Azubimangel: Imagepflege geht jeden an
Sandra Sieler
Azubimangel

Imagepflege geht jeden an

Dienstag, 29. September 2015

FRANKFURT Offene Lehrstellen auf der einen Seite, auf der anderen finden aber längst nicht alle Bewerber den für sie passenden Platz – die Lage am Ausbildungsmarkt verschärft sich von Jahr zu Jahr. Und das hat im Anschluss gravierende Auswirkungen auf den Fachkräftesektor.

Die Gründe für das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage sind vielschichtig, bieten damit aber auch eine Reihe von Lösungsansätzen.



Seit Mitte der 2000er-Jahre nimmt die Anzahl der Schulabgänger ab. Lediglich die doppelten Abiturjahrgänge in manchen Bundesländern sorgten zwischen 2007 und 2013 für eine kurzfristige Entspannung. Für die klassische duale Ausbildung wirkt die Tendenz hin zu höheren Schulabschlüssen noch verschärfend, und das wird zunächst auch so bleiben.

Das sind vom Markt her schon mal schwierige Voraussetzungen, mit denen das bei Schulabgängern eher unpopuläre Fleischerhandwerk zu kämpfen hat. Die demografische Entwicklung lässt sich nicht aufhalten, ebenso wenig die wachsende Neigung zum Studium.

Woran sich aber drehen lässt, ist das Image der Ausbildung zum Metzger oder zur Fachverkäuferin. Und dabei ist ausnahmslos jeder im Fleischerhandwerk gefragt, egal ob er noch selbst ausbildet oder nicht. Jeder einzelne Betrieb ist ein Puzzleteil im Gesamtbild der Branche. Schließlich wissen die Hersteller von Fleisch und Wurst nur zu gut, dass manchmal ein einziges schwarzes Schaf ausreicht, um alle Kollegen pauschal in Misskredit zu bringen.

Bei aller Tradition, auf die das Fleischerhandwerk zurückblicken kann, kommt es für die Unternehmen heute vor allem darauf an, sich als zukunftssicherer, moderner und vielseitiger Arbeitgeber zu präsentieren. Die Voraussetzungen dafür sind da, es gilt sie nur im richtigen Rahmen zu kommunizieren, und das auf den verschiedensten Ebenen.

Ausbildungsbörsen, der Kontakt zum Arbeitsamt und zu allgemeinbildenden Schulen und Kindergärten – diese Ansatzpunkte sind angesichts der stark umworbenen Schulabgänger zur Selbstverständlichkeit geworden. Mit dem vor einem Jahr frisch aufgelegten Werbematerial sowie den verschiedenen Plattformen für die Nachwuchswerbung gibt der DFV die perfekte Grundlage für solche Auftritte. Das nun mit Leben zu füllen und damit das Handwerk erlebbar zu machen, das können nur die Profis selbst.

Über die bunte Werbewelt der Prospekte hinaus müssen sich ausbildende Fleischereien verstärkt als Arbeitgebermarke positionieren. Dazu gehört heute allerdings mehr, als nur ein guter Ausbilder zu sein. In der Welt der Jugendlichen zählen Statussymbole. Warum nicht als Goodie ein Handy drauflegen auf das kleine Lehrgeld, als Ansporn einen Bonus ausloben oder etwas zum Führerschein dazu geben?

Für den Betrieb sind das Aufwendungen, die sich im Rahmen halten, für den Lehrling bedeuten sie Anerkennung: von seinen Kumpels und vom Chef. Und gegenseitiger Respekt ist eine Grundvoraussetzung für eine angenehme und motivierende Arbeitsatmosphäre. Nur wer sich ernstgenommen fühlt, bringt gute Leistungen und denkt schon mal über das Notwendige hinaus.

Eine Branche, die für ihre kreativen Berufe wirbt, muss dieses Bild selbst und authentisch leben. Dabei ist mehr gefragt als bunte Grillspieße zu stecken oder eine exotische Bratwurst zu kreieren. Nur wenn jeder daran arbeitet, mit dem überkommenen Bild der kalten und blutigen Arbeitswelt in der Fleischerei aufzuräumen, bewegt sich was.

Und wenn alle an einer durchgehend zeitgemäßen und nachwuchsorientierten Ausrichtung aller Betriebe mitwirken, gelingt das auch. Jeder sollte für sich den Plan aufstellen, dass es einmal heißt: Wenn eine Ausbildung im Fleischerhandwerk, dann bei mir!

Quelle: afz 40/2015
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