Coronavirus: Gesundheit geht vor, erst ist Ge...
Coronavirus

Gesundheit geht vor, erst ist Geduld gefragt

FRANKFURT Wir stehen immer noch am Anfang der Epidemie. Das hat RKI-Präsident Lothar Wieler in der vergangenen Woche noch einmal klargestellt.

Derzeit ist völlig offen, wie stark sich das Coronavirus in Deutschland ausbreitet. Dass wir bisher signifikant weniger Todesfälle zu beklagen haben als Italien und Spanien, darf uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. Daher kommen Rufe nach Lockerung der derzeitigen Schutzmaßnahmen zu früh. Die Gesundheit der Bevölkerung darf gegenüber den Interessen der Wirtschaft nicht hintenan stehen.


Die Kontaktsperre war kaum eine Woche in Kraft, und damit nicht mal ausreichend für einen Inkubationszyklus des gefährlichen Coronavirus, da mehrten sich bereits die Forderungen nach einer Rücknahme der Auflagen. Und diese greifen durchaus tief in das Zusammenleben unserer Gesellschaft ein. Kritiker hegen die Befürchtung, Deutschland könne in eine tiefe Rezession stürzen. In der Tat sehen die Wirtschaftsweisen genau das kommen: einen wirtschaftlichen Abschwung. Wie einschneidend dieser sein wird, hänge entscheidend von der Dauer der angeordneten Restriktionen ab. Die Szenarien schwanken daher zwischen einem Minus von 2,8 und 5,6 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Das BIP gilt als Maß für die Wirtschaftsleistung eines Landes. Im pessimistischsten der drei Modelle kommt die Konjunktur erst im Lauf des kommenden Jahres wieder in Schwung. Das wäre bitter: für die Wirtschaft, aber auch für unsere Gesellschaft. 
Schmerzhafte Einschnitte spüren die Fleischer bereits jetzt: Vielen ist das Cateringgeschäft komplett weggebrochen. Damit gingen Aufträge bis in den fünf- oder sechsstelligen Bereich flöten. Hinzu kommt, dass die Gastronomie in weiten Teilen brach liegt und somit wichtige Lieferungen der Fachgeschäfte entfallen. Das Verbot des Verzehrs vor Ort beschneidet die Metzger außerdem. Snacks dürfen nur noch zum Mitnehmen verkauft werden. Und wer bislang von der hohen Kundenfrequenz in Fußgängerzonen profitierte, ist dort plötzlich nahezu abgeschnitten: Die anderen Läden sind zu, die Kunden damit weg.

Diese Dellen, die die Bilanz schon jetzt – zu Beginn der Corona-Epidemie – aufweist, kann das boomende Ladengeschäft nicht gänzlich ausgleichen. Wer schnell reagiert, zieht zwar zusätzlich einen Lieferservice auf oder baut den vorhandenen Dienst kräftig aus. Das erfordert aber Ressourcen. Vor allem personell waren die Fachgeschäfte allerdings schon vorher nicht auf Rosen gebettet. Jeder zusätzliche Euro in der Kasse ist also sauer verdient. Ein großer Dank gebührt an dieser Stelle vor allem den Teams an den Theken des Fleischerhandwerks. Die Verkäuferinnen und Verkäufer machen es ja erst möglich, dass die Bundesbürger ihre Hamsterkäufe tätigen können. Sie sichern jetzt die Versorgung der Familien, die dem Gebot der Stunde folgen und zu Hause bleiben. Denn einen kleinen positiven Nebeneffekt zeigt die deutschlandweite „Quarantäne“ ja bereits: Es wird wieder mehr gekocht. In der Krise erweisen sich die Fachgeschäfte als verlässliche Nahversorger. Sie können nicht zu Hause bleiben. Das Vertrauen zum Händler und Handwerker vor Ort gewinnt damit wieder an Bedeutung, während die international weit verzweigten Lieferketten gerade nicht besonders hoch im Kurs stehen. Außerdem ist das Fleischerhandwerk durch seine Unabhängigkeit flexibel und wendig. Die Betriebe können ihren Kurs leichter um ein paar Grad korrigieren.

In der Krise liegen auch Chancen, wie das Beispiel der Lieferdienste zeigt. Diese Art der verbrauchernahen Versorgung wird in der Phase des hoffentlich bald folgenden Aufschwungs sicher nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Noch ist es indes zu früh, von der Zeit „danach“ zu reden. Das haben die Innenminister jetzt unisono bekräftigt: Eine Lockerung der Maßnahmen kommt gegenwärtig nicht in Betracht.

Das Corona-Dossier

Die wichtigsten Branchen-Nachrichten zur Corona-Krise haben wir hier für Sie in einem Dossier zusammengestellt. Das Coronavirus setzt der Wirtschaft weltweit zu und macht weder vor Länder- noch vor Branchengrenzen halt. Deshalb bündeln die Top-Titel der dfv Mediengruppe, zu der auch afz - allgemeine fleischer zeitung, „Fleischwirtschaft“ und fleischwirtschaft.de gehören, fortan die wichtigsten Berichte aus verschiedenen Branchen in einem „Corona-Dossier“ - von der Lebensmittelindustrie über Gastronomie und Hotellerie bis Touristik, von Agrarwirtschaft und Fleischwirtschaft über Verpackung und Finanzen bis hin zu Marketing und Fashion. Hier geht es weiter.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 14/2020
stats