Die Zukunft der Ernährung: Fleischlos – auf d...
Die Zukunft der Ernährung

Fleischlos – auf dem Weg zum Trend des Jahres?

FRANKFURT Die „fleischlose Wurst“ als wichtigste Produktneueinführung der Anuga? Das gab es schon vor zwei Jahren und wird im Oktober weiter perfektioniert.

 Das Thema „Leben mit weniger oder ohne Fleisch“ ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, und die Nachfrage wird fleißig von der Industrie bedient. Die Umsätze mit veganen Produkten wachsen, die Gastronomie macht mit und sogar eigene Messen bedienen den Trend.



Richtig ist, den deutschen Verbrauchern – auch den Nicht-Vegetariern – liegt nicht nur das Wohl der Nutztiere am Herzen. Sie überdenken ihren Fleischkonsum. Diese Strömung nimmt der deutsche Lebensmittelhandel natürlich auf und fordert seine Lieferanten auf, hier mitzuziehen. Wurst- und Fleischwarenproduzenten sind entsprechend getrieben und inzwischen wohl tatsächlich auf den Geschmack gekommen.

Immer mehr basteln an den technologischen Möglichkeiten, die Ersatzprodukte leckerer zu machen und erweitern ihr Stammsortiment entsprechend um Brüh-, Koch- und Rohwürste, Frikadellen, Schnitzel und sogar Schinken – ganz ohne Fleisch. Da der sonst sehr preissensible deutsche Kunde bereit ist, für Vegetarisches und Veganes bis zu 60 Prozent mehr zu bezahlen, kein schlechtes Geschäft.

Für Fleischvermarkter und Wursthersteller ist die Anuga die wichtigste Plattform, um über Neuentwicklungen und Produktoptimierungen mit ihren Abnehmern zu diskutieren. Spannend wird dabei auch sein, wie das „neue“ Sortiment beim internationalen Publikum ankommt.

Ist fleischlos der Trend des Jahres 2015? Für die Großproduzenten keine Frage. Sie setzen auf das schnelle Pferd, während der klassische Metzger um die Ecke zurückhaltend bleibt und lieber auf die regionale Herkunft baut, statt einer flüchtigen Modeerscheinung hinterherzulaufen.

Das von der GfK beobachtete Kaufverhalten stärkt hingegen die Trendbegleiter: Jeder zweite Bundesbürger, der Interesse an fleischlosen Ersatzprodukten äußert, kauft neben konventionellen Wurstspezialitäten zumindest gelegentlich fleischlose Wurst. Das ist ebenso ein Markt, wie laktose- oder glutenfreie Wurst. Außerdem fand die GfK heraus, dass der Veggie-Trend von den Verbrauchern unter 40 Jahren getragen wird. Ihr Anteil am Umsatz mit vegetarischen Produkten liege inzwischen bei 34 Prozent, obwohl die Altersgruppe in der Gesamtbevölkerung kleiner wird.

Ob die schöne neue Veggie-Welt mehr als eine Jugendbewegung und nachhaltig ist, ist auch Ansichtssache. Noch liegt über dem neuartigen Lebensmittelsegment der Schutzmantel der Verbraucherlobbyisten. Sie blicken sehr wohlwollend auf die neuen, vermeintlich „besseren“ Fleischalternativen und blenden so manche Transparenz-Lüge aus.

Dabei steht allen eine herausfordernde lebensmittelrechtliche Diskussion ins Haus. Denn wer sich über Schinken-Qualitäten und den Leberanteil in der Leberwurst trefflich streitet, muss auch eine rechtlich relevante Antwort auf die Frage geben, wann eine Wurst eine Wurst ist und ob ein Schinken aus Soja- oder Milcheiweiß tatsächlich ein Schinken ist und auch so heißen darf.

Quelle: FleischWirtschaft 9/2015
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