Der FleischWirtschaft Kommentar: Tierwohl gib...
Der FleischWirtschaft Kommentar

Tierwohl gibt’s nicht für ein bisschen Spielgeld

FRANKFURT Wie es um die Zusammenarbeit der Partner in der Lebensmittelkette steht, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Großbritannien. Hier hat der britische Supermarktriese Tesco Zahlungen an Lieferanten gezielt und auf unfaire Weise verzögert.

Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung von Christine Tacon, der von der britischen Regierung vor drei Jahren bestellten und unabhängigen „Supermarkt-Ombudsfrau“ Groceries Code Adjudicator (GCA). Sie hat die öffentliche Aufgabe, die Beziehung zwischen Supermärkten und deren Zulieferer im Vereinigten Königreich zu regeln.


Die Verstöße gegen bindende Verhaltensrichtlinien haben offenbar der Handelskette geholfen, ihre eigenen Finanzen zu beschönigen.

Der GCA-Untersuchung zufolge hat Tesco zum Beispiel Zahlungen aus verschiedenen Gründen verzögert, unter anderem bei Preisänderungen. Demnach hat die Kette einem Lieferanten mehrere Millionen Pfund geschuldet, weil Korrekturen in den Systemen des Händlers lange Zeit falsch erfasst wurden. Erst über zwei Jahre nach Beginn des Problems hat Tesco laut der Ombudsfrau diese Schulden beglichen.

Ein weiteres Problem war laut GCA, dass Tesco einseitig Abzüge von Verbildlichkeiten für gelieferte Waren gemacht hat. Hierfür sieht die Ombudsfrau eine Frist von 30 Tagen vor, in der Lieferanten solche Abzüge beanspruchen können. Insgesamt sprach sie fünf Empfehlungen aus, an welchen Stellen Tesco beim Umgang mit Lieferanten und in Sachen Zahlungen nachbessern muss. Die Supermarktkette hat nun vier Wochen Zeit, um einen Umsetzungsplan vorzulegen und wird in weiterer Folge regelmäßig Bericht erstatten müssen.

Insider erkennen in der beanstandeten Vorgehensweise nichts Neues. Finanzierung über erzwungene Lieferantenkredite ist etwas, was auch Hersteller in Deutschland tagtäglich erleben. Es ist schon Galgenhumor, wenn der in Verhandlungen häufig angeschnittene „Werbekostenzuschuss“ (WKZ) von Produzenten gern auch mit „Wer kann’s zahlen?“ übersetzt wird.

Die oft konträren Lager sind nun in der Initiative Tierwohl zusammengekommen und müssen auch finanziell an einem Strang ziehen. Der aktuelle Stand ist, dass es zum Finanzierungsbeitrag sehr unterschiedliche Vorstellungen gibt und teilweise noch große Hürden zu überwinden sind. Bei der Heterogenität der Gesellschafter ist dieses kein Wunder.

Dennoch muss sich die gesamte Kette partnerschaftlich fair zusammenraufen, um den dringenden Verbraucherwunsch nach Tierwohl umzusetzen. Alleingänge sind zum Scheitern verurteilt. Wenn sich alle – Landwirt, Verarbeiter, Handel und Verbraucher – finanziell einbringen, läuft das auf eine minimale Erhöhung der Endpreise hinaus. Da Verbraucher jedoch Rabattjäger sind, kann ein solches System nicht auf Freiwilligkeit bauen und benötigt im äußersten Falle auch staatliche Steuerung.

Quelle: FleischWirtschaft 2/2016
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