Ebermast: Schluss mit dem Schnitt
Ebermast

Schluss mit dem Schnitt

FRANKFURT Wer einen Königsweg für den Ausstieg aus der Ferkelkastration erwartet hatte, den stellten die Diskussionen beim Forum der Fleischwirtschaft in Osnabrück nicht zufrieden. Praxisbeispiele für eine erfolgreiche Ebermast und -vermarktung standen massiven Bedenken in Bezug auf Qualität und Tierschutz gegenüber.

Tönnies schlachtet bereits 35.000 Eber pro Woche. Der Konzern hat seit 2009 schon einige Erfahrung gesammelt. Vion und Westfleisch ebenso. Kein Unternehmen kann es sich leisten, seinen Kunden unsichere Produkte anzubieten. Die Ebermast funktioniert also. Aber wann ist die Grenze erreicht? Geruchsauffälliges Fleisch lässt sich nur in begrenzten Mengen und nur für bestimmte Produkte vertreiben. Die Aufnahmefähigkeit des Markts dürfte also begrenzt sein, eine Stagnation ist bereits spürbar.




Auf der anderen Seite steht der Handel und erzeugt Druck. Die Ankündigung von Aldi Süd gibt dem Thema neuen Schwung: Ab 2017 akzeptiert der Discounter kein Fleisch mehr von kastrierten Schweinen. Damit gehen die Mülheimer proaktiv der öffentlichen Diskussion aus dem Weg. Das Kastrieren ist dem Verbraucher in Zeiten von Tierwohl nicht mehr vermittelbar - selbst wenn es gängige Praxis schon seit dem Mittelalter ist. Da hat die Branche den Anschluss verpasst und muss das Problem nun möglichst unauffällig aus der Welt schaffen.

Der Anfang ist gemacht und er scheint vielversprechend. Zu viele Fragen sind aber noch offen. Vielleicht braucht es bis zum kompletten Verzicht auf die chirurgische Kastration einen weiteren Zwischenschritt, eventuell muss man am Zeitplan feilen. Das Ziel muss aber für alle lauten: Schluss mit dem Schnitt.

Quelle: afz – allgemeine fleischer zeitung 25/2015
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