Deutscher Fleisch Kongress: Panikmache? Nein ...
Deutscher Fleisch Kongress

Panikmache? Nein danke!

FRANKFURT Wenn der diesjährige 10. Deutsche Fleisch Kongress in Frankfurt am Main neben informativen Vorträgen zu Märkten, Initiativen und Unternehmen etwas lehren konnte, dann, dass mediale Panik- und Meinungsmache nicht all zu viel mit aktuellen Daten und Fakten zu tun haben.

Heiß diskutierte Themen in der Publikumspresse, wie krebserregendes Fleisch oder der Veggie-Boom und die mitschwingende Prognose vom Ende des Fleischkonsums, stimmen nicht mit den Erhebungen der Meinungsforschungsinstitute überein. Denn ein großer Teil der Verbraucher in Deutschland spricht offenbar eine andere Sprache.


So brachte es Helmut Hübsch von der GfK-Marktforschung auf den Punkt: Die Branche hat zwar viele Top-Trends zu beachten, aber der Fleischmarkt wird bei aller negativer Stimmung wie gewohnt weiterexistieren.

Trotz stagnierender Märkte kauften weiterhin 96 Prozent aller Haushalte bei Fleisch und Wurst. Und auch wenn ein Mengenrückgang um zwei Kilo pro Haushalt und Jahr vorliegt, ist dies aufgrund der kleineren Haushaltsgrößen von ein bis zwei Personen keine allzu dramatische Entwicklung. Denn rückläufige Märkte, beispielsweise beim Rindfleisch, erreichen durch partiell vermehrte Nachfrage von Teilstücken, beispielsweise Steaks, wieder Oberwasser. Kurzum: Die Themen Veggie-Boom und Fleisch als Risikolebensmittel spiegeln sich nicht all zu sehr in den Daten wider.

Gründe für die leichten Rückgänge sind die derzeitigen Lebensumstände der Bevölkerung. Was nicht mehr im Supermarkt gekauft wird, verzehrt der Verbraucher als To-Go- oder Außer-Haus-Produkt in der Kantine, der Kita oder im Restaurant. Aus Zeitmangel werden neue Wege in der hiesigen Esskultur beschritten. Handel und Fachgeschäfte müssen sich anpassen. Was sie mengenmäßig am Umsatz mit Fleisch verlieren, können sie über Edelware für ambitionierte Hobbyköche oder ein umfangreicheres Angebot an Ready-to-Eat-Angeboten und Snacks wieder einholen.

Laut Referent Joachim Bachner von TNS Infratest ist dies tatsächlich ein gangbarer Weg. Mittel- und langfristig entwickele sich der Konsum nicht generell weg vom Fleisch, sondern erhalte lediglich eine neue Gewichtung. Bachner prognostizierte einen kontinuierlich weiter steigenden Außer-Haus-Verzehr durch immer weniger selbst kochende Haushalte. Ernährung werde mehr und mehr zum Ausdruck des eigenen Lebensstils, Nachhaltigkeit und ökologischer Anbau für die Bevölkerung immer wichtiger. Durch technologischen Fortschritt befeuert würden die Verbraucher Grundnahrungsmittel häufiger online einkaufen, während Handel und Fachgeschäfte sich immer mehr auf Edelware und besondere Highlights spezialisierten.

So klaffen zwei Schneiden einer Schere auseinander – Luxusware und Convenience-Produkte. Beide scheinen ein Weg zum Erfolg zu sein. Wie diese Wege dann medial begleitet werden, steht auf einem anderen Blatt.

Quelle: FleischWirtschaft 12/2015
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