Contra: Neuland verspielt Vertrauen
Sandra Sieler
Contra

Neuland verspielt Vertrauen

Dienstag, 28. August 2018

FRANKFURT Fleisch aus dem Neuland-Programm gibt es jetzt auch bei Aldi & Co. Damit geht der Trägerverein fremd. Ein gelungener Werbecoup.

Bislang war es exklusiv Fachgeschäften und Restaurants vorbehalten. Das war auch als Ausdruck der Verantwortung zu werten, für Tier und Umwelt, für Regionalität und Fairness. Steht das nun auf dem Spiel?

Dass das Tierwohl-Fleisch von Neuland nun in noch mehr Geschäften der Republik zu bekommen ist, ist ein Erfolg – für die Fleischer, für den Verbund und nicht zuletzt für die Tiere. Die Metzger gewinnen, weil die Vermarktung an eine breitere Käuferschicht dem Programm noch einen Extra-Schwung verleihen dürfte. Denn die Aufmerksamkeit für das Fleisch aus artgerechter Aufzucht wird mit einem Mal enorm gesteigert. Das wird die Nachfrage anheizen und auch den Fachgeschäften neue Kunden bescheren.

Für die Partner des Neuland-Programms ist die Ausweitung der Vertriebskanäle die Bestätigung, vor knapp 30 Jahren den richtigen Weg eingeschlagen zu haben und heute das zu bieten, was der Kunde auch morgen noch gern und guten Gewissens kauft. Denn dass die Käufer von Fleisch zunehmend verantwortungsvoll handeln, wird keine Eintagsfliege bleiben. Da braucht es fundierte Antworten. Und diejenigen, die die Wertschöpfungskette nicht selbst in der Hand haben, sind dabei auf Garantien innerhalb eines Verbunds angewiesen.
Und das bringt uns zur wichtigen Frage der Wertschätzung der Tiere als Ursprung des wertvollen Rohstoffs Fleisch. Artgerechte Haltung und ein schonender Umgang mit den Mitgeschöpfen sind Grundlage des Selbstverständnisses des Fleischerhandwerks. Dass ein erfolgreich etabliertes Programm mit tiergerechter Aufzucht und Fleischgewinnung nun noch mehr Schlachttieren zugute kommt, erfreut alle, die sich ein Höchstmaß an Tierschutz in Stall und Schlachthof wünschen.

Somit könnte es sich letztlich als gelungene Werbemaßnahme entpuppen, dass das Label von Neuland nun auch von großen Handelsketten getragen wird. Immer vorausgesetzt, die Qualitätsargumente behalten auch bei einer Produktion im großen Stil ihre Gültigkeit: besonders tiergerechte Haltung in bäuerlichen Strukturen. Das werden besonders die Kritiker in Zukunft noch genauer beäugen.

Lesen Sie auch die Gegenposition „Kriegserklärung“ von Chefredakteur Jörg Schiffeler.
Quelle: afz 35/2018
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