Einkaufsquellen: Bittere Einsicht in das Notw...
Einkaufsquellen

Bittere Einsicht in das Notwendige

FRANKFURT Die Kölner Genossenschaft hat das Handtuch geworfen und macht bald den Laden dicht. Ein mutiger Entschluss, vor allem wenn ein Traditionsunternehmen in der Hand des Fleischerhandwerks aus eigenem Antrieb für immer die Tore schließen wird.

Die Beteiligung an der außerordentlichen Generalversammlung zeigt einerseits die Verbundenheit der Mitglieder mit ihrer Einkaufsstätte, andererseits wirft deren Verhalten aber auch Fragen auf. Wer die Schließung bedauert, sollte diesen Moment zum Nachdenken nutzen. Passt es zusammen, immer mehr Service von seiner Genossenschaft zu verlangen und gleichzeitig dieser die Einkaufstreue zu verweigern, wenn es irgendwo anders etwas billiger ist? Ist es verantwortungsvoll gegenüber dem Lieferanten, sich selbst Kleinstmengen, die beim Einkauf vergessen wurden, individuell anliefern zu lassen und damit teuren Service einzufordern?

Der vereinzelte Aufruf, doch nun in Zeiten der Krise zusammenzustehen, die Ärmel aufzukrempeln und zu zeigen, dass noch Mumm und Unternehmergeist in den Mitgliedern steckt, verklang ohne nennenswertes Echo. Immerhin galt es an Ort und Stelle, die Wahl zwischen ungewisser Zukunft und sicherer Rendite auf den Geschäftsanteil zu treffen. Die Versorgung mit Waren und Rohstoffen übernehmen andere Anbieter gern im fliegenden Wechsel.

Genossenschaften wurden als Selbsthilfeorganisationen gegründet und erlebten als solche auch ihre Blütezeiten. Die sind Geschichte. Wird nach mehreren Insolvenzen in der Nachbarschaft nun die freiwillige Schließung ein Zeichen für die Einsicht in die wirtschaftliche Notwendigkeit setzen? Oder wird hier das Ende einer Ära der handwerklichen Geschäftskultur eingeläutet? Hoffentlich nicht.

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