachter die Reißleine. Sie rechnen mit einem wachsenden Angebot an Ebern, nur einen Markt dafür gibt es nicht. Die Ebermast-Alternative entpuppt sich als Sackgasse und verliert vor der K3-Problematik des Stinkefleischs auch wichtige ethische Pluspunkte.
Quelle: afz – allgemeine fleischer zeitung 49/2014
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